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Frauenfußball-EM: Was verdienen die DFB-Kickerinnen?

Frauenfußball-EM: Was verdienen die DFB-Kickerinnen?

Derzeit kämpfen die DFB-Frauen in den Niederlanden um den EM-Titel. Auch wenn sich die weibliche Nationalelf mit ihren Erfolgen hinter der deutschen Herrenmannschaft nicht zu verstecken braucht: Dzsenifer Marozsán, Almuth Schult, Babett Peter, Anja Mittag und all die anderen Spitzenfußballerinnen können keinesfalls mit ähnlich hohen Gehältern wie die Männer rechnen. Der Frauenfußball steht finanziell weiterhin im Schatten des männlichen Pendants, auch wenn sich die Situation im Vergleich zu früher beträchtlich verbessert hat.

Früher gab es ein Kaffeeservice

37.500 Euro beträgt die Prämie pro Person, sollten die Nationalspielerinnen die Europameisterschaft in den Niederlanden gewinnen. 20.000 Euro erhält jede Spielerin, wenn das Team das EM-Finale erreicht, und 10.000 Euro werden beim Einzug ins Halbfinale fällig. So viel Geld winkte noch nie für einen Titelgewinn der DFB-Frauen. 1989 gab es noch gar kein Geld, sondern lediglich ein Kaffeeservice als Prämie für die Gewinnerinnen der Fußball-EM. Da wirken die 37.500 Euro in diesem Jahr regelrecht großzügig. Zieht man allerdings in Betracht, dass die Herren des Deutschen Fußball-Bundes die achtfache Summe (300.000 Euro) beim Gewinn der letzten Europameisterschaft 2016 eingestrichen hätten, wird der gewaltige „Gender Pay Gap“ zwischen Männer- und Frauenfußball sehr deutlich.

Woran liegt das? Klar erkennbar erhalten die Kickerinnen wesentlich weniger Aufmerksamkeit als ihre männlichen Kollegen. Und im Herrenfußball steckt entsprechend mehr Geld. Fernsehgelder, Sponsoring-Verträge und Kartenverkäufe – bei keiner dieser Einnahmequellen kann der Frauenfußball mit dem Herrensport mithalten. Und so verwundert es wenig, dass die Damen auch in ihren Vereinen weniger einnehmen. Als Spitzenverdienerin gilt Dzsenifer Marozsán, Spielführerin der Elf von Steffi Jones: Bei ihrem französischen Club Olympique Lyon soll Marozsán mehr als 10.000 Euro im Monat verdienen. Damit liegt das Gehalt einer der bestbezahlten Fußballerinnen Europas allerdings noch ein gutes Stück unterhalb dessen, was männliche Drittligaspieler in Deutschland verdienen.

Viele DFB-Spielerinnen mit regulärem Job

Die meisten Fußballerinnen können von einem Einkommen wie Dzsenifer Marozsán nur träumen. Im Schnitt sind es weniger als 1.000 Euro im Monat, was die Bundesliga-Spielerinnen in Deutschland verdienen. Ein zweites Standbein ist daher wesentlich wichtiger als bei den Männern, die mit gut bezahlten Profi-Verträgen nach ihrer Fußball-Karriere schon ausgesorgt haben können. Und so studiert Torhüterin Almuth Schult an der Deutschen Sporthochschule in Köln, um nach der aktiven Laufbahn nicht mit leeren Händen dazustehen. Kolleginnen wie Verteidigerin Babett Peter oder Mittelfeldspielerin Lena Goeßling (ausgebildete Einzelhandelskauffrau) beziehen Sold bei der Bundeswehr, sie dienen als Soldatinnen in der Sportfördergruppe. Stürmerin Anja Mittag, die beim schwedischen Club FC Rosengård unter Vertrag steht, kann vermutlich von ihrer Leidenschaft allein leben. Der Verein kann wie Olympique Lyon immer wieder Weltklasse-Spielerinnen verpflichten und dürfte dafür entsprechend die Schatulle öffnen.

Apropos Ausland: Die USA waren das erste Land, in dem der Frauenfußball professionalisiert wurde. Allerdings sind bislang zwei Versuche gescheitert, Berufsfußball für Frauen dauerhaft zu etablieren. Die derzeitige Profi-Liga „National Women’s Soccer League“ existiert seit 2013 und damit länger als die Vorgänger. Besonders bemerkenswert: Während die US-Herrenfußballer nur im Mittelfeld der FIFA-Weltrangliste stehen, belegen die Fußballerinnen Platz 1 – und verdienen dennoch bedeutend weniger als die Männer. Sogar ein Streik der Damen stand zur Debatte, denn der US-Verband verdient durch den Frauenfußball mehr als durch den Männerfußball. Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern sind also ein weltweites Problem – nicht zuletzt im professionellen Sport.

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Quellen:

Bundesregierung.de
BILD
FAZ
Bento