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Olympische Spiele: Was verdienen die Wintersportler?

Olympische Spiele: Was verdienen die Wintersportler?

Am 9. Februar starten in Pyeongchang (Südkorea) die 23. Olympischen Winterspiele. 16 Tage lang dreht sich dann wieder alles rund um unterschiedlichste Sportarten in Eis und Schnee. Wir beleuchten an dieser Stelle einmal genauer, was die Athleten eigentlich verdienen, die uns für Stunden auf den TV-Bildschirmen begleiten, die uns begeistern, die wir anfeuern, mit denen wir jubeln oder von denen wir enttäuscht sein werden.

Der Vergleich mit anderen Sportarten

Klar ist: Finanzielle Dimensionen, in welchen sich internationale oder auch deutsche Top-Fußballer, NBA-Profis oder Weltklasse-Tennisspieler bewegen, erreicht keiner der Wintersportler. Und selbst durchschnittliche Spieler in der Fußball-Bundesliga verdienen in der Regel ein Vielfaches dessen, was die Spitzensportler des Winters in Deutschland bekommen. Aber es gibt auch Ausnahmen: Absolute Top-Stars wie Felix Neureuther, Severin Freund, Richard Freitag oder Laura Dahlmeier können ansatzweise in diese Bereiche vordringen, also pro Jahr mittlere bis hohe sechsstellige Summen einnehmen.

Allerdings bezieht sich das „Top“ in diesem Fall eher auf Bekanntheit und Beliebtheit. Andere deutsche Wintersportler, z. B. aus dem Bob- oder Rodelsport oder in der Nordischen Kombination, holen weitaus mehr Medaillen und Weltcupsiege als einige der gerade genannten.

Wintersportler unter sich

Da in diesem Jahr zum ersten Mal seit 1998 keine NHL-Profis am olympischen Turnier teilnehmen werden, – die nordamerikanische Liga wird den Betrieb nicht unterbrechen und den Spielern keine Freigabe für das Turnier erteilen – fehlen die Top-Verdiener unter den Wintersportlern in Pyeongchang, Südkorea.

Aber auch innerhalb der anderen Wintersportarten gibt es große Unterschiede in Bezug auf Verdienstmöglichkeiten. Traditionell ist der alpine Skisport besonders populär und finanziell vergleichsweise gut aufgestellt. Aber auch im Biathlon, der winterlichen Aufsteigersportart der vergangenen Jahre, lässt sich inzwischen ordentlich Geld verdienen, auch großer Medienpräsenz sei Dank. Andere Sportarten wie z. B. der Bobsport haben es da trotz viel TV-Zeit deutlich schwerer. Hier ist nicht nur die Ausrüstung extrem teuer (ca. 100.000 € für einen guten Vierer-, ca. 75.000 € für einen Zweierbob); Ganzkörperschutz und geschlossener Helm sorgen zudem dafür, dass die Gesichter der Sportler kaum im Bild sind. Dies führt zu deutlich geringerer Bekanntheit und damit auch zu Problemen in der Vermarktung.

Selbst wenn man mehr vom Sportler sieht, kann es finanziell schwierig sein: Deutsche Eiskunstläufer und -läuferinnen haben es beispielsweise gegenwärtig ebenfalls schwer, sich und ihr Sportlerleben zu finanzieren. Alles Luxusprobleme, würden da vermutlich die deutschen Curling-Spieler und -Spielerinnen sagen, die bis auf Ausnahmefälle kaum Medienpräsenz bekommen und eher ein Nischendasein fristen. Dass das deutsche Curling-Team die Qualifikation für Südkorea überraschenderweise nicht geschafft hat und der Olympia-Wettbewerb demnach ohne deutsche Beteiligung stattfinden wird, macht das Ganze nicht besser.

Andere Länder, andere Sporthelden

Diese Fälle sind auch ein guter Beleg dafür, wie sehr das Einkommen neben der Sportart und der einzelnen Sportlerpersönlichkeit auch vom jeweiligen Land und dem dortigen Stellenwert einer Sportart abhängen kann. In Schweden beispielsweise sind die olympischen Curler Profis, können also von ihrem Sport leben. Und Eiskunstläufer in Russland, Japan oder auch in den USA sind gefeierte Superstars, die zusätzlich zu Erfolgsprämien auch weitere Geldquellen erschließen können.

Wofür bekommen Wintersportler ihr Geld?

Womit wir bei einem weiteren zentralen Punkt in Sachen Einkommen wären: den Verdienstmöglichkeiten der Wintersportler. Denn die können recht vielfältig sein. Der direkteste Weg zum Geld im Wintersport und häufig auch der Türöffner für weitere Verdienstmöglichkeiten ist der sportliche Erfolg. Denn für Weltcup-Platzierungen oder solche bei Europa- und Weltmeisterschaften gibt es Preisgelder – je besser die Platzierung, desto höher die Prämie. Erfolg zahlt sich hier also im besten Sinne des Wortes aus, mal mehr, mal weniger.

Richtig klingeln kann die Kasse bei den Ski-Alpin-Wettbewerben: Pro Weltcup-Sieg gibt es hier mindestens 45.000 Schweizer Franken (knapp 39.000 €). Die Skispringer hingegen müssen sich mit 10.000 Schweizer Franken (gut 8.600 €) pro Weltcup-Erfolg zufriedengeben. Dazwischen liegen die Biathleten: Für Laura Dahlmeier, der im vergangenen Winter besten Biathletin der Welt, kamen durch den letztjährigen Sieg im Gesamtweltcup weit über 200.000 Euro zusammen, Preisgelder für ihre sechs WM-Medaillen (5 x Gold, 1 x Silber) sind da noch gar nicht mit eingerechnet. Stattliche Summen, doch das ist eben auch die Weltspitze. Gibt es im Biathlon für Platz 1 immerhin 13.000 € pro Weltcup, sind es z. B. für Platz 7 „nur“ noch 3.000 €. Auf den hinteren Plätzen geht es dann eben nur noch um dreistellige Prämien – wenn überhaupt. Spätestens dann wird es dünn, wenn man davon Leben und Sport finanzieren muss.

Sponsoren- und Ausrüsterverträge, die vom finanziellen Umfang her noch über die Preisgelder hinausgehen können, kommen bzw. steigen in der Regel auch erst mit dem Erfolg. Die Höhe dieser Zuwendungen ist, je nach Vertrag, häufig auch von erreichten Titeln oder Platzierungen abhängig. Im schlimmsten Fall können also bei Verletzungen neben den entgangenen Preisgeldern auch die Zahlungen der unterstützenden Unternehmen wegfallen. Das ist der Grund, warum Leistungssportler, möchten sie nicht von der Familie oder anderen Gönnern abhängig sein, einen Job brauchen, der bei vollem Einkommen genug Zeit für Training und Wettkämpfe lässt.

Arbeitsplatz Trainingsanlage

Besonders die Bundeswehr ist ein Arbeitgeber, der, auch aus Prestige- und Werbegründen, erfolgversprechende Sportler fördert. Sogenannte Sportsoldaten werden nach einer auf sechs Wochen verkürzten Grundausbildung in der Regel vom gewöhnlichen Dienst befreit und können sich damit voll und ganz dem Training und der Vorbereitung auf wichtige Wettkämpfe widmen, ohne stets kurz vor dem finanziellen Niedergang zu stehen. Zoll und (Bundes-)Polizei bieten ähnliche Konditionen, aber weniger Förderplätze als die Bundeswehr. Diese sogenannten Staatsamateure sind besonders im Wintersport weit verbreitet und stellen bei den Olympischen Spielen die Mehrheit des deutschen Kaders.

Kritik richtet sich vor allem gegen das System der Bundeswehr, das eine Berufsausbildung parallel zur Sportförderung nur auf freiwilliger Basis anbietet. Viele der jungen Sportler und Sportlerinnen, die sich direkt nach der Schule dem Sportkader anschließen, stehen dadurch nach Beendigung der Förderung beruflich komplett am Anfang. Denn nur wenige der geförderten Athleten können langfristig und über die Sportkarriere hinaus bei der Bundeswehr bleiben.

Eine Alternative bzw. ein Zusatzangebot stellt die Förderung durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe dar. Die Höhe der Förderung hängt dabei vor allem von den Ergebnissen bei internationalen Welt- und Europameisterschaften sowie Olympia bzw. beim Nachwuchs von den Perspektiven auf Topplatzierungen bei diesen Veranstaltungen ab, bewegt sich aber generell monatlich eher im dreistelligen Bereich. Die speziell für die direkte Olympia-Vorbereitung gedachte zusätzliche ElitePlus-Förderung in Höhe von 1.000 € können allerdings nur Sportler und Sportlerinnen beantragen, die keine Sportförderstelle bei Bundeswehr & Co. innehaben. Die Deutsche Sporthilfe legt großen Wert darauf, dass sich die Geförderten schon während der aktiven Zeit mit der beruflichen Zukunft beschäftigen und unterstützt dies z. B. durch Mentoren, Seminarangebote und finanzielle Zusatzleistungen, wenn parallel eine Ausbildung oder ein Studium absolviert wird.

Vergoldete Spiele?

Bei den Olympischen Spielen selbst stehen eher Ruhm und Ehre als hohe Prämien im Mittelpunkt – zumindest von Ausrichterseite. Das IOC (Internationale Olympische Komitee) vergibt bei den Wettkämpfen nämlich keine Preisgelder. Der Traum eines jeden Olympioniken, die Goldmedaille, kann nicht mit einem hohen Materialwert punkten (ca. 500 bis 600 Euro); der symbolische Wert ist der, der sie sowohl bei Athleten als auch bei Sammlern begehrt macht. Bei Auktionen bringt eine olympische Goldmedaille in der Regel mehr als 10.000 €. Bei historisch bedeutenden Medaillen ist auch mal deutlich mehr drin: Mit fast 1,5 Millionen Dollar hält eine Goldmedaille des dunkelhäutigen Sprinters Jesse Owens, der 1936 bei der Olympiade im nationalsozialistischen Berlin vor Hitlers Augen die Konkurrenz hinter sich ließ, den Erlös-Rekord.

Erfolgsprämien für olympische Resultate sind Ländersache, werden also von Nation zu Nation unterschiedlich ausgelobt. Prämien für einen Olympiasieg können dabei zwischen wenigen Tausend Euro und mehreren Hunderttausend Euro liegen. Die deutschen Athleten und Athletinnen bewegen sich da eher im niedrigeren Bereich: Pro Goldmedaille zahlen Sporthilfe und Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) 20.000 €, für Silber gibt es 15.000 € und für Bronze 10.000 €. Das geht schrittweise weiter hinunter bis hin zu Platz 8, der immerhin noch mit 1.500 € belohnt wird.

Richtig vergolden lässt sich ein olympischer Erfolg sowieso eher durch Sponsorenverträge und öffentliche Auftritte in Medien oder bei Veranstaltungen. Allerdings ist selbst ein Olympiasieg keine Garantie für große Werbeeinnahmen. So meldete sich bei Rodler Felix Loch nach seinem Sieg in Vancouver beispielsweise nicht ein einziger neuer Sponsor. Es ist am Ende also doch wieder eine Frage der anfänglich erläuterten Popularität in Verbindung mit Medienpräsenz.

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Quellen:

Biallo.de
FAZ.net
Ispo.com
Spiegel Online
Sportbuzzer.de