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“Heute hier, morgen dort” – befristete Verträge für Berufsanfänger

2013 mussten sich in Deutschland über 2,6 Millionen Menschen mit einem befristeten Job zufrieden geben. Drei Jahre zuvor war diese Zahl zwar um etwa 300 000 größer, aber befristete Arbeitsverträge ohne sachlichen Grund sind in den letzten Jahren angestiegen. Besonders betroffen sind Frauen und Berufstätige in sozialen und pädagogischen Berufen sowie im Gesundheitsbereich. Die Arbeitsmarktpolitikerin Jutta Krellmann von der Linken ist der Meinung, dass Arbeitgeber befristete Arbeitsverträge gezielt verwenden, damit ihre Mitarbeiter nicht zu sehr auf ihre Rechte pochen. Unbequeme Arbeitnehmer können damit rechnen, dass ihr Arbeitsverhältnis tatsächlich mit Ablauf des befristeten Arbeitsvertrages endet, während für den Arbeitgeber bequeme Beschäftigte auf eine Verlängerung hoffen dürfen.

Für junge Menschen stellt der Trend zum Arbeitsvertrag auf Zeit ein großes Problem dar, denn wie soll man sein Leben planen, wenn für wichtige Dinge ein unbefristeter Vertrag notwendig ist.

Die Probezeit-Generation – Mit befristeten Verträgen sein Leben planen?

Oft wird der jungen Generation vorgeworfen, lieber im Hotel Mama zu bleiben, statt sich auf eigene Beine zu stellen. Doch gerade der Aufbau des selbstständigen Lebens wird durch die befristeten Verträge erschwert. Jeder vierte junge Mensch zwischen 15 und 24 Jahren bekommt einen Arbeitsvertrag auf Zeit. Bei den 25- bis 34-jährigen Personen stehen immer noch 13,9 Prozent in einem befristeten Arbeitsverhältnis. Lebensplanung wird mit diesem Fakt sehr schwierig, denn schon alleine bei der Suche nach einer eigenen Wohnung scheitert es oft, da der Vermieter eine finanzielle Absicherung haben möchte. Dies ist mit einem befristeten Arbeitsvertrag nicht gegeben.
Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied beim DGB, ist für die Abschaffung der befristeten Arbeitsverträge, zumindest wenn sie sachgrundlos sind. Auch sie ist der Meinung, dass jungen Berufseinsteigern die Chance genommen wird, ihr Leben zu planen, vor allem da die viele Arbeitgeber diese Möglichkeit nutzen, um die Probezeiten zu verlängern.
Andere Experten auf dem Gebiet des Arbeitsmarktes sehen eher ein Risiko in der Abschaffung der befristeten Verträge. In einer Stellungnahme des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) ist die Rede davon, dass sachgrundlose Befristungen oftmals ein Sprungbrett in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis seien. Würde die Befristung abgeschafft, könne davon ausgegangen werden, dass viele Arbeitgeber auf freie Mitarbeiter oder Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen zurückgreifen.

Bankkredite – fast unmöglich ohne festen Arbeitsvertrag

Beim Wunsch nach einer eigenen Immobilie oder einem Neuwagen wird es noch schwieriger, denn die meisten Banken vergeben keine Kredite an Personen, die lediglich ein befristetes Arbeitsverhältnis vorweisen können. Die Banken möchten natürlich das Ausfallrisiko so niedrig wie möglich halten. Bei einem befristeten Arbeitsvertrag kann nicht garantiert werden, dass der Kredit pünktlich zurückgezahlt werden kann. Bei kurzen Kreditlaufzeiten und niedrigen Kreditsummen stimmen die Banken einer Finanzierung oftmals noch zu. Dabei darf aber die Kreditlaufzeit nicht die Laufzeit des Arbeitsvertrages übersteigen. Eine andere Möglichkeit für eine Finanzierung wäre ein Schreiben der Firma mit der Zusage, dass der Arbeitsvertrag des Kreditwilligen verlängert wird. Dafür muss das Schreiben jedoch den genauen Zeitraum für die Verlängerung des Vertrages beinhalten. Zudem dürfen keine Relativierungen enthalten sein, beispielsweise das Wort „höchstwahrscheinlich“ oder die Aussage „Der Arbeitsvertrag wird verlängert, sofern dies aufgrund der Geschäftsentwicklung möglich ist“. Gute Chancen auf einen Kredit haben diejenigen, die einen Bürgen mitbringen, der eine Festanstellung nachweisen kann und den Kreditvertrag unterschreibt.

Der Staat als schlechtes Vorbild

Der Staat sollte eigentlich als gutes Vorbild fungieren, doch was die befristeten Arbeitsverhältnisse betrifft, geht die Bundesregierung eher als schlechtes Vorbild voran. 2012 wurden 525 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in 13 Bundesministerien neu eingestellt. Davon bekamen 74 Prozent lediglich einen befristeten Vertrag. In den nachgeordneten Behörden wurden 3328 neue Jobs vergeben, davon 78 Prozent mit Befristung.

Weiterführende Infos zum Thema:

Der befristete Arbeitsvertrag – Ist das schon Standard?

Nach dem Studium - Tipps für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben