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Hilfe! Ein junger Chef

Hilfe! Ein junger Chef

Wer zwischen 1977 und 1998 geboren ist zählt zur sogenannten Generation Y. Diese Altersgruppe legt im Job weit mehr Wert auf flache Hierarchien und flexible Arbeitszeiten, als vorangegangene Generationen es taten. Doch was passiert, wenn Generation Y zu Vorgesetzten wird? Veränderungen sind vorprogrammiert, wenn die jungen Chefs das Ruder übernehmen.

Die Werte der Generation Y

Die jungen Menschen, die heute zwischen 25 und 30 Jahre alt sind, gehen mit anderen Erwartungen zur Arbeit. Die Werte dieser Generation unterscheiden sich von den Werten älterer Generationen und dies macht sich auch im Berufsleben bemerkbar. Junge Menschen möchten sich persönlich entwickeln und fühlen sich motiviert, wenn sie im Beruf ihre Fähigkeiten und Stärken einsetzen können. Verantwortung der Führungsebene ist für die Generation Y eher unwichtig. Wichtiger sind ihnen Unternehmen mit schnellen, kurzen Entscheidungswegen. Besonderen Wert legen sie auf Work-Life-Balance sowie auf Selbstverwirklichung. Stellen ältere Generationen ihre privaten Bedürfnisse hinter Berufsziele, kommt dies für junge Führungskräfte nicht in Frage. Persönliche Werte wollen nur die wenigsten der Generation Y dem Job unterwerfen.

Die Generation Y möchte einen Sinn in ihrer Arbeit sehen und möglichst viel Abwechslung im Berufsleben haben. Obwohl Selbstverwirklichung und individuelle Weiterentwicklung Priorität haben, sind die jungen Menschen keine Einzelkämpfer, sondern möchten im Team arbeiten und sich sowohl virtuell wie auch offline vernetzen. Das Internet ist für die Generation Y nicht wegzudenken, denn damit sind sie aufgewachsen.

Abwechslung bieten Projektarbeiten und die sind bei der jungen Generation beliebt. Für Projekte wird sich auch gerne engagiert und dabei ist es nicht so wichtig, ob Berufs- und Privatleben streng getrennt ist. Diese beiden Bereiche dürfen verschmelzen – solange die Werte und persönlichen Bedürfnisse nicht leiden.

Die Berufswelt ändert sich mit der Generation Y, denn zum einen stellen sich Unternehmen aufgrund des Fachkräftemangels auf die Belange dieser Generation ein und zum anderen wird es immer mehr junge Führungskräfte geben, die Änderungen in die Betriebe bringen.

Die Generation Y in Führungspositionen – das wird sich ändern

Es ist bereits ein Unterschied des Führungsverhaltens zu erkennen, denn einige Führungspositionen sind schon von jungen Menschen der Generation Y besetzt. Die jungen Chefs zeigen einen effektiven Führungsstil. Allerdings arbeiten sie nicht unbedingt effizient, denn manche Ziele werden über Umwege erreicht.

Das Manko liegt vor allem in der Art der Kommunikation, die in erster Linie schriftlich geschieht. Viele Prozesse könnten schneller ablaufen, wenn direkte Gespräche geführt würden.

Mitarbeiter junger Chefs müssen sich umstellen und das fällt nicht immer leicht. Von Befehlen, Machtverhalten und Hierarchien halten die Jungen nicht viel. Sie möchten flache Hierarchien, abteilungsübergreifende Arbeit und für Mitarbeiter genügend Gestaltungsfreiräume schaffen.

Wie gehen Unternehmen mit dem Umbruch durch junge Führungskräfte um?

Jede gravierende Änderung benötigt Zeit, um sich zu festigen. Den Firmen geht es nicht anders, denn in den Führungsetagen prallen nun die Erwartungen der Älteren mit denen der Jungen aufeinander. Da sich die älteren Führungskräfte mit dem Umgang dieses Themas überfordert fühlen, geben sie die Verantwortung an die Personaler weiter.

Dort wird das Thema jedoch auch nicht behandelt, denn die Personalabteilung befindet sich zwischen der Führungsebene und den Angestellten. Ein Wandel bezieht sich aber auf das gesamte Unternehmen und muss somit vom Arbeitgeber unterstützt werden. Im Moment fällt es vielen Arbeitgebern schwer, diesen Umbruch zu akzeptieren. Dadurch entwickelt sich eine Art der Bewegungslosigkeit: Niemand weiß so richtig, wie mit diesen unterschiedlichen Erwartungen und Werten umgegangen werden soll, also hält sich jeder still.

Ein Problem, mit dem Unternehmen noch nicht umzugehen wissen, ist die Erwartung der Generation Y von Sicherheit und Vertrauen. Um diese Erwartungen zu erfüllen, ist mehr Transparenz notwendig. Vertrauen und Sicherheit sind – laut Generation Y – nicht zu bekommen, wenn weiterhin Informationen zurückgehalten werden, dafür Geheimniskrämerei und Kontrolle zur Unternehmenskultur gehört.

Junge und ältere Führungskräfte im Unternehmen – so kann der Wandel gelingen

Zurzeit besteht ein gegenseitiges Unverständnis. Die junge Generation kann beispielsweise nicht verstehen, wieso Ideale wegen der Arbeit aufgegeben werden sollten und genau das haben die meisten Älteren getan. Die Jungen haben auch gesehen, was mit den Älteren passierte, wenn sie ihre Werte und Ziele unbeachtet ließen. Viele der älteren Generation sagen heute „Hätte ich dies und das mal anders gemacht“ und genau das möchten die Jüngeren später nicht sagen müssen. Sie sind nicht bereit, ihre Werte und Ziele aufzugeben, sondern diese sollen mit dem Beruf in Einklang gebracht werden.

Die ältere Generation sieht die Jungen oftmals als unfähig an. Ihre Ansicht ist, dass die Jüngeren kein Durchhaltevermögen mitbringen, nicht arbeiten können und bei Problemen direkt aufgeben. Am liebsten hätten die Jungen all ihre Wünsche erfüllt und das mit wenig Einsatz und hohem Gehalt – so die häufige Meinung der Älteren über die Jungen. Allerdings scheint auch ein wenig Neid durch, denn die Älteren beneiden insgeheim den Mut und die Möglichkeit der Jungen, sich für Werte und Ziele einzusetzen und danach ihren Job auszuwählen. Dennoch glauben sie nicht daran, dass mit der inneren Einstellung der Generation Y Unternehmen zu führen sind.

Die junge Generation empfindet die Älteren als zu sehr angepasst und unflexibel. Sie sehen, wie Krankheiten wie Burn Out zunehmen und wie wenig Zeit für eigene Bedürfnisse übrig ist, wenn man dem Job oberste Priorität gibt.

Würden sich beide Generationen in der Mitte treffen, könnten beide voneinander lernen und sich somit gemeinsam den Wandel in Gang setzen:

  • Work-Life-Balance ist ein wesentliches Thema, das nicht nur der jungen Generation zu Gute käme
  • Dafür müssen flexible Arbeitszeiten geschaffen werden, wobei die Vertrauensarbeitszeit ein Modell sein kann, welches gut umzusetzen ist.
  • Die berufliche Aufgabe muss jedoch im Vordergrund bleiben, das heißt die persönlichen Bedürfnisse jedes Einzelnen stehen immer noch hinter der
  • Aufgabe – anders herum wäre ein Fortbestehen eines Unternehmens kaum oder ganz unmöglich.
  • Die Erwartungen der Generation Y mehr Verantwortung zu übernehmen, selbstbestimmter zu arbeiten und Aufstiegschancen zu erhalten, dürften für ein Unternehmen keine Probleme darstellen – wenn dabei der Aspekt der Leistungsbereitschaft und –fähigkeit beachtet bleibt. Sprich: Wer seinen Job gut erledigt, sich dafür einsetzt und Gutes leistet, hat die Chance aufzusteigen, selbstbestimmter zu arbeiten und größere Verantwortungsbereiche zu übernehmen.

Vor jungen Chefs muss sich niemand fürchten, denn sie nehmen in der Regel die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Mitarbeiter wahr und versuchen die Aufgaben so zu verteilen, dass die Stärken und Fähigkeiten des Einzelnen zum Tragen kommen. Wer seine eigenen Fähigkeiten und Stärken einsetzen kann, wird wesentlich motivierter sein. Wer motiviert ist und gerne im Unternehmen arbeitet, wird sich nicht so schnell einen neuen Arbeitsplatz suchen wollen. Junge Führungskräfte können also dazu beitragen, gute Fachkräfte zu halten.

Auf der anderen Seite können natürlich nicht alle Bedürfnisse der Mitarbeiter berücksichtigt werden. Junge Chefs müssen somit lernen, auch einmal unangenehme Entscheidungen zu treffen, damit Firmenziele erreicht werden können. Dazu gehört ebenfalls Zusammenarbeit auf Führungsebene und das wird schwierig, wenn sich lauter Individualisten in der Führungsetage befinden. Aber auch dies könnten die Jungen von den Älteren lernen, denn schließlich geht es der Generation Y unter anderem um Vertrauen und Sicherheit. Diese beiden Faktoren sind aber nur dann möglich, wenn Unternehmensziele erreicht werden und dadurch der Umsatz gesichert ist.

Vertrauen und Sicherheit im Bezug auf Transparenz ist ebenfalls ein Thema, bei dem sich Ältere und Junge in der Mitte treffen sollten. Die ältere Generation hält sich oftmals noch zu stark mit der Weitergabe von Informationen zurück. Die junge Generation gibt Informationen häufig zu schnell weiter und hinterfragen diese weniger. Werden aber unfertige Informationen oder Gerüchte verbreitet, werden nicht Vertrauen und Sicherheit gefördert, sondern Angst und Unsicherheit.

Auf Erfolgskurs bleiben die Unternehmen, die es schaffen, die Unternehmensziele und –werte mit den Zielen und Werten der Jungen in Einklang zu bringen. Um ein zeitgemäßes Management in der Firma umzusetzen, sind junge Chefs notwendig.

Weiterführende Infos zum Thema:

Kritik am Chef üben: So macht man´s richtig!

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