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Arbeit und Gehalt in Dänemark – der Ländervergleich

Kopenhagen, Dänemark am Nyhavn-Kanal.

So wie auch die benachbarten skandinavischen Länder Schweden und Norwegen wird auch Dänemark oft wegen seiner sozialen Arbeitspolitik gelobt. Dabei fällt in vielen Fällen das Wort „Flexicurity“ – ein Konzept, dass Flexibility und Security verbindet und in Dänemark seit den 1990er-Jahren praktiziert wird. Ziel davon ist es einerseits, den Betrieben die gewünschte Flexibilität zu geben, es gibt also keinen Kündigungsschutz, wie es in Deutschland der Fall ist. Aber andererseits lässt der Staat die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen nicht im Regen stehen: Im Falle eines Jobverlusts werden die Dänen mit großzügigen Sozialleistungen unterstützt.

Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt sich unter anderem in der Wirtschaft Dänemarks. Laut einer jährlichen Studie der Swiss Business School Institute for Management Development ist die dänische Volkswirtschaft die wettbewerbsfähigste der Welt. Diese Entwicklung hat sich schon in den Jahren zuvor abgezeichnet. In den letzten 5 Jahren landete Dänemark immer unter den Top 10, 2021 und 2020 wurde das Land als drittstärkste bzw. zweitstärkste Wirtschaft bewertet. Zudem habe die dänische Wirtschaft während der Corona-Pandemie keine so großen Einbußen in Kauf nehmen müssen wie andere Länder. Sowohl Unternehmen als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen seien hoch motiviert gewesen, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen und Veränderungen zu akzeptieren.

Kennzahlen: Arbeiten in Dänemark

  • Einwohnerzahl: 5,8 Millionen
  • Währung: Dänische Krone
  • Durchschnittlicher monatlicher Verdienst: 5.130 Euro brutto (ca. 39.700 Euro netto)
  • Steuern: Anders als in Deutschland, wo die Sozialsicherung über zusätzliche Beiträge neben der Steuer finanziert wird, sind die dänischen Sozialbeiträge in der Steuer inbegriffen. Es wird allerdings nicht das gesamte Einkommen der Dänen versteuert. Stattdessen gibt es einen individuellen Freibetrag, der nicht von der Steuer betroffen ist. Außerdem besteht in Dänemark ein Unterschied zwischen Kommunalsteuer und Staatssteuer. Während die Kommunalsteuer nach festen Prozentsätzen berechnet werden, fällt die Staatssteuer höher aus, je größer das zu versteuernde Einkommen oder Vermögen ist.
  • Krankenkasse & Co.: In Dänemark gilt grundsätzlich, dass alle, die bei der dänischen Sozialversicherung gemeldet sind, das Gesundheitssystem nutzen können. Wer in Dänemark lebt und/oder arbeitet, kann sich somit kostenlos von Ärzten oder in Krankenhäusern behandeln lassen, die Beiträge für die Krankenversicherung werden dabei direkt über die Steuer abgerechnet. Eines der Probleme des dänischen Gesundheitssystems sind teilweise sehr lange Wartelisten in Krankenhäusern. Um dem entgegenzuwirken, werden Wartelisten online veröffentlicht, sodass sich die Patienten und Patientinnen gegebenenfalls nach anderen Krankenhäusern umschauen können. Beträgt die Wartezeit länger als einen Monat, können sie sich auf Staatskosten in einer privaten Klinik oder im Ausland behandeln lassen.
  • Rente: Die Altersversorgung ist in Dänemark in erster Linie durch eine staatliche Rente gesichert. Das Renteneintrittsalter richtet sich dabei nach dem Geburtsjahr. Aktuell gilt für alle, die 1967 oder später geboren wurden, ein Eintrittsalter von 69. Alternativen zur staatlichen Rente sind eine private Altersvorsorge oder eine Pension, die über den Arbeitsvertrag geregelt ist. Den Mindestsatz von rund 900 Euro bekommen alle ausgezahlt. Die Summe kann durch Boni, aber auf bis zu 1.800 Euro steigen, abhängig von Nebeneinkünften aus Zinsen oder anderen Altersvorsorgen. Es spielt ebenfalls eine Rolle, ob die Personen in einer Partnerschaft leben oder den Haushalt alleine bestreiten.
  • Elternschaft: Seit dem 2. August 2022 gelten in Dänemark neue Regeln für den Elternschutz. Somit haben beide Eltern einen Anspruch auf 24 Wochen Urlaub, falls sie zum Zeitpunkt der Geburt in einem gemeinsamen Haushalt leben. Für alleinerziehende Eltern gilt, dass sie 22 Wochen Urlaub nehmen können, zusätzliche zu den 24 Wochen, die ihnen sowieso zustehen. Dies ist meistens der Fall, wenn eine alleinstehende Frau ein Kind zur Welt bringt. Aber diese Regelung tritt auch in Kraft für alleinstehende Väter, deren Kind von einer Leihmutter (meistens im Ausland) zur Welt gebracht wurde, falls eines der beiden Elternteile vor der Geburt verstirbt oder falls das Kind von einem einzelnen Elternteil adoptiert wird. Alleinstehende Mütter müssen vier Wochen ihres Urlaubs direkt vor der Geburt nehmen. Der restliche Urlaub muss direkt nach der Geburt und innerhalb des ersten Jahres nach der Geburt genommen werden. In Ausnahmefällen können die Urlaubswochen verschoben werden, müssen aber spätestens eingelöst werden, bevor das Kind neun Jahre alt ist. Alleinstehende Väter haben nur ein Anrecht auf Urlaub nach der Geburt, aber grundsätzlich gelten für sie die gleichen Rahmenbedingungen wie für die alleinstehenden Mütter.
  • Wochenarbeitszeit: Normalerweise liegt die wöchentliche Arbeitszeit bei 37 Stunden und darf mit Überstunden 48 Stunden nicht überschreiten. Außerdem müssen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen eine mindestens dreißigminütige Pause einlegen, wenn ihre Arbeitszeit länger als sechs Stunden beträgt. Zwischen zwei Schichten müssen mindestens elf Stunden Pause liegen. Diese Richtlinien können aber durch individuelle Absprachen angepasst werden.

Dänemark im Ländervergleich

Anders als in vielen anderen europäischen Ländern gibt es in Dänemark offiziell keinen gesetzlichen Mindestlohn. Allerdings sind die meisten Berufe in Dänemark tarifgebunden, was bedeutet, dass die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen einen tariflichen Mindestlohn beziehen. Dieser wird zwischen den sogenannten Sozialpartnern (Arbeitgeberverbände und Arbeitnehmerverbände) ausgehandelt. Auch die Regierung mischt bei diesen Verhandlungen mit und verhandelt zusätzliche Rahmenbedingungen, beispielsweise für die Altersvorsorge. Die Tarifverträge liegen normalerweise deutlich über dem Mindestlohn, daher hat sich die dänische Regierung auch gegen den europäischen Mindestlohn ausgesprochen, auf den sich die EU-Staaten geeinigt haben. So berge eine Einführung des Mindestlohns die Gefahr, dass sich das Einkommen vieler Dänen und Däninnen verschlechtern würde.

Wie viel verdient man in Dänemark eigentlich?

Durch die Tarifverträge ist den dänischen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen in der am schlechtesten bezahlten Branche ein Gehalt von mindestens 117 dänischen Kronen zugesichert. Das entspricht ungefähr 15,70 Euro und ist somit deutlich höher als der deutsche gesetzliche Mindestlohn. Allerdings sagt das noch nicht wirklich viel über den tatsächlichen Wert des Gehalts aus. Dafür müssen ebenfalls die Lebenshaltungskosten in Betracht gezogen werden. Kopenhagen gilt als eine der teuersten Städte der Welt. Selbst Studierende sollten dort mit monatlichen Ausgaben zwischen 1.200 bis 1.800 Euro rechnen. Kleinere Städte sind dagegen deutlich preiswerter. Im Durchschnitt sind die Lebenshaltungskosten in Dänemark ungefähr 25 bis 30 Prozent höher als in Deutschland. Somit wird das ungefähr 25 Prozent höhere Gehalt wieder ausgeglichen. Letztendlich besteht zwischen den Lebenskosten in Deutschland und Dänemark also nur dann ein merkbarer Unterschied, wenn man sich entscheidet, nach Kopenhagen zu ziehen.

Welche Berufe sind in Dänemark gefragt?

Wie auch in Deutschland sind die Unternehmen in Dänemark ständig auf der Suche nach Fachkräften im Ingenieurwesen oder der IT-Branche. Ebenso besteht in folgenden Branchen eine große Nachfrage nach Arbeitskräften und vor allem Fachkräften:

 

 

Somit haben vor allem folgende Berufe gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt:

 

Schulsystem und Berufsbildung

Das dänische Schulsystem besteht im Grunde nur aus einer gemeinschaftlichen Volksschule (Folkeskole), die alle Kinder zwischen sieben und sechzehn Jahren besuchen. Die Volksschulen werden staatlich finanziert, ihr Besuch ist also kostenlos. Der Abschluss der neunten Klasse ist vergleichbar mit dem deutschen Hauptschulabschluss. Danach haben die Schüler und Schülerinnen mehrere Möglichkeiten, ihren Bildungsweg fortzusetzen oder in die Berufswelt einzusteigen. Einerseits können sie die Volksschule noch ein weiteres Jahr besuchen und die Erweiterte Abschlussprüfung absolvieren, was einem deutschen Realschulabschluss gleichkommt. Als Alternative können die Schüler und Schülerinnen das zehnte Schuljahr auf einer sogenannten Nachschule (Efterskole) absolvieren. Nachschulen sind vergleichbar mit Internaten, die zusätzliche zur normalen Schulbildung weitere künstlerische, soziale, sportliche oder musikalische Schwerpunkte setzen.

Nach der Volksschule können die Schüler und Schülerinnen ein Gymnasium besuchen und das dänische Abitur (Studentereksamen) anstreben. Die dänische Oberstufe dauert drei Jahre. So dauert die gesamte Schullaufbahn in Dänemark bis zu 12 oder 13 Jahre abhängige davon, ob die Schüler und Schülerinnen nach der neunten oder erst nach der zehnten Klasse auf das Gymnasium gehen.

Die Schüler und Schülerinnen, die nach dem Abschluss der Volksschule nicht auf ein Gymnasium gehen, beginnen in der Regel eine Berufsausbildung. Diese unterteilt sich in verschiedene Stufen und kann insgesamt bis zu fünfeinhalb Jahre dauern. Die erste Stufe ist dabei das Basisprogramm, das in der Regel in Vollzeit absolviert wird und zwischen 20 und 60 Wochen dauert, je nach individueller Vorbildung und Qualifikation. Hauptbestandteil dieses Programms sind Grundlagenfächer und Einführungskurse in verschiedenen Fachrichtungen:

  • Bau und Installation
  • Gesundheit, Pflege und Pädagogik
  • Handel
  • Kundendienst
  • Medien
  • Nahrungsmittelherstellung
  • Tiere, Pflanzen und Natur
  • Transport und Logistik

Alternativ zu diesem Basisprogramm können die Auszubildenden ein einjähriges Praktikum in einem Unternehmen mit anschließender praktischer Prüfung absolvieren. Beide Wege qualifizieren die Auszubildenden für die Aufnahme in das Hauptprogramm der Ausbildungen.

Das Hauptprogramm ist vergleichbar mit den klassischen dualen Berufsausbildungen in Deutschland. Die Auszubildenden brauchen einen Ausbildungsvertrag mit einem als Ausbildungsbetrieb anerkannten Unternehmen. Die Theorie lernen sie dabei in der Berufsschule, die Praxis im Ausbildungsbetrieb.

Wer nach der Schule stattdessen studieren will, hat in Dänemark die Wahl zwischen mehreren Bildungsinstitutionen:

  • Universitäten
  • University Colleges
  • Academy of professional higher education

An Universitäten folgen die Studierenden dem klassischen Hochschulbildungsweg mit dreijährigem Bachelor und anschließendem zweijährigem Master. Die University Colleges folgen einer leicht abgewandelten Route. Das Grundstudium dauert in der Regel vier bis viereinhalb Jahre und schließt mit dem Titel Professional Bachelor ab. Danach können die Studierenden den üblichen Weg einschlagen und einen zweijährigen Masterstudiengang an einer Universität absolvieren.

An Academies of professional higher education lernen die Studierenden zwei Jahre, bevor sie das Academy Profession programme abschließen und ihre Bildung an einer Universität oder einem University College mit dem Bachelorstudium fortsetzen.

Fazit: Berufstätig in Dänemark

Insgesamt unterscheidet sich das Arbeitsleben in Dänemark nicht allzu sehr von der Situation in Deutschland. Der größte Unterschied liegt wohl im Bildungssystem, das eine Grundschulzeit von neun Jahren vorsieht. Auch die Oberstufe ist ein wenig anders aufgebaut als die in Deutschland.

Das dänische Gesundheits- und Sozialsystem unterscheidet sich ebenfalls leicht von dem uns bekannten. Da es staatlich finanziert wird, fallen die Steuern logischerweise höher als in Deutschland aus. Betrachtet man dies aber im Gesamtkontext, gleichen sich die Beträge wieder aus, denn die Dänen verdienen im Durchschnitt deutlich besser als die Deutschen. Außerdem fallen dadurch andere Sozialabgaben und Beiträge an das Gesundheitssystem weg. Der größte Pluspunkt, den Dänemark gegenüber Deutschland hat, ist die großzügige soziale Absicherung, was im Umkehrschluss auch wieder der Wirtschaft zugutekommt.

Quellen:

auslandsjob.de

auswandern-info.com

datacomms.org

educations.de

eures-kompas.eu

gpseducation.oecd.org

imd.org

jobindex.dk

krankenkassenvergleich.com

lifeindenmark.borger.dk

nordschleswiger.de

pendlerinfo.org

spiegel.de

statista.de

toender.dk