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Bundeswehr: Was den Soldatenberuf (un-)attraktiv macht

Bundeswehr: Was den Soldatenberuf (un-)attraktiv macht

Seit der Aussetzung der Wehrpflicht vernimmt man es immer wieder: Der Bundeswehr fehlt es an Soldaten. Mit aufwendigen Werbekampagnen bemüht sich die Truppe um Nachwuchsgewinnung, doch die Bewerberzahlen bleiben hinter den Erwartungen zurück. Woran liegt das? Das Gehalt, bei den Streitkräften „Sold“ genannt, dürfte selten der ausschlaggebende Grund sein, warum junge Menschen ungern eine militärische Laufbahn einschlagen.

Die Bundeswehr verfügt derzeit über rund 179.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. Etwa 21.000 Angehörige der Truppe sind weiblich – der Soldatenberuf ist nach wie vor eine absolute Männerdomäne. Kein Wunder, waren doch bis zur Jahrtausendwende Frauen nur zu wenigen Laufbahnen in der Bundeswehr (z. B. Sanitätsdienst, Militärmusik) zugelassen. Doch auch nach der Öffnung aller Truppengattungen für Soldatinnen bleibt ihr Anteil weit unter dem der Männer.

Ein Grund dafür war die bis 2011 bestehende Wehrpflicht. Junge Männer wurden automatisch zum Grundwehrdienst herangezogen, sofern sie nicht ausgemustert worden waren oder den Dienst an der Waffe verweigerten. So verfügte die Bundeswehr stets über einen Grundstock an einfachen Mannschaftssoldaten, von denen sich in der Regel genügend für weitere Laufbahnen (Unteroffiziere und Offiziere) als Soldaten auf Zeit oder Berufssoldaten entschieden.

Bundeswehrreformen verändern den Personalbedarf

Durch das Ende des Kalten Krieges und die Veränderung der Aufgaben der Bundeswehr von einer Verteidigungs- hin zu einer Einsatzarmee ist der Personalbedarf von Heer, Luftwaffe und Marine gesunken. Die Aussetzung der Wehrpflicht war auch eine Konsequenz von immer weniger gerechten Musterungsverfahren, durch die junge Männer eher nach aktuellem Bedarf als nach individueller Tauglichkeit eingezogen wurden.

Doch die Bundeswehr soll nach dem Wunsch des Verteidigungsministeriums wieder wachsen. Nur wie? Schon jetzt ist es für die Streitkräfte schwierig, den aktuellen Personalbedarf zu decken. Eine Folge des Nachwuchsmangels der Bundeswehr ist auch für Menschen sichtbar, die sich damit nicht beschäftigen: Eine aufwendige Werbeoffensive wirbt seit einiger Zeit um neue Soldaten. Seien es Messestände, Plakate im öffentlichen Raum, Videospots oder sogar eigene YouTube-Doku-Serien über die Grundausbildung („Die Rekruten“) und den Auslandseinsatz der Truppe („Mali“) – Kosten und Mühen werden nicht gescheut, um mehr Menschen für den Soldatenberuf zu begeistern. Unter dem Motto „Mach, was wirklich zählt.“ versucht die Bundeswehr ihr Image als Arbeitgeber aufzupolieren.

Da dies allein offenbar nicht ausreicht, um den Personalbedarf zu decken, sind weitere Maßnahmen erforderlich. In der Diskussion steht zumindest, die körperlichen und intellektuellen Anforderungen an neue Rekruten zu senken. Schulabbrecher und gering qualifizierte Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind, sollen so einfacheren Zugang zum Soldatenberuf erhalten.

Besonders schwierig ist allerdings der Kampf um die klugen Köpfe, denn bei Spezialisten wie IT-Fachkräften kann die Bundeswehr mit der freien Wirtschaft schlecht mithalten. Schließlich ist die Bezahlung von Soldaten wie die von Beamten fest geregelt, astronomische Gehälter kann die Truppe daher nicht zahlen.

Karrieremöglichkeiten und Verdienst bei den Streitkräften

Soldat ist nicht gleich Soldat – welche Formen des Dienstes und der Laufbahnen bietet die Bundeswehr überhaupt? Da gibt es sehr viele verschiedene Möglichkeiten. Zum einen unterscheiden sich die Angehörigen der Truppe darin, welche Art und Länge einer Verpflichtung sie eingegangen sind:

  • Freiwillig Wehrdienstleistender (FWDL): 7 bis 23 Monate
  • Soldat auf Zeit (SaZ, umgangssprachlich „Zeitsoldat“): 2 bis 25 Jahre
  • Berufssoldat: unbefristet

Es ist möglich, aus dem laufenden Freiwilligen Wehrdienst in eine Laufbahn als SaZ zu wechseln. Bei entsprechender Bewährung und Eignung erhalten Soldaten auf Zeit ein Angebot, als Berufssoldat übernommen zu werden, was nur wenige ablehnen. Andernfalls scheiden die SaZ nach der Verpflichtungsdauer aus und wechseln in die freie Wirtschaft, wobei sie die Bundeswehr bei eventuellen Überbrückungszeiten unterstützt. Ein direkter Einstieg als Berufssoldat ist nicht möglich.

Der zweite wesentliche Unterschied zwischen den Soldaten ist die Laufbahn, die sich in den Dienstgraden widerspiegelt:

  • Mannschaftssoldaten
  • Unteroffiziere
  • Offiziere

Ihrerseits sind diese Laufbahnen nochmals unterteilt, beispielsweise gibt es Unteroffiziere ohne und mit Portepee. Angehörige der Dienstgradgruppe „Unteroffiziere mit Portepee“ sind höhergestellt, an sie werden aber auch höhere Anforderungen gestellt. Alle Unteroffiziere sind mindestens Soldaten auf Zeit, Freiwillig Wehrdienstleistende können nur Mannschaftsdienstgrade erreichen. Für eine Offizierskarriere benötigen Bewerber sogar ein (Fach-)Abitur, denn in dieser Laufbahn wird in aller Regel ein Studium an einer der zwei Universitäten der Bundeswehr absolviert. Auch (länger dienende) Unteroffiziere nehmen etwas Verwertbares aus ihrer Dienstzeit mit, denn sie erhalten eine Berufsausbildung, die auch im zivilen Leben anerkannt wird.

Je mehr Verantwortung, desto höher der Sold. Einige Beispiele der Bezahlung von Soldaten der Bundeswehr, deren Spanne vom Dienstalter abhängt (Beträge monatlich als SaZ bzw. Berufssoldat ohne Zulagen):

  • Hauptgefreiter (Mannschaftsdienstgrad): ca. 2.190 bis 2.530 €
  • Feldwebel (Unteroffizier mit Portepee): ca. 2.365 bis 2.985 €
  • Leutnant (Offizier): ca. 2.700 bis 3.500 €
  • Generalmajor (Offizier): ca. 10.080 €

Bei Auslandseinsätzen und anderen besonderen Herausforderungen werden Zulagen gezahlt.

Schließlich verfügt die Bundeswehr wie nahezu jede Armee über mehrere Teilstreitkräfte, deren Aufgaben sich erheblich voneinander unterscheiden. Die Teilstreitkräfte heißen:

  • Heer
  • Luftwaffe
  • Marine

Darüber hinaus gibt es zusätzliche militärische Organisationsbereiche, die weitgehend unabhängig arbeiten:

  • Zentraler Sanitätsdienst
  • Streitkräftebasis
  • Kommando Cyber- und Informationsraum

Ihrerseits gliedert sich jede Teilstreitkraft, jede Laufbahn und jede Dienstgradgruppe noch in eine Vielzahl von Unterformen und Organisationsbereiche auf. Der Oberstleutnant, der als Bataillonskommandeur eines Panzerbataillons tätig ist, der Nachrichtenunteroffizier auf einem Versorgungsschiff und der Geschäftszimmersoldat in einer Sanitätskompanie haben in ihren täglichen Aufgaben nur wenige Gemeinsamkeiten.

Kein ganz normaler Job: Vor- und Nachteile der Soldatenlaufbahn

Was bringt das Soldatendasein für Vor- und Nachteile? Ein komplexes Thema, das auf einige wesentliche Punkte beschränkt bleiben muss. Positive Teile dieses nicht ganz alltäglichen Berufs sind beispielsweise, dass man vom ersten Tag an seinen Sold erhält. Ausbildungsvergütungen am Existenzminimum oder mühsame Studienfinanzierung, das alles interessiert Soldaten nicht. Zahlreiche Vergünstigungen wie freie Unterkunft in der Kaserne, Fahrtkostenerstattungen, geringe Sozialabgaben usw., die allerdings nicht alle für jede Laufbahn gelten, gewährleisten eine gewisse finanzielle Sicherheit.

Dazu kommen steuerliche Vorteile sowie die unentgeltliche truppenärztliche Versorgung, die eine Krankenversicherung ersetzt. Nicht zu verachten ist außerdem, dass Soldaten auf Zeit oder Berufssoldaten nur geringe Sorgen um ihre Jobs zu haben brauchen: Ähnlich wie bei Beamten kann das Arbeitsverhältnis nicht so einfach aufgekündigt werden.

Dass der Soldatenberuf aber auch Risiken mit sich bringt, liegt auf der Hand: Schließlich verpflichtet man sich, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Damit ist selbstverständlich auch gemeint, dass Soldaten im Zweifel ihr Leben aufs Spiel setzen oder selbst Waffengewalt anwenden müssen. Seit Gründung der Bundeswehr 1955 haben rund 3.200 Angehörige der Streitkräfte infolge der Ausübung ihrer Dienstpflichten ihr Leben verloren, 106 davon bei den Auslandseinsätzen, an denen sich die deutsche Armee seit 1992 beteiligt. Andere Soldaten starben bei Übungen und auch Selbstmorde sind ein bedeutendes Thema. Ein Auslandseinsatz hinterlässt nicht unbedingt nur körperliche Schäden, etliche Soldaten kehren traumatisiert nach Hause zurück und benötigen psychologische Betreuung.

Auch der Alltag in der Heimat ist nicht frei von Problemen: Die Einsatzorte von Bundeswehrsoldaten liegen zum Teil weit entfernt vom Wohnort, zeitraubendes Pendeln ist die Folge. In Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf bemüht sich das Verteidigungsministerium um Besserung, der familienfreundlichste Arbeitgeber wird die Bundeswehr aber kaum werden. Dass die Streitkräfte nach wie vor eine Männerdomäne sind, bleibt unübersehbar. So kommt es auch immer wieder zu Fällen von Diskriminierung und anderen Grenzüberschreitungen, die sich nicht einfach mit einem „rauen Umgangston“ in der Bundeswehr entschuldigen lassen. Eine gewisse persönliche Härte und Belastbarkeit ist jedoch ohne Zweifel Voraussetzung, damit ein Mensch als Arbeitnehmer im System einer Armee funktioniert.

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Quellen:

Bundeswehr
DWDL
FAZ
Handelsblatt
NDR
Tagesspiegel
ZEIT Online