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Der große Stipendienratgeber - So bekommt ihr ein Studienstipendium

Der große Stipendienratgeber - So bekommt ihr ein Studienstipendium

Die Chance auf ein Stipendium wird von den wenigsten Studenten genutzt: Nur jeder fünfte Studierende unternimmt den Versuch, ein Stipendium zu bekommen. Der Anteil der Stipendiaten unter den 18 bis 29-Jährigen liegt laut einer Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2014 bei gerade einmal vier Prozent. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, eine finanzielle und ideelle Förderung fürs Studium zu erhalten. Wir stellen euch hier die wichtigsten Stiftungen und Fördermöglichkeiten vor.

Wer bekommt ein Stipendium?

Stipendien bekommen nur diejenigen, die sehr begabt sind und aus Akademikerfamilien stammen – so die allgemeine Überzeugung. Bei einem genaueren Blick auf die Ergebnisse einer Studie der Initiative für transparente Studienförderung (Ist) und der Stiftung Mercator aus dem Jahr 2016 muss dieser weithin vorherrschende Eindruck jedoch insgesamt relativiert werden: Zwar finden sich unter den mehr als 25.000 Studierenden, die an der Onlinebefragung teilnahmen, tatsächlich die meisten Stipendiaten in der Gruppe mit „hoher Bildungsherkunft“. Doch auch unter den Bewerbern mit einem familiären Hintergrund mittlerer oder niedriger Bildungsherkunft kommt etwa jeder Fünfte in den Genuss eines Stipendiums. Eines sollte dabei nicht unerwähnt bleiben: Je höher der Grad der Bildungsherkunft, desto mehr Bewerber um ein Stipendium finden sich in der jeweiligen Gruppe der Studierenden. Ein Stipendium wird also zwar häufiger an Bewerber aus einem Akademikerhaushalt vergeben, doch auch bei den anderen Bewerbergruppen bestehen durchaus Chancen auf eine erfolgreiche Bewerbung um ein Stipendium.

Förderwerke unterstützen mit ihrem Förderprogramm häufig eine bestimmte Gruppe von Studierenden. Dabei kommt es nicht immer auf herausragende Leistungen an: Es gibt Angebote für spezielle Fachgebiete, für alleinerziehende Studenten, für Menschen mit einer Behinderung oder für Personen mit Migrationshintergrund. Manche Förderprogramme sind auch an eine bestimmte Region gebunden. Darüber hinaus unterstützen Förderwerke des Öfteren die Betreuung eines bestimmten Forschungsprojektes oder möchten denjenigen jungen Leuten eine Unterstützung bieten, die mit dem Schreiben ihrer Doktorarbeit beschäftigt sind.

Zudem kann es sich auch nach einigen Semestern noch lohnen, sich um ein Stipendium zu bemühen. Denn die Stipendienstudie 2016 zeigt: Stipendiaten werden viele erst mit fortschreitendem Studium. Während im Bachelor knapp ein Sechstel der Studierenden ein Stipendium in Anspruch nimmt, sind es im Master mit 32,9 Prozent fast doppelt so viele.

Wie viel Geld bekomme ich bei einem Stipendium?

Wie hoch die finanzielle Förderung bei einem Stipendium ausfällt, ist abhängig von der jeweiligen Stiftung, bei der ihr euch bewerbt. Beispielsweise erhalten Stipendiaten der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung oder der Studienstiftung des Deutschen Volkes – zusätzlich zu einer Studienkostenpauschale von 300 Euro – bis zu 649 Euro monatlich. Bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung beträgt die Förderung neben der Studienkostenpauschale bis zu 735 Euro im Monat. Abhängig von der individuellen Situation der Bewerber werden zusätzlich Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung übernommen und ein Familienzuschlag bewilligt. Der Förderbeitrag der Bischöflichen Studienförderung des Cusanuswerks beträgt 597 Euro monatlich. Unabhängig von der Höhe des Grundstipendiums erhalten Stipendiaten auch hier die Studienkostenpauschale von 300 Euro im Monat. Die BMW Group München fördert Studierende über das Stipendiatenprogramm SpeedUp mit einem finanziellen Betrag von 720 Euro monatlich und einer Reisekostenpauschale von 350 Euro pro Semester.

Was bieten Stipendien?

In der Regel bieten Stipendien finanzielle Unterstützung für den Lebensunterhalt, die Wohnung und Lehrmaterial an. Ebenso gibt es finanzielle Leistungen für die Ermöglichung eines Aufenthalts im Ausland. Daneben werden oftmals Seminare und Veranstaltungen angeboten. Stipendiaten haben zudem häufig die Chance, sich ein gutes Netzwerk aufzubauen und Impulsgeber und Mentoren zu finden.

Welche Stiftungen gibt es?

In Deutschland gibt es eine Vielfalt an Stiftungen, die Stipendien vergeben. Allein 13 Begabtenförderungswerke vergeben Stipendien aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, darunter sechs parteinahe Stiftungen und vier konfessionelle Begabtenförderungswerke. Sie bilden verschiedene weltanschauliche, religiöse, politische, wirtschafts- oder gewerkschaftsorientierte Strömungen in Deutschland ab und fördern leistungsstarke junge Menschen. Diese Stipendien sollen an hochmotivierte, qualifizierte und außerfachlich engagierte Studierende an staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland, der gesamten EU und der Schweiz vergeben werden. Zudem wird in der Regel ein interdisziplinäres Interesse vorausgesetzt. In den vergangenen Jahren wurden die Haushaltsmittel für die Begabtenförderung von 80,5 Millionen Euro (2005) auf 243,9 Millionen Euro (2016) gesteigert.

Neben den 13 Begabtenförderungswerken gibt es noch zahlreiche weitere Stiftungen, darunter auch Firmenstiftungen sowie viele kleinere Einrichtungen, die zum Teil sogar von Einzelpersonen gegründet wurden. Die folgende Liste gibt einen Überblick über die Begabtenförderungswerke und zeigt Beispiele für sonstige Stiftungen auf. Für umfassende Informationen zu Stipendienangeboten ist die Seite www.mystipendium.de mit einer Datenbank bestehend aus mehr als 2.300 Stipendienprogrammen zu empfehlen.

Parteinahe Stiftungen

Parteinahe Stiftungen fördern Studierende und Promovierende, die sich den Werten und der politischen Ausrichtung der jeweiligen Stiftung verbunden fühlen.

  • Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD-nah)
    Bei der Auswahl werden insbesondere Menschen aus Elternhäusern ohne Hochschulerfahrung und/oder mit Migrationshintergrund berücksichtigt.
  • Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. (CDU-nah)
    Auch diese Stiftung ermuntert ausdrücklich junge Menschen aus Elternhäusern ohne Hochschulerfahrung und/oder mit Migrationshintergrund zu einer Bewerbung.
  • Hanns-Seidel-Stiftung e.V. (CSU-nah)
    Die Förderung gilt nicht nur für Stipendiaten im Bundesland Bayern, sondern in ganz Deutschland sowie anderen Mitgliedsländern der EU und der Schweiz.
  • Heinrich-Böll-Stiftung (Bündnis 90/Die Grünen-nah)
    Es wird eine aktive Auseinandersetzung mit Themen wie Ökologie und Nachhaltigkeit erwartet, die zu den Grundwerten der Stiftung zählen.
  • Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FDP-nah)
    Seit 2007 ist der Zusatz „für die Freiheit“ entsprechend der liberalen Ausrichtung Bestandteil des Stiftungsnamens.
  • Rosa-Luxemburg-Stiftung (Linkspartei-nah)
    Die Stiftung möchte Studierende und Promovierende von MINT-Fächern zu einer Bewerbung ermutigen. Bei vergleichbaren Leistungen und Engagement werden Frauen, sozial Bedürftige und Menschen mit Behinderungen bevorzugt.

Konfessionelle Begabtenförderungswerke

Konfessionelle Begabtenförderungswerke vergeben Stipendien an Studierende und Promovierende, die ihrer religiösen Ausrichtung und Wertorientierung entsprechen.

  • Cusanuswerk – Bischöfliche Studienförderung (Katholische Kirche)
    Erwartet werden ein gelebter christlicher Glaube und die Bereitschaft, die Kirche mitzugestalten. Für Bewerber, die einer nicht-unierten orthodoxen oder altorientalischen Kirche angehören, ist eine Bewerbung nach Einzelfallprüfung möglich.
  • Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst (Evangelische Landeskirchen)
    Eine Bewerbung ist auch bei der Nicht-Mitgliedschaft in einer evangelischen Kirche über einen Sonderantrag möglich.
  • Ernst-Ludwig-Ehrlich Studienwerk (jüdisch)
    Die Stiftung fördert Jüdinnen und Juden aller Denominationen – von orthodox bis liberal, von konservativ bis säkular.
  • Avicenna-Studienwerk (muslimisch)
    Auch nicht-muslimische Bewerber können in begründeten Ausnahmefällen in die Förderung aufgenommen werden.

Weitere Begabtenförderungswerke

  • Hans-Böckler-Stiftung (gewerkschaftsnah)
    Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat es sich als erstes der deutschen Begabtenförderungswerke zur Aufgabe gemacht, auch und gerade Talente aus bildungsbenachteiligten Bevölkerungsschichten zu unterstützen. Die Stiftung fördert Abiturienten, die sich aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft beteiligen wollen, Studierende mit gewerkschaftlichem oder gesellschaftspolitischem Engagement und Promovierende.
  • Stiftung der Deutschen Wirtschaft und die nicht-selbstständige Sub-Stiftung Studienförderwerk Klaus Murmann (unternehmer- bzw. arbeitgebernah)
    Hinter der wirtschaftsnahen Stiftung stehen vor allem Unternehmensverbände der Metall- und Elektroindustrie, der Textil- und der Versicherungsbranche sowie die Familie Murmann. Von Stipendiaten wird Gemeinsinn und Unternehmergeist erwartet.
  • Studienstiftung des deutschen Volkes (politisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängig)
    Gefördert werden sollen Studierende, deren wissenschaftliche Begabung und deren Persönlichkeit besondere Leistungen im Dienst der Allgemeinheit erwarten lassen. Die Einladung zu Auswahlgesprächen erfolgt in der Regel über den Vorschlag der Veranstalter kooperierender Wettbewerbe, von Schulleitern, Hochschullehrern bzw. Betreuern von Promotionsvorhaben. Für Studienanfänger ist zudem die Selbstbewerbung möglich.

Beispiele für sonstige Stiftungen

  • Otto-Benecke-Stiftung
    Diese Stiftung sieht die Förderung junger Migranten vor. Neben konkreten Leistungen wie einem Zuschuss zu Unterkunftskosten unterstützen Bildungsberater Stipendiaten bei Fragen der schulischen und beruflichen Integration: Gemeinsam planen sie mit den Ratsuchenden die Aufnahme bzw. Fortsetzung eines Hochschulstudiums oder den Einstieg in eine akademische Erwerbstätigkeit.
  • MTU-Studienstiftung
    Die Förderung richtet sich an Frauen naturwissenschaftlich-technischer Studiengänge mit überdurchschnittlichen fachlichen Leistungen. Nach der Teilnahme an Stiftungstagen wird ausgewählten Studentinnen die Unterstützung im Rahmen der persönlichen und fachlichen Qualifizierung geboten.
  • Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung
    Im Rahmen eines Weiterbildungsstipendiums werden junge Menschen mit einem besonders erfolgreichen Abschluss einer Berufsausbildung bei der weiteren beruflichen Qualifizierung unterstützt. Zum Förderungsprogramm zählen fachliche Lehrgänge sowie fachübergreifende Weiterbildungen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch ein berufsbegleitendes Studium unterstützt werden.
  • Nassauischer Zentralstudienfonds
    Durch den Fonds werden Bildungsmaßnahmen in Hessen auf dem Gebiet des ehemaligen Herzogtums Nassau unterstützt. Antragstellerinnen und Antragsteller müssen im Gebiet des ehemaligen Herzogtums Nassau in den 1817-1866 geltenden Grenzen geboren sein und als ordentlich Studierende immatrikuliert sein.
  • BMW Group München
    Die BMW Group München ist ein Beispiel für ein Unternehmen, das ein Firmenstipendium vergibt. Sehr engagierte Studierende in ausgewählten Studiengängen der drei Partnerhochschulen des Unternehmens erhalten als Teilnehmer die Möglichkeit, ihr Studium um praktische Erfahrungen bei der BMW Group zu ergänzen, im Ausland zu studieren und zu arbeiten und finanziell unterstützt zu werden.

Was muss ich tun, um ein Stipendium zu bekommen?

Mit der Suche nach dem passenden Stipendium solltet ihr rechtzeitig beginnen. Die Bewerbungen durchlaufen ein Auswahlverfahren, ähnlich dem bei Bewerbungsverfahren um einen Arbeitsplatz. Bei großen Förderungswerken kann die Antwort bis zu sechs Monate dauern. Bei kleinen Stiftungen geht es schneller und die Bewerber werden nach etwa vier Wochen benachrichtigt. Deshalb solltet ihr so früh wie möglich nach Stipendien suchen.

  • Die Suche wird durch Datenbanken erleichtert, denn dort sind die verschiedenen Förderungen gefiltert. Ihr seht somit direkt, welche Voraussetzungen mitzubringen sind, um ein Stipendium zu erhalten. Diese Recherche ist weniger zeitaufwendig als die Suche auf einzelnen Stipendienseiten im Internet.
  • Die meisten Studierenden machen den Fehler und bewerben sich lediglich bei großen Stiftungen. Eure Chancen auf ein Stipendium erhöhen sich, wenn ihr Bewerbungen an alle Förderwerke schickt, bei denen ihr die geforderten Voraussetzungen erfüllt. Beachtet dabei auch die kleinen Stiftungen, denn diese haben oftmals zu wenige Bewerber.
  • Achtet auf die Deadline für die Abgabe der Bewerbung. Schickt ihr die Bewerbung zu spät ab, werdet ihr vom Auswahlverfahren ausgeschlossen. Eine zu spät versendete Bewerbung wird auch nicht in die nächste Bewerbungsrunde aufgenommen.
  • Wichtig ist ebenfalls, bei der Bewerbung auf die jeweilige Stiftung einzugehen. Es wäre somit ein Fehler, sich eine Bewerbungsvorlage zu basteln und lediglich den Namen der Stiftung auszutauschen.
  • Schaut nach, ob die Stiftung Vorgaben für die Bewerbung macht. Manche geben vor, welches Papierformat gewünscht ist oder in welcher Reihenfolge die Unterlagen vorgelegt werden sollten.
  • Eure Bewerbung ist eure Visitenkarte. Damit hinterlasst ihr einen ersten Eindruck. Sie sollte somit fehlerfrei sein und ordentlich wirken.
  • Sendet alle geforderten Unterlagen mit. Denn ist die Bewerbung unvollständig, wird sie in der Regel abgelehnt.
  • Das Bewerbungsfoto sollte professionell sein. Es ist empfehlenswert, Bewerbungsfotos beim Fotografen machen zu lassen.
  • Bleibt ehrlich und schreibt keine Unwahrheiten in die Bewerbung. In der Regel werden die Bewerber, die für den Stipendiengeber in Frage kommen, zum Gespräch eingeladen. Lügen haben bekanntlich kurze Beine und diese kommen meistens beim Gespräch zum Vorschein. Mit Lügen würdet ihr euch die Chance auf ein Stipendium selbst verbauen.
  • Ihr solltet die Antwort des Förderwerkes abwarten und nicht nachfragen, ob die Bewerbung eingegangen ist. Und ein weiterer Tipp: Stipendiengeber versuchen manchmal, Informationen über den Bewerber durch eine Recherche im Internet zu bekommen. Bevor ihr euch für Stipendien bewerbt, solltet ihr selbst einmal euren Namen googeln und sehen, welche Informationen über euch zu finden sind. Berücksichtigt bei eurem Selbstcheck auch alle Social-Media-Profile und löscht im Zweifel Beiträge und Fotos, die einen unprofessionellen Eindruck von euch hinterlassen könnten.

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