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Ausbildung und Quereinstieg beim Zoll: Besser keine Vorstrafen

Ausbildung und Quereinstieg beim Zoll: Besser keine Vorstrafen

Steuererhebung, Grenzaufsicht, Kampf gegen Schwarzarbeit und gegen organisierte Kriminalität: Der Zoll ist nicht nur einer der größten Arbeitgeber des Bundes, sondern auch ein Dienstherr mit vielfältigen Aufgaben. Bei der Bundeszollverwaltung, so der offizielle Name der Behörde, arbeiten rund 40.000 Menschen. Neben der klassischen Beamtenausbildung bietet der Zoll auch Möglichkeiten für Quereinsteiger. Allerdings sollte sich kein Interessent Illusionen machen, dass einfach so eine Verbeamtung winkt. Die Zollverwaltung stellt durchaus hohe Ansprüche an ihre Bewerber.

Der Zoll als Arbeitgeber

Die meisten Menschen verbinden mit den Aufgaben des Zolls die Grenzkontrollen bei Fahrzeugen oder am Flughafen. Gelegentlich hat man als Ottonormalverbraucher noch mit der Behörde zu tun, wenn man Waren aus dem Ausland bestellt und diese bei einer Zolldienststelle abholen muss. Darüber hinaus sind Zollbeamte allerdings noch in vielen weiteren Bereichen tätig, die meisten davon im Innendienst. Der Behörde obliegt der Einzug von bundesunmittelbaren Steuern. Ähnlich wie die Steuerfahndung der Landesfinanzbehörden rückt die Zollfahndung aus, wenn Steuer- und Strafgesetze durchgesetzt werden müssen. Und so bekommt ein Betrieb, der im Verdacht steht, Schwarzarbeiter zu beschäftigen, die Zollfahnder ins Haus. Auch die Überprüfung und Durchsetzung des Mindestlohns ist Teil ihrer Arbeit. Der Einsatz gegen illegale Importe und Schmuggel, beispielsweise Drogen und Waffen, ist eine weitere typische Aufgabe des Zolls. Dabei wird mit den entsprechenden Behörden anderer Länder zusammengearbeitet.

Insgesamt verfügt die Bundeszollverwaltung, die dem Finanzministerium unterstellt ist, über fast 500 Dienststellen in der gesamten Bundesrepublik. An 42 davon werden neue Kollegen ausgebildet. Auch wenn der Alltag für manche Zollbeamte mit hohen Strapazen verbunden ist – Schichtdienst, Reisetätigkeit, körperliche Anstrengung – bemüht sich die Verwaltung, Familienfreundlichkeit zu gewährleisten. Offenbar mit Erfolg, denn Ende 2016 wurden Generalzolldirektion, Hauptzollämter und Zollfahndungsämter zum audit berufundfamilie zertifiziert.

Die Sicherheit von Beamtenpositionen wissen viele Menschen zu schätzen und so hat der Zoll weitaus geringere Nachwuchssorgen als beispielsweise wie die Bundeswehr. Auch bei Schülern gilt er als attraktiver Arbeitgeber, bei dem sich viele von ihnen bewerben würden, wie eine Umfrage Mitte 2017 ergab. Allerdings ist das Ringen um die besten Köpfe für Behörden nicht immer einfach, sind die Gehälter im Gegensatz zur freien Wirtschaft zwar solide, aber doch nach oben hin begrenzt. Astronomische Verdienste sind als Beamter oder Bundesangestellter nicht drin. Da der Zoll aufgrund neuer Aufgaben – Stichwort Mindestlohn – wachsen muss, gewinnt der Kampf um die Bewerber an Intensität. Was nicht übersehen werden darf: Als Beamter einer Bundesbehörde kann man sich nicht darauf verlassen, an seinem Wunschort arbeiten zu können. Einsetzbarkeit über die gesamte Bundesrepublik wird vorausgesetzt.

Die klassische Beamtenlaufbahn beim Zoll

Ähnlich wie bei der Polizei, stehen Interessenten die Laufbahnen des mittleren und des gehobenen Dienstes als Einstieg offen. Schon als Anwärter verdient man rund 1.200 € brutto Grundgehalt, außerdem werden unter Umständen Familienzuschläge gezahlt.

Die Einstellungsvoraussetzungen sind sowohl im mittleren als auch im gehobenen Zolldienst:

  • Deutsche Staatsangehörigkeit oder die eines Mitgliedsstaates der Europäischen Union, Islands, Liechtensteins oder Norwegens
  • Bekenntnis zum Grundgesetz und zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung
  • Flexibilität
  • Teamfähigkeit
  • Leistungsbereitschaft
  • Verantwortungsbewusstsein
  • keine Vorstrafen
  • geordnete wirtschaftliche Verhältnisse
  • körperliche Fitness und gesundheitliche Eignung
  • Bereitschaft, Dienstkleidung und eine Waffe zu tragen
  • Bereitschaft zum Schichtdienst

Dass Bewerber „geordnete wirtschaftliche Verhältnisse“ vorweisen müssen, hat einen einfachen Grund: Wer Schulden hat, lässt sich womöglich leichter bestechen. Der Umgang mit viel Bargeld, der zum Alltag als Zöllner gehören kann, setzt entsprechende Vertrauenswürdigkeit voraus.

Übrigens: Bewerbungsschluss für die Beamtenausbildung beim Zoll ist in diesem Jahr der 22. September!

Zollbeamte im mittleren Dienst

Die Laufbahn des mittleren Zolldienstes richtet sich an Realschüler oder Bewerber mit einer vergleichbaren Qualifikation. Nach erfolgreichem Abschluss der zweijährigen Ausbildung, bei der Inhalte wie Vollzugsrecht, Informationstechnik, Zolltarifrecht und natürlich ein umfassender praktischer Teil in den Zolldienststellen anstehen, wird man Zollsekretär und kann bis zum Zollamtsinspektor aufsteigen. Die Positionen des mittleren Dienstes werden im Rahmen der Besoldungsgruppen A5 bis A9 besoldet. Bis zu 3.500 € brutto monatlich sind möglich, abhängig von den Dienstjahren des Zöllners.

Zollbeamte im gehobenen Dienst

Diese Karriere steht Bewerbern offen, die Abitur oder Fachhochschulreife vorweisen können. Hier absolvieren die Anwärter ein dreijähriges duales Studium und erwerben Kenntnisse zu rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen, öffentlicher Verwaltung, Fremdsprachen, Psychologie, Soziologie und Pädagogik. Praktika in den Dienststellen begleiten die Ausbildung. Im Anschluss werden die Zollbeamten des gehobenen Dienstes als Zollinspektor bis zum Zolloberamtsrat in den Besoldungsgruppen A9 bis A13 besoldet. Hier verdient man bis zu 5.340 € brutto im Monat. Wer besonders fähig ist, kann außerdem in den höheren Dienst aufsteigen. Bei einem Bruttogehalt von etwa 7.300 € im Monat liegt die Spitzenbesoldung.

Quereinsteiger gesucht: Es geht auch ohne Beamtenausbildung

Die Ausbildungsgänge für den mittleren und gehobenen Zolldienst richten sich vorrangig an Schulabgänger. Außerdem kann man auch eine „zivile“ Ausbildung zum Kaufmann / Kauffrau für Büromanagement oder das duale Studium der Verwaltungsinformatik bei der Behörde absolvieren, ohne dass damit eine Beamtenlaufbahn eingeschlagen würde. Darüber hinaus bietet der Zoll aber auch Menschen einen Arbeitsplatz, die mitten im Berufsleben stehen – allerdings ebenfalls nicht als Beamte. Ohne die entsprechende Ausbildung wird man beim Zoll nicht verbeamtet; Quereinstiege wie sie bei Lehrern in manchen Bundesländern möglich sind, gibt es so nicht.

Regelmäßig veröffentlicht die Bundeszollverwaltung Stellenanzeigen, die sich an Berufserfahrene richten. Es ist nämlich auch möglich, als Angestellter für den Zoll zu arbeiten. Juristen, Menschen mit kaufmännischer Ausbildung, Kraftfahrer und viele mehr haben eine Chance auf einen Posten beim Zoll. Diese werden nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt: Für Sachbearbeiter im Bereich Versorgung gilt zum Beispiel die Entgeltgruppe 9a TVöD, was einem monatlichen Bruttoeinkommen von etwa 2.710 € bis 3.620 € entspricht.

Besonders gute Chancen auf eine Karriere beim Zoll „auf dem zweiten Weg“ haben natürlich Arbeitnehmer, die Vorwissen in Zollangelegenheiten mitbringen – beispielsweise, wer als Zolldeklarant schon mit der Behörde zusammenarbeitet.

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Quellen:

berufundfamilie
Bundesfinanzministerium
Bundeszollverwaltung
Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft