News

Handball-EM 2020 – Gehälter und Prämien unserer Nationalspieler

Deutscher Handballspieler

Endlich wieder Handball-EM! Nach einer in weiten Teilen überzeugenden und mitreißenden Heim-WM 2019 gilt es nun vom 9. bis zum 26. Januar bei der EM in Österreich, Schweden und Norwegen, die gezeigten Leistungen zu bestätigen. Das Erreichen des Halbfinals ist erneut das Ziel des Teams rund um Nationaltrainer Christian Prokop. Doch leicht wird es sicher nicht: Die weltbesten Mannschaften kommen aus Europa und somit ist die Leistungsdichte bei der Europameisterschaft deutlich höher als bei der Weltmeisterschaft. Hinzu kommt, dass mit Steffen Weinhold (THW Kiel), Fabian Wiede (Füchse Berlin), Martin Strobel (HBW Balingen-Weilstetten), Tim Suton (TBV Lemgo), Franz Semper (SC DHfK Leipzig) und Simon Ernst (Füchse Berlin) sechs potenzielle Stammspieler verletzungsbedingt ausfallen. Dieses Verletzungspech kann aber auch dazu führen, dass der Rest der Mannschaft enger zusammenrückt, sich andere Spieler in den Vordergrund spielen und die sogenannten Bad Boys ein erfolgreiches Turnier spielen.

Neben der sportlichen Seite interessieren wir uns selbstverständlich auch für den finanziellen Aspekt unserer Handball-Nationalmannschaft: Was verdienen die EM-Helden eigentlich? Welcher Spieler ist mit welchem Gehalt der Top-Verdiener? Und gibt es eine Prämie für das Erreichen einer bestimmten Runde? Antworten auf diese Fragen und mehr gibt es in diesem Artikel.

Die Top-Verdiener – in Deutschland und international

Wer im Handball zur Verdienst-Elite gehören möchte, muss aktuell für das Team von Paris Saint-Germain spielen. In der französischen Hauptstadt spielen nicht nur die beiden absoluten Spitzenverdiener – der Däne Mikkel Hansen und der Franzose Nikola Karabatic –, in Paris spielte bis zum letzten Sommer auch der deutsche Top-Verdiener Uwe Gensheimer. Die Ursache für die Spendierfreude der Handball-Abteilung von Paris Saint-Germain ist die gleiche, die es der Fußball-Abteilung ermöglichte, 222 Millionen Euro für Neymar auszugeben: Öl-Millionen aus Katar.

So sind Hansen und Karabatic die weltweit einzigen Handballer, die ein Gehalt oberhalb der Millionengrenze beziehen. Mikkel Hansen gilt mit einem Monatsgehalt von 80.000 Euro als der aktuell bestverdienende Handballer. Zum jährlichen Grundgehalt von 960.000 Euro kommen individuell verhandelte Prämien, die das Gesamtgehalt in den siebenstelligen Bereich heben. Und bei Nikola Karabatic kann es nicht viel weniger sein.

Uwe Gensheimer musste sich da auch zu seiner Pariser Zeit mit deutlich weniger begnügen: Mit einem Monatsgehalt von 42.000 Euro kam er ‚nur‘ auf gut die Hälfte des Einkommens seiner beiden ehemaligen Teamkameraden. Mit dem Wechsel im Sommer 2019 zu den Rhein-Neckar Löwen soll Gensheimer angeblich auch Gehaltseinbußen in Kauf genommen haben. Dennoch ist klar, dass er auch in Mannheim bei den Löwen ein Spitzenverdiener ist. Nur mit der Unterstützung einiger Sponsoren war die Rückholung Gensheimers für den Verein zu stemmen. Diese finanzielle Hilfe fließt mit Sicherheit in das Gehalt des Kapitäns, denn eine Ablöse war nicht fällig, da dessen Vertrag in Paris auslief. So kann davon ausgegangen werden, dass Uwe Gensheimer aktuell etwa 35.000 bis 40.000 Euro brutto pro Monat kassiert.

Als halber Einkommensmillionär liegt er gehaltstechnisch jedoch deutlich vor den meisten seiner Kollegen aus der deutschen Nationalmannschaft. Nur Torhüter Andreas Wolff kommt in ähnliche Regionen. Durch seinen Wechsel im Sommer 2019 vom THW Kiel zum polnischen Spitzenklub PGE Vive Kielce soll er sein Gehalt von zuvor 20.000 Euro auf etwa 40.000 Euro monatlich verdoppelt haben.

Das verdienen die Spieler des deutschen EM-Kaders

Die monatlichen Grundgehälter der deutschen Spieler des EM-Kaders 2020, also ohne Prämien und mögliche Werbeeinnahmen, finden Sie in der folgenden Übersicht. Alle hier und im gesamten Artikel genannten Gehaltszahlen stammen allerdings aus inoffiziellen Quellen oder wurden von Brancheninsidern auf Basis zahlreicher Faktoren geschätzt, sind also ohne Gewähr.

  • Andreas Wolff (PGE Vive Kielce): 40.000 €
  • Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen): 35.000 – 40.000 €
  • Patrick Wiencek (THW Kiel): 28.000 €
  • Hendrik Pekeler (THW Kiel): 24.000 €
  • Paul Drux (Füchse Berlin): 22.000 €
  • Kai Häfner (MT Melsungen): 22.000 €
  • Johannes Bitter (TVB Stuttgart): 20.000 €
  • Johannes Golla (SG Flensburg-Handewitt): 20.000 €
  • Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen): 20.000 €
  • Julius Kühn (MT Melsungen): 20.000 €
  • Tobias Reichmann (MT Melsungen): 18.000 €
  • Fabian Böhm (TSV Hannover-Burgdorf): 16.000 €
  • Philipp Weber (SC DHfK Leipzig): 15.000 €
  • Patrick Zieker (TVB Stuttgart): 15.000 €
  • Timo Kastening (TSV Hannover-Burgdorf): 14.000 €
  • Marian Michalczik (GWD Minden): 12.000 €
  • David Schmidt (TVB Stuttgart): 12.000 €

Spätestens bis zum 8. Januar, einen Tag vor Turnierstart, muss Bundestrainer Prokop den aktuell 17 Männer umfassenden Kader auf 16 Spieler reduzieren. Der gestrichene Spieler und 11 weitere, die Prokop Anfang Dezember für den erweiterten Kader nominiert hatte, stehen dann als Kandidaten für eine Nachnominierung zur Verfügung. Dies gibt dem Bundestrainer die Möglichkeit, beispielswiese auf Verletzungen zu reagieren und mehrfach Spieler zwischen dem 16er-Kader und dem erweiterten Kader auszutauschen.

In den Reihen der für eine Nachnominierung zur Verfügung stehenden Spieler befinden sich einige bekannte Namen, die den deutschen Handball in den letzten Jahren mitgeprägt haben – auch diese verdienen durchaus ansehnlich (ebenfalls geschätzte monatliche Grundgehälter):

  • Silvio Heinevetter (Füchse Berlin): 30.000 €
  • Steffen Weinhold (THW Kiel): 29.000 €
  • Finn Lemke (MT Melsungen): 24.000 €
  • Fabian Wiede (Füchse Berlin): 21.000 €
  • Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen): 20.000 €
  • Franz Semper (SC DHfK Leipzig): 12.000 €

Während Weinhold, Wiede und Semper wie erwähnt verletzungsbedingt ausfallen, verzichtet der Bundestrainer auf Heinevetter, Lemke und Groetzki freiwillig. Für viele überraschend ebenfalls nicht dabei: der Bundesliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison Matthias Musche vom SC Magdeburg (mtl. 17.000 €). Der langjährige Nationalspieler Steffen Fäth von den Rhein-Neckar Löwen (mtl. 23.000 €) wurde vom Bundestrainer wegen eines anhaltenden Leistungstiefs nicht berücksichtigt. Martin Strobel vom HBW Balingen-Weilstetten (mtl. 15.000 €) wiederum hatte nach seinem während der WM 2019 erlittenen Kreuzbandriss von sich aus abgesagt. Auch wenn er inzwischen wieder einige Minuten Spielpraxis in der Liga sammeln konnte, fühle er sich noch nicht fit genug für die körperlichen Belastungen einer Europameisterschaft. Der Ausfall Strobels sorgt rund um die Spielmacher-Position für einige Sorgenfalten beim Bundestrainer.

Und wo wir gerade von Prokop sprechen: Der Bundestrainer, der in den letzten Jahren immer wieder stark in der Kritik stand und nach der schwachen EM 2018 beinahe seinen Posten verloren hätte, verdient monatlich 18.000 Euro, liegt im Vergleich zu seinen Spielern gehaltstechnisch eher im hinteren Mittelfeld. Alle Zahlen zeigen, dass sich als Spitzenhandballer durchaus beachtlich verdienen lässt. Einem Vergleich mit Fußballspielern, die diese Summen teilweise nicht monatlich, sondern eher wöchentlich oder – innerhalb der absoluten (Gehalts-)Weltklasse – gar täglich bekommen, halten die Handballer aber selbstverständlich nicht stand.

Siegprämien: Das winkt bei einer erfolgreichen EM

Dies zeigt sich auch in Sachen Siegesprämien. Sollte es dieses Jahr tatsächlich mit dem Titelgewinn klappen, zahlt der Deutsche Handballbund (DHB) eine Prämie von 250.000 Euro – für den gesamten Kader wohlgemerkt. Zum Vergleich: Für den Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland hätte es vom DFB 350.000 Euro gegeben – in diesem Fall allerdings für jeden Spieler. Das sind finanzielle Sphären, die Handballer wohl nie erreichen werden.

Im Vergleich zur Handball-EM 2018 bleiben die Prämien stabil. Die mit 450.000 Euro für den Gewinn des WM-Titels 2019 ausgelobte Rekord-Prämie aus dem letzten Jahr war vor allem auf den hohen Stellenwert des Heimturniers bei den Sponsoren zurückzuführen, von dem auch die Mannschaft profitieren sollte.

Geld gibt es aber nicht nur für den Titelgewinn, wie die Prämienübersicht zeigt:

  • Europameister: 250.000 €
  • Finalteilnahme: 200.000 €
  • Platz 3: 150.000 €

Es lohnt sich also auch finanziell, eine gute und erfolgreiche Europameisterschaft abzuliefern – auch wenn das vermutlich nicht die Hauptmotivation der Bad Boys ist. Die Jungs wollen dem Verletzungspech trotzen, an die Leistungen bei der letztjährigen WM anknüpfen und nach dem 4. Platz im vergangenen Jahr dieses Mal unbedingt eine Medaille gewinnen. Denn sportlich errungenes Edelmetall ist schlicht unbezahlbar.

Quellen:

Handball World News

Kicker.de

ran.de

Rheinische Post Online

Spiegel Online

Sport1.de

Sportbild.de

Sportschau.de

Gehaltsvergleich verwendet Cookies. Wenn sie weitersurfen stimmen Sie der Nutzung zu. Details ansehen