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Umfrage: Mehrheit würde Gehaltsverhandlungen gern abschaffen

Umfrage: Mehrheit würde Gehaltsverhandlungen gern abschaffen

Weniger Nachdruck bei Gehaltsgesprächen…

… ist bei Frauen vielfach ein Grund, dass ihr Gehalt geringer ausfällt als das der männlichen Kollegen. Ebenso treten Frauen bei Lohnverhandlungen häufig nicht so forsch auf wie Männer. Sie lassen sich vom Arbeitgeber schneller einschüchtern oder abwimmeln. Manche Frauen fassen überhaupt nicht erst den Mut, ihren Vorgesetzten um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Das Resultat ist, dass weibliche Arbeitnehmer selbst bei der Verrichtung von exakt gleicher Arbeit und Erzielen gleicher Ergebnisse fast immer weniger verdienen als männliche Kollegen.

Eine Tatsache, die in den USA zu einem neuen Trend in Firmen geführt hat: ein Verbot für Gehaltsverhandlungen. Equal Pay, die Gleichbezahlung aller gleichgestellten Arbeitnehmer, soll Abhilfe schaffen. Die Zielvorgabe ist eine gerechte Entlohnung aller Mitarbeiter und der Verzicht auf individuelle Gehaltsverhandlungen. Nachdem sich das amerikanische Social Media-Unternehmen Reddit erst für das Verbot von Gehaltsverhandlungen entschieden hatte, ließen Jet.com, Magoosh und Elevations Credit Union verkünden, dass sie diesen Schritt ebenfalls in Betracht ziehen.

Wer also nicht hart oder geschickt genug verhandeln kann, braucht diese unangenehme Hürde nicht länger erklimmen oder umschiffen. Grundsätzlich ist das nicht bloß für Frauen eine Erleichterung. Viele Männer haben ebenfalls Magendrücken, wenn sie als Ernährer einer Familie um eine Erhöhung ihres Lohnes feilschen müssen.

Wer profitiert von der Abschaffung der Gehaltsverhandlungen?

Laut Statistischem Bundesamt liegt die Differenz auf dem Lohnstreifen von Männern und Frauen in Deutschland bei rund 22 Prozent. Hierbei ist allerdings nicht berücksichtigt, dass generell in Deutschland Frauen in hoch dotierten Führungspositionen fehlen. Ebenso sind längere Auszeiten von Frauen im Job durch Familienplanung nicht in Betracht gezogen. Somit betrachtet die Statistik nur die Bruttostundengehälter aller in Vollzeit arbeitenden Männer und Frauen. In einer bereinigten Auswertung verglich das Bundesamt Frauen und Männer mit denselben Eigenschaften in Bezug auf Schulbildung, Berufserfahrung, Branche, Beschäftigungsstatus, Arbeitszeit und Berufsfeld. Das Amt weist ein geklärtes Lohndifferenzial von acht Prozent aus. Somit verdienen Frauen weniger als Männer, das Gefälle ist indessen überschaubar.

Im Allgemeinen ist daher allen verhandlungsscheuen Menschen geholfen, wenn der übliche Gehaltspoker ausbleibt. In erster Linie profitiert jedoch der Arbeitgeber. Der Arbeitgeber setzt den Lohn für eine Position fest und operiert nach dem „Friss- oder Stirb-Prinzip“ (Take it or leave it). Gerade bei einem Jobwechsel erhoffen sich viele Bewerber eine Aufbesserung ihrer finanziellen Situation. Sie werden aufgrund stimmiger Qualifikationen ausgewählt und überzeugen im Vorstellungsgespräch. Der Vertrag ist unterschriftsreif – lediglich das Gehalt muss noch festgelegt werden. Hier entfällt ein möglicher Verhandlungsspielraum. Wer den Job gerne hätte, aber nur gegen ein unumstößliches Entgelt, verspielt damit seine Chance auf die Position. Der Arbeitgeber hat zwar vom administrativen Verfahren her weitaus weniger Aufwand, aber das Nachsehen, wenn gut ausgebildete Fachkräfte keine Zusage geben wollen.

Keine Gehaltsverhandlungen für Tarifangeschlossene und Beamte

Tarifgebundene Arbeitnehmer und Beamte freuen sich über recht regelmäßige Gehaltserhöhungen. Diese fallen nicht immer außergewöhnlich üppig aus, kommen aber beständig. Vorteile besitzt ebenso, wer im Arbeitsvertrag individuell festgeschrieben hat, wann jeweils das Gehalt erhöht wird und um wieviel. Belastende Verhandlungen entfallen sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber. Die berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeit ist oftmals so eingegrenzt wie die finanzielle Entwicklung.

Die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer unterstützt den Trend

Gehaltsverhandlungen abschaffen? Wir haben unsere User gefragt, was sie davon halten würden, wenn sich dieser Trend in Deutschland durchsetzen würde. Unsere Umfrage beantworteten 948 Männer sowie 590 Frauen.

Die Antworten:

„Ich halte von der Idee, Gehaltsverhandlungen abzuschaffen,

… sehr viel, weil dadurch endlich gerechte Gehälter erreicht werden.“ - sagten 35,87% der Männer und 59,32% der Frauen.

… viel, weil der schwierige Teil der Gehaltsverhandlung dann für alle wegfällt.“ – fanden 19,09% der Männer und 20% der Frauen.

… mit oder ohne Gehaltsverhandlung - mir ist das egal.“ - so erging es 7,07% der männlichen User und 4,92% der weiblichen User.

… gar nichts, warum sollten hauptsächlich Männer zurückgehalten werden, nur weil vorwiegend Frauen nicht verhandeln können?“ – sagten und fragten 37,98% der Männer und 15,67% der Frauen.

Damit spricht sich eine Mehrheit dafür aus, dass Gehaltsverhandlungen abgeschafft werden sollen, auch wenn die Meinung der Männer zwiegespalten ist. So unterstützen fast so viele Männer die Abschaffung für gerechte Gehälter (35,87%), wie sie sie aber auch ablehnen und nicht verstehen, warum sich für diese Entscheidung an den Frauen orientiert werden soll (37,98%). Gewissermaßen erwartet werden konnte, dass der Großteil der Frauen die Abschaffung der Gehaltsverhandlung begrüßt (59,32%), damit die Differenzen bei den Gehältern kleiner werden.
Zudem würden sich rund 20% beider Geschlechter generell freuen, wenn die Gehaltsverhandlung wegfiele, ohne dass sie die Geschlechterproblematik dafür einbeziehen.

Bei der Frage, ob dieser Trend auch in Deutschland Praxis werden könnte, waren Männer und Frauen sich grundsätzlich einig.

  • So sind sich 18,56% der Männer und 19,83% der Frauen sicher, dass, wenn sich der Trend in Amerika durchsetzt, dieser auch nach Deutschland kommt.
  • 45,89% der männlichen und die Hälfte der weiblichen User halten es generell für möglich, da in Deutschland immer mehr Wert auf gerechte Gehälter gelegt würde.
  • Allerdings denken 35,55% der Männer und 30,17% der Frauen genau das Gegenteil und sind überzeugt davon, dass die Idee sowieso in der Versenkung verschwindet.

Faire Löhne ohne Gehaltsverhandlungen?

Equal Pay soll Transparenz in die Entlohnungssysteme bringen. Gleicher Verdienst bei gleicher Leistung. Ein angenehmer Gedanke, der schwierig zu realisieren sein dürfte. Experten wünschen, dass das Gehalt direkt und ausschließlich von Qualifikation und Leistungserbringung abhängt. Der Bemessungsgrad sind Zielerreichungspläne. In einem jährlichen Mitarbeitergespräch wird definiert, wie der Zielerreichungsgrad und damit die Gehaltserhöhung ausfällt. Die Lebensumstände des Arbeitnehmers spielen dabei keine Rolle. Die Tendenz der Auswechselbarkeit von Arbeitnehmern in Richtung „hire and fire“ zeichnet sich ab. Der Mensch wird gläserner und persönlich unwichtig.

Die Höhe eines vernünftigen Gehaltes orientiert sich an der aktuellen Arbeitsmarktsituation, an Ausbildung und Berufserfahrung. Arbeitnehmer haben grundsätzlich keinen Rechtsanspruch auf eine Gehaltserhöhung, wenn das Unternehmen höhere Gewinne erzielt. Gleichermaßen ist ein Arbeitgeber nicht befugt, Gehälter zu kürzen, wenn Aufträge einbrechen. Dennoch ist es in einigen Branchen, zum Beispiel im Handwerk, üblich, dass eine Zeitlang weniger oder gar keine Löhne gezahlt werden können, obwohl Arbeit vorhanden ist. Die Aufhebung von Gehaltsverhandlungen bleibt hier ohne Wirkung.

Renate L. (34) aus Hildesheim führt seit mehreren Jahren eigenverantwortlich den Familienhotelbetrieb.

„Wir bezahlen unsere Angestellten je nach Verantwortungsgebiet. Dabei ist es egal, ob Männer oder Frauen die Arbeit erledigen. Gerade im Service mache ich bei Geschlecht und Stundenlohn keine Unterschiede. Es ist aber auffällig, dass es meist die männlichen Angestellten sind, die mich nach einiger Zeit in unserem Haus als erste um eine Gehaltserhöhung bitten. Die Frauen sind dabei eindeutig zurückhaltender. Für meinen Betrieb ist entscheidend, dass die Qualität der Arbeit stimmt und die Gäste sich bei uns wohl fühlen. Dazu benötigen wir intern ein gutes Klima. Unterschiede in Gehältern nach Geschlecht finde ich persönlich unfair. Damit würde ich nicht die Zufriedenheit und die Sicherung des Standards unseres Hauses verwirklichen können, die ich beanspruche. Ich bin überzeugt, in anderen Branchen sind Mitarbeiter weniger gleich gestellt als bei uns. Ein Verbot für Gehaltsverhandlungen hätte für uns keinerlei Auswirkungen. Ob es dem Arbeitsmarkt tatsächlich dienlich wäre, schätze ich als fraglich ein.“

Weiterführende Infos zum Thema:

Mehr für sich rausholen bei Gehaltsverhandlungen

Gehaltserhöhung – 10 Tipps wie ich den Chef zur Gehaltsverhandlung anspreche

Mehr Geld gefällig? Tipps zur Gehaltsverhandlung

20 Tipps für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung


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