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"Verruchte" Berufe: Das verdienen Tätowierer, Türsteher, Sexarbeiter

Türsteher vor einem plüschig-roten VIP-Bereich im Club

Unseriös, suspekt oder gar kriminell: Einige Berufe sehen sich massiven Vorurteilen ausgesetzt und bekommen von großen Teilen der Gesellschaft wenig Respekt entgegengebracht. Dabei wird oft verkannt, dass die Menschen einer ordentlichen Tätigkeit nachgehen. Beim näheren Hinsehen stellt sich auch heraus, dass viele Vorbehalte eher historischer Natur sind und dringend auf den Prüfstand gestellt werden sollten.

Es gab wohl schon immer Menschen, die unter dem schlechten Ansehen ihres Berufsstandes zu leiden hatten: Im Mittelalter waren es diejenigen, die einen der sogenannten „unehrlichen Berufe“ ausübten. Schäfer, Müller, Köhler, Kesselflicker und sogar Barbiere galten damals als ehrlos und verachtenswert – aus heutiger Sicht kaum vorstell- und nachvollziehbar. Andere Berufsgruppen wie Prostituierte oder Spielleute hatten noch deutlich länger und haben bis heute mit gesellschaftlicher Diskriminierung zu kämpfen. Dieses Los teilen sie sich mit einigen ‚moderneren‘ Berufen. Wir werfen einen Blick darauf, welche Berufe heute als verrucht gelten, was zu den gesellschaftlichen Vorurteilen führt und welche Gehälter in diesen Berufen verdient werden können.

Bilder auf der Haut und Vorurteile im Kopf: der berufliche Stand der Tätowierer

Bei ägyptischen Mumien und Ötzi hat man bereits Tattoos gefunden und wenn nachfolgende Generationen irgendwann einmal unsere heutigen Rockstars und Athleten ausgraben sollten, werden auch sie fündig werden. Seit Jahrtausenden lassen sich Menschen Bilder in die Haut stechen – und die dauerhafte Körperverzierung wird immer populärer. Tätowierte Menschen verstehen es als Kunst und als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Dennoch waren und sind Tattoos für Teile der Gesellschaft noch immer verpönt und sogar ein möglicher Hinweis auf Verbindungen zum kriminellen Milieu. Der Beruf des Tätowierers bzw. der Tätowiererin wird daher häufig mit einem unstetigen, chaotischen und vielleicht sogar gefährlichen Lebensstil assoziiert.

Doch Tattoos sind nach und nach in der Mitte der Gesellschaft angekommen: In Deutschland ist mittlerweile jeder Vierte tätowiert. Gleichzeitig konnte sich der Berufsstand der Tätowierer teilweise von seinem Schmuddel-Image befreien und hat eine regelrechte Professionalisierung erlebt. Dazu haben, neben der erhöhten Nachfrage nach Körperbemalung, auch die Einführung von Hygienestandards und die Verwendung professioneller Ausrüstung beigetragen.

Obwohl regelmäßig darüber diskutiert wird, gibt es nach wie vor keine staatlich geregelte Ausbildung zum Tätowierer. Vielmehr erlernen die späteren Künstler ihr Handwerk, indem sie einen Profi bei der Arbeit begleiten, Vorlagen zeichnen, Geräte desinfizieren und später an Probanden üben. Mit der Zeit und der Erfahrung verbessern sich ihre Fähigkeiten – mal schneller, mal langsamer –, bis sie schließlich eigenständig arbeiten. Oft bauen sie sich dabei einen Kundenstamm und eine gewisse Reputation auf.

Das verdienen Tätowierer

Im Endeffekt sind die Berufsperspektiven abhängig vom jeweiligen Talent und den persönlichen Kontakten. Einige Tätowierer eröffnen ein Tattoostudio, um sich an einem festen Ort niederzulassen. Viele andere arbeiten jedoch auf freiberuflicher Basis und zahlen eine „Stuhlmiete“ in einem Studio. Die Gehaltshöhe von Tätowierern ist nur schwer zu bestimmen. Schließlich hängt die Höhe des verlangten Honorars von verschiedenen Faktoren ab: Je nach Bekanntheitsgrad, Auftragslage oder der Anzahl der Mitbewerber können die Preise variieren. Schätzungen zufolge liegt der Stundensatz aber zwischen 60 und 110 Euro. Für kleinere Motive, die weniger als eine Stunde benötigen, legen Tätowierer oft sogar einen Mindestsatz fest. Insgesamt liegt die Höhe des Gehalts in den Händen der Tätowierer selbst.

Türsteher – wenig Anerkennung und wenig Gehalt

Taschenkontrollen, Diskussionen mit Betrunkenen und Auseinandersetzungen mit abgewiesenen Partygästen: Im Berufsalltag von Türstehern und Türsteherinnen gibt es nur wenig Glamouröses. Dies betrifft vor allem diejenigen, die vor Diskotheken und anderen Etablissements des Nachtlebens stehen. Insbesondere in diesem Zusammenhang sehen sich Türsteher vielen Vorurteilen und Klischees ausgesetzt: Sie seien ungebildet, gewalttätig, gehörten zum Rocker-Milieu und hätten kriminelle Verbindungen oder eine kriminelle Vergangenheit.

Nicht jeder Türsteher erfüllt dieselben Voraussetzungen. Viele sind zwar breit gebaut, haben Kampfsporterfahrung und strahlen Autorität aus, aber die Arbeitgeber entscheiden selbst, welche Anforderungen sie an ihre Türsteher stellen: Sie können unerfahrene Quereinsteiger einstellen oder bestimmte Qualifikationen erwarten. Größere und seriöse Nachtklubs verlangen dabei meist zumindest eine Bewachungserlaubnis, auch §34a-Schein genannt, welche nach bestandener Prüfung von der Industie- und Handelskammer (IHK) erteilt wird. Einige Betriebe erwarten sogar eine abgeschlossene dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Manche Türsteher arbeiten in Vollzeit und stehen in der Woche vor Geschäften und anderen Einrichtungen, während andere Tagsüber einem ganz anderen Beruf nachgehen. Vorstrafen und kriminelle Aktivitäten erschweren dabei nur die Jobsuche.

Was verdient ein Türsteher?

Die Grundvergütung für Sicherheitsmitarbeiter ist tariflich geregelt und variiert je nach Bundesland. So verdient z. B. ein regulärer Mitarbeiter beim Veranstaltungsdienst in Hamburg mindestens 9,50 Euro pro Stunde und in Nordrhein-Westfalen 10,58 Euro – allerdings fällt hier wiederum der Nachtzuschlag niedriger aus. Auch wenn sich die Qualifikationen auf das Gehalt der Türsteher auswirken, ist das gesamte Sicherheitsgewerbe von Niedriglöhnen betroffen: IHK-geprüfte Mitarbeiter und ausgebildete Fachkräfte für Schutz und Sicherheit verdienen oft nur wenige Euro mehr pro Stunde als unausgebildete Kollegen. Bei fest angestellten und ausgebildeten Sicherheitsfachleuten liegt das monatliche Einstiegsgehalt zwischen 1.600 € und 1.700 Euro. Mit viel Erfahrung, Weiterbildungen und Nachtzuschlägen lässt sich dieses zwar verbessern, allerdings wird man in anderen Bereichen des Sicherheitsdienstes, wie beispielsweise beim Personenschutz, besser bezahlt.

Grauzone Sexarbeit: Stigmatisiert, verpönt – lukrativ?

An Sexarbeit scheiden sich die Geister wie bei kaum einem anderen Thema: Für die einen ist der Austausch einer sexuellen Dienstleistung gegen Geld menschenverachtend, ausbeuterisch und unmoralisch, während es für andere akzeptabel ist, sofern es auf freiwilliger Basis geschieht. Dies zeigt sich auch in den unterschiedlichen Herangehensweisen auf internationaler Ebene: In Ländern wie Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz oder Österreich ist Prostitution legal und reguliert, in Staaten wie Polen oder Spanien ist sie zwar legal, kann aber nicht angemeldet werden, wohingegen beispielsweise Frankreich, Schweden und der Großteil Osteuropas Prostitution verboten haben.

Sexarbeit kann verschiedene Formen annehmen und doch haben alle Facetten eines gemeinsam: Das soziale Stigma und Vorurteile prägen den Alltag. Denn Sexarbeit wird oftmals in Verbindung mit Menschenhandel, Zwangsprostitution und sexueller Ausbeutung gesehen. Dieser Umstand wird durch Grauzonen verstärkt: Obwohl Prostitution in Deutschland seit 2001 nicht mehr sittenwidrig ist, gibt es wenig verlässliche Zahlen und eine hohe Dunkelziffer. Deutschlandweit reichen Schätzungen über die Anzahl männlicher und weiblicher Sexarbeiter von 50.000 bis 400.000. Grund für die große Spannbreite ist unter anderem die schlechte Messbarkeit von Gelegenheits- und Beschaffungsarbeit, Dienstleistungen, die über das Internet angeboten werden und illegalen Aktivitäten. Viele Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen sind nicht gerade stolz auf ihren Beruf und müssen Ablehnung von Familien, Bekannten und Nachbarn befürchten: Daher verwenden viele von ihnen Fantasienamen und bezeichnen sich offiziell als Putzkräfte, Masseure, Hausfrauen, Tänzer, Kellnerinnen oder als Angehörige anderer „akzeptablerer“ Berufe.

Angebot und Nachfrage bestimmen das Gehalt: Was verdient eine Prostituierte?

Es gibt keine genauen Daten darüber, wieviel Sexarbeiter verdienen. Schätzungen zufolge erwirtschaftet die Branche in Deutschland bei einer täglichen Anzahl von 1,2 Millionen Freiern einen Jahresumsatz von 14,6 Milliarden Euro, der sich wie folgt aufteilt:

  • 5,475 Milliarden Euro in Bordellen
  • 2,738 Milliarden Euro in der Straßenprostitution
  • 3,65 Milliarden Euro bei Hostessendiensten
  • 2,738 Milliarden Euro durch sonstige Prostitution

Doch der Umsatz ist noch kein Gewinn: Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass rund 7,3 Milliarden Euro für Mieten, Stand- und Schutzgelder, Anzeigen, Kleidung, Kondome und andere Utensilien anfallen. Insgesamt ist das Gehalt von Sexarbeiterinnen sehr stark von ihrem Arbeitsumfeld abhängig: Die Preise für ihre Dienstleistungen können sie zwar meist selbst bestimmen, sie müssen dabei aber Nachfrage und Konkurrenz bedenken. Außerdem ist relevant, ob Sexarbeiter selbstständig arbeiten oder einen Teil der Einnahmen beispielsweise an einen Zuhälter abtreten müssen. So können Preise in Bordellen bei 50 Euro pro Stunde liegen während im gehobenen Escort-Bereich ein Vielfaches verlangt werden kann. Während einige sich dadurch in einer (auch finanziell) prekären Lage wiederfinden, können andere ein durchschnittliches Monatsgehalt in nur einer Nacht verdienen. Letzteres dürfte allerdings die Ausnahme sein.

Nicht nur Beruf, sondern Berufung: Schausteller & Zirkusartisten

Wie vertrauenswürdig sind Menschen, die ohne festen Wohnsitz ständig umherreisen und immer unter sich bleiben? Das fragten sich wohl die Menschen im Mittelalter und der Frühen Neuzeit, die dem „Fahrenden Volk“, zu dem auch Gaukler, Schausteller und Artisten gehörten, mit Misstrauen begegneten. Aufgrund des Generalverdachts, sich kriminell oder zumindest gemeinschaftsschädlich zu verhalten, wurden und werden sie oftmals ausgeschlossen und diskriminiert. Heutzutage wissen jedoch die meisten, dass die Arbeit zwischen Achterbahn, Manege und Imbissbude eine ehrliche Erwerbstätigkeit ist. Dennoch gilt die Arbeit als „speziell“ und die Gemeinschaft der Zirkusdarsteller und Schausteller für viele als „sonderbares Völkchen“. Das liegt zum Teil daran, dass das scheinbar unbeständige Leben auf Reisen und auf Tournee für viele unvorstellbar ist. Zum anderen liegt es aber auch an der eingeschworenen, relativ exklusiven Schaustellergemeinschaft, der Familien teilweise seit Jahrhunderten angehören.

Kirmes, Rummel, Jahrmarkt, Messe oder Dom – so arbeiten und verdienen Schausteller

In den meisten Fällen sind Kirmesbuden und Attraktionen in Familienhand und werden über Generationen hinweg gemeinsam geführt. Für Außenstehende ist der Einstieg entsprechend schwer: Neue Fahrgeschäfte kosten unter Umständen mehrere Millionen Euro, Stellplätze sind sehr begehrt und meist für die etablierten Schausteller reserviert. Die Arbeit ist hart und das Gehalt ist nicht besonders hoch. Für die Inhaber können Wind, Wetter und Location die Einnahmen im Tagesgeschäft massiv beeinflussen, während die Kosten für Strom, Personal und Wartungsarbeiten bestehen bleiben. Aufbauhelfer, Kassierer, Rekommandeure und andere Mitarbeiter bekommen zwar oft Kost und Logis gestellt, verdienen aber darüber hinaus nicht besonders viel – unter Umständen liegt ihr Gehalt dann knapp über 1.000 Euro im Monat.

Leben und Gehalt beim Zirkus

Auch das Dasein als Zirkusartistin, Akrobat oder Clown ist mehr ein Lebensstil als ein geregelter Beruf. Denn auch sie sind die meiste Zeit unterwegs und lassen sich, wie der Zirkus, an ständig wechselnden Standorten nieder. Außerhalb der Manege sind sie damit beschäftigt, hart zu trainieren und Neues zu erproben. Oftmals entstammen die Künstlerinnen und Artisten selbst Familien, die eine traditionelle Beziehung zum Zirkus pflegen. Nachwuchs findet sich aber auch an Artistenschulen oder wenn junge Talente sich direkt bewerben. Nach einer abgeschlossenen Tournee können sie sich entscheiden, ob sie beim selben Zirkusbetrieb bleiben oder sich einem anderen anschließen möchten. Über das Gehalt von Zirkusartisten lässt sich keine einheitliche Aussage treffen. Oftmals hängt ihr Einkommen von verschiedenen Faktoren ab: Wie gut kommen sie beim Publikum an? Sind sie Freiberufler oder direkt beim Zirkus angestellt? Sind Unterkunft und Verpflegung im Lohn enthalten? Außerdem spielt natürlich auch die Größe des Betriebs eine Rolle. Verschiedenen Schätzungen zufolge verdienen Zirkusleute zwischen 1.200 Euro und 3.000 Euro monatlich. Problematisch ist, dass es bei diesen Zahlen keine Abgrenzung zwischen Zirkusartisten und Zirkushelfern, sowie zu Unterhaltungskünstlern und Tänzern in anderen Bereichen gibt.

„Verruchte“ Berufe sind längst professionalisiert

Berufe in Verbindung zum Rotlichtmilieu oder mit einer unbeständigen Lebensweise galten lange Zeit schlimmstenfalls als kriminell, bestenfalls als suspekt. Obwohl einige Berufe es geschafft haben, sich von ihrem Schmuddel-Image und Vorurteilen zu befreien, gibt es noch immer Tätigkeiten, denen nach wie vor ein schlechter Ruf anlastet.

Das Dasein als Tätowierer hat sich, insbesondere bei jüngeren Generationen, längst als akzeptierter Beruf etabliert. Die Künstler und ihre Werke werden bei großen Veranstaltungen vorgestellt, bekommen eigene Fernsehformate gewidmet und Tattoos sind ein selbstverständlicher Teil der Persönlichkeitsentfaltung. Türsteherpersönlichkeiten können so vielseitig sein, wie die Gäste die sie kontrollieren: Einige von ihnen schreiben Bücher und veranstalten Lesungen, andere promovieren nebenbei oder sind aufstrebende Künstler und wiederum andere pflegen tagsüber alte Menschen und sind nachts wahre Kiezgrößen. Insbesondere Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen haben – trotz Regulierungen sowie öffentlicher Bemühungen, Tabus aufzubrechen und die Wahrnehmung des Berufsstands zu normalisieren – noch immer mit Stigmatisierung und mangelnder Anerkennung zu kämpfen. Bis diese Beschäftigung allerdings als "normale" Erwerbstätigkeit anerkannt wird, bedarf es noch weiterer Aufklärung und eine breite Abkehr von der Zwangsprostitution – auch von Seiten der Freier. Schausteller und Artisten konnten ihr Image in vielen Gesellschaftsteilen aufbessern und werden mittlerweile eher als hart arbeitende Unterhaltungsdienstleister wahrgenommen.

Während es also einige Berufe geschafft haben, Licht ins Dunkel zu bringen und aus dem Schattendasein herauszutreten, kämpfen andere noch immer um gesellschaftliche Anerkennung. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass hinter jedem Beruf auch Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Motivationen stehen. Es wäre daher falsch, sie aufgrund von Vorurteilen zu verurteilen, obwohl sie einer ehrlichen Erwerbstätigkeit nachgehen. Kriminalität und schwarze Schafe gibt es selbstverständlich, allerdings auch in gesellschaftlich anerkannten Berufen.

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Quellen:

Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V.
Brigitte
Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend
Bundesverband der Sicherheitswirtschaft
Deutscher Schaustellerbund e.V.
Deutschlandfunk
FAZ
Focus
Frankfurter Rundschau
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