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Arbeiten für die Rüstungsindustrie: Hat Moral ihren Preis?

Arbeiten für die Rüstungsindustrie: Hat Moral ihren Preis?

Für die einen leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag bei der Landesverteidigung, für die anderen sind sie Mitschuld am Tod zahlloser Menschen: Die Rede ist von den deutschen Rüstungsunternehmen. Mit einem Volumen von 2,8 Milliarden Euro im Jahr 2016 gehört die Bundesrepublik zu den vier größten Waffenexporteuren der Welt, nur übertroffen von den USA, Russland und Frankreich. Fast 8 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet die Rüstungsindustrie hierzulande im Jahr. Und der Branche stehen Boomjahre bevor – militärischen Konflikten auf der ganzen Welt sei Dank.

Immer wieder werden Ausfuhren von Kriegswaffen in fremde Länder durch die Bundesregierung genehmigt, immer wieder werden sie aber auch verboten. Das Geschäft mit Rüstungsgütern ist hochumstritten, denn Waffen geraten schnell in falsche Hände und richten dabei immensen Schaden an. Für ein Rüstungsunternehmen zu arbeiten, setzt also eine bestimmte moralische Haltung voraus. Welche Firmen in der deutschen Rüstungsindustrie führend sind, welche Berufe es dort gibt, was man bei den Waffenherstellern verdienen kann und welche Entscheidungen rund um die Karriere in dem Industriesektor zu treffen sind, dem gehen wir hier auf den Grund.

Wer sind die deutschen Rüstungsunternehmen?

Als Rüstungsunternehmen lassen sich jene Firmen bezeichnen, die zu einem wesentlichen Teil Waffen, Waffensysteme, Munition oder unterstützendes Gerät für militärische Zwecke herstellen. Dazu zählen unter anderem:

  • Handfeuerwaffen (Pistolen, Gewehre)
  • Geschütze
  • gepanzerte Fahrzeuge
  • Militärflugzeuge
  • Kriegsschiffe
  • Aufklärungssysteme
  • Kommunikationssysteme
  • Patronen, Granaten, Raketen, Bomben

Auch Zulieferer für die Waffenhersteller fallen darunter, beispielsweise die Hersteller von Bekleidung für Soldaten, von optischen Zielhilfen für Gewehre oder von Bauteilen für Militärfahrzeuge. Schon die Identifizierung eines Rüstungsunternehmens als solches wird dadurch verkompliziert, dass nicht wenige dieser Unternehmen ebenfalls Produkte herstellen, die zivil genutzt werden, wie zum Beispiel Jagdwaffen oder nicht-militärische Flugzeuge. Als „Dual-Use“ werden überdies jene Güter bezeichnet, die sowohl militärischen als auch zivilen Zwecken dienen können. Diese begriffliche Unschärfe macht insbesondere das Thema Exportgenehmigungen unübersichtlich.

Wie viele Unternehmen die deutsche Rüstungsbranche genau umfasst, ist daher schwierig zu sagen. Viele Firmen sind sich der Brisanz des Themas bewusst und hängen es nicht an die große Glocke, wenn sie Produkte für militärische Zwecke herstellen. Vielmehr werden Aspekte wie „Sicherheit“ oder „Mobilität“ nach außen getragen. Bekannt ist, dass auch Großunternehmen wie Siemens, MAN oder Airbus in unterschiedlicher Ausprägung mehr oder weniger direkt an der Herstellung von Waffen und Waffensystemen beteiligt sind.

Zu den wichtigsten Firmen, die in Deutschland Rüstungsgüter produzieren, gehören:

  • Airbus Defence and Space – Militärflugzeuge, Aufklärungssysteme (12,5 Mrd. Euro Umsatz mit Rüstungsgütern, ca. 45.000 Mitarbeiter)
  • Rheinmetall Defence – Panzer, Munition, Flugabwehrsysteme (3,3 Mrd. Euro Umsatz mit Rüstungsgütern, ca. 11.200 Mitarbeiter)
  • ThyssenKrupp Marine Systems – U-Boote und Kriegsschiffe (1,8 Mrd. Euro Umsatz mit Rüstungsgütern, ca. 6.000 Mitarbeiter)
  • Krauss-Maffei Wegmann – Rad- und Kettenfahrzeuge (950 Mio. Euro Umsatz mit Rüstungsgütern, ca. 2.800 Mitarbeiter)
  • MTU Aero Engines – Triebwerke für Kampfflugzeuge (500 Mio. Umsatz mit Rüstungsgütern, ca. 8.400 Mitarbeiter)
  • Diehl Defence – Munition, Raketen, Panzerketten (500 Mio. Euro Umsatz mit Rüstungsgütern, ca. 2.300 Mitarbeiter)
  • Heckler & Koch – Pistolen, Sturm- und Präzisionsgewehre (202 Mio. Euro Umsatz mit Rüstungsgütern, ca. 690 Mitarbeiter)

Besonders stark vertreten ist die Branche in Baden-Württemberg. Hier arbeiten zwischen 20.000 und 25.000 Menschen in der Rüstungsindustrie, was etwa einem Viertel aller deutschlandweit Beschäftigten in diesem Industriesektor entspricht.

Jobs in der Rüstungsindustrie

So vielfältig und gleichzeitig verschwiegen die Branche ist, so unterschiedlich sind die Berufe, die sich bei Rüstungsunternehmen finden. Da die Waffenherstellung eine High-Tech-Angelegenheit ist, gibt es vor allem Positionen mit technischer Ausrichtung. Aber auch im kaufmännischen Bereich werden zahlreiche Mitarbeiter beschäftigt. Typische Berufe in Rüstungsunternehmen sind:

Offensichtlich haben die Waffenhersteller durchaus Mühe damit, ihre Stellen zu besetzen. Auf den Internetpräsenzen der führenden Rüstungsunternehmen finden sich jede Menge Stellenanzeigen. Entsprechend versucht man, Jobsuchende mit hohen Gehältern zu locken.

Das zahlen die deutschen Waffenschmieden

Ob es eher daran liegt, dass die Stellen wegen moralischer Bedenken der Bewerber schwierig zu besetzen sind, oder daran, dass es der Rüstungsindustrie dank voller Auftragsbücher wirtschaftlich ausgezeichnet geht: Die Branche zahlt gut. So können Projektleiter bei Rheinmetall mit Jahresgehältern von rund 80.000 Euro rechnen, was durchaus am oberen Ende der üblichen Gehaltsspanne liegt. Bei Krauss-Maffei Wegmann wird in derselben Position nur geringfügig weniger gezahlt.

Im kaufmännischen Bereich sitzt das Geld ebenfalls locker, wie die weit überdurchschnittlichen Controller-Gehälter von rund 70.000 Euro bei MTU Aero Engines verraten. Und auch in Ausbildungsberufen – es sei das Beispiel Konstruktionsmechaniker bei ThyssenKrupp Marine Systems mit Jahresgehältern von rund 55.000 Euro genannt – werden eher ungewöhnlich hohe Gehälter gezahlt.

Bei etwa 68.000 Euro liegt das Durchschnittseinkommen bei den Beschäftigten der deutschen Waffenhersteller, Mitarbeiter in Leitungsfunktionen verdienen oft sechsstellig im Jahr. Kurzum: Die Firmen zahlen meist überdurchschnittlich.

Grundsatzentscheidungen für die Karriere

Aufgrund des schlechten Images ihrer Unternehmen sind die Spitzenkräfte der Rüstungsindustrie bemüht, mit weiteren Vorteilen für Beschäftigte zu punkten. So gelten die Strukturen innerhalb der meist mittelständischen Firmen als vergleichsweise demokratisch und es wird Gewicht auf harmonischen Austausch miteinander gelegt. Loyalität genießt im Rüstungssektor traditionell einen hohen Stellenwert und auch in Sachen Diversität sind einige der Firmen fortschrittlicher aufgestellt, als man erwarten könnte.

Wiegen all diese Vorzüge auf, dass man als Mitarbeiter eines Rüstungsunternehmens an der Herstellung von Produkten beteiligt sein kann, die dazu dienen, Menschen zu verletzen oder zu töten? Das bleibt eine offene Frage, auf die Jobsuchende für sich selbst eine Antwort finden müssen. Hinzu kommt, dass der Entschluss, für eine Firma der Rüstungsindustrie tätig zu werden, ein endgültiger sein kann. Denn wer einen Waffenhersteller als (ehemaligen) Arbeitgeber im Lebenslauf auflistet, wird bei vielen anderen Unternehmen und Organisationen große Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden. Es geht also um eine Entscheidung, die aus mehreren Gründen sehr gut überlegt sein will.

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Quellen:

Airbus Defence and Space
Blue Engineering – Ingenieurinnen und Ingenieure mit sozialer und ökologischer Verantwortung
Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V.
Bundeszentrale für politische Bildung
Diehl Defence
Experteer
Heckler & Koch
Krauss-Maffei Wegmann
MTU Aero Engines
Produktion.de
Rheinmetall Defence
SWR
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