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Intrapreneur: Angestellten-Unternehmer abseits ausgetretener Pfade

Intrapreneur: Angestellten-Unternehmer abseits ausgetretener Pfade

Intrapre…was? Immer wieder geistert die Berufsbezeichnung Intrapreneur durch die Unternehmenswelt. Insbesondere in größeren Konzernen wird mithilfe solcher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versucht, Innovationen im eigenen Hause zu schaffen, als wäre man gerade erst in der Gründungsphase. Aber was heißt es eigentlich, als Intrapreneurin oder Intrapreneur zu arbeiten? Welche Vor- und Nachteile bietet das Modell für Arbeitgeber und Angestellte und was muss man selbst für eine solche Tätigkeit mitbringen?

Defintion: Was Intrapreneur eigentlich heißt

Das Wort „Intrapreneur“ ist älter, als viele vermuten dürften. Schon 1978 schrieb der Unternehmer und Autor Gifford Pinchot III in einem Buch von intra-corporate entrepreneurship oder kurz intrapreneurship. Damit ist gemeint, dass innerhalb einer bereits etablierten Firma eine Unternehmerposition (Entrepreneur) wie in einem Start-up geschaffen wird. Verwandte Begriffe sind Entrepreneur in Residence, Innovation Manager oder auch die deutschen Bezeichnungen Binnenunternehmer und Angestellten-Unternehmer. Allerdings ist das Thema hierzulande noch nicht allzu verbreitet, wie ein Blick in die Stellenanzeigen beweist. So oder so handelt es sich beim Intrapreneur und den verwandten Begriffen nicht um geschützte Bezeichnungen oder ein allzu klar umrissenes Berufsfeld. Schließlich ist Flexibilität in diesem Job gefragt.

Wozu das Ganze? Intrapreneure sollen dort Innovationskraft zeigen, wo sie sonst durch Konzernstrukturen häufig gebremst wird. Ausgestattet mit einem großen Maß an Entscheidungsfreiheit und zusammen mit einem Team von Spezialisten entwickeln sie Ideen und Konzepte, die im gewöhnlichen Arbeitsalltag von Großunternehmen in der Regel keinen Platz haben. Denn an Innovationen führt gerade in Technik-Konzernen kein Weg vorbei, auch wenn diese scheinbar schon den Markt beherrschen. Gerade das Paradoxe an Intrapreneuren – mit scheinbar völligen Freiheiten innerhalb von klaren Strukturen zu arbeiten – wird als große Chance gesehen. Einige bedeutende Unternehmen wie Google, Sony oder auch die Deutsche Telekom haben dieses Konzept schon erfolgreich eingesetzt. Ein Schwerpunkt, wo das Intrapreneurship vermehrt Anwendung findet, ist der IT-Bereich.

Intrapreneur vs. Entrepreneur: Vor- und Nachteile

Der wesentliche Unterschied zwischen dem Intrapreneur und dem Entrepreneur wurde schon angerissen: Der Entrepreneur oder Gründer ist grundsätzlich sein eigener Herr, während er sein Unternehmen aufbaut. Rücksicht muss er allenfalls auf seine Investoren nehmen, ansonsten kann er schalten und walten, wie es die Gegebenheiten des Marktes zulassen. Dafür trägt er auch das volle Risiko: Im Falle anhaltender Erfolglosigkeit steht der Entrepreneur durchaus schon mal vor der Insolvenz. Auf der anderen Seite hingegen kann der Gründer bei einem Durchbruch seines Geschäftsmodells die Früchte seiner Arbeit selbst ernten und richtig reich werden.

Als Intrapreneur tut man hingegen nur so als ob. Eingebettet in die Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses werden die Binnenunternehmer zwar mit weitreichenden Befugnissen und Freiheiten ausgestattet, ihre Ideen allerdings kommen primär dem Arbeitgeber zugute. Intrapreneure erwerben in Erfolgsfällen zwar Ruhm, müssen sich aber auch finanziell mit den üblichen, wenn auch gehobenen Angestelltengehältern zufriedengeben. Dafür fallen sie bedeutend weicher als ihre eigenständigen Kollegen: Hat ein Intrapreneur keinen Erfolg, wird er wahrscheinlich trotzdem von seinem Unternehmen aufgefangen und kann wieder in ein gewöhnliches Angestelltenverhältnis wechseln. Im Falle von gravierenden Fehlern kann er natürlich dennoch entlassen werden.

Wie wird man Intrapreneur?

Um als Intrapreneur in einem Unternehmen zu arbeiten, muss dieses erst einmal die Voraussetzungen dafür schaffen. Ohne ein Bewusstsein in der Chefetage, dass der Start-up-Unternehmergeist frischen Wind in die Firma bringen kann, werden derartige Positionen gar nicht erst entstehen. Die Konzernführung muss also eine entsprechende Vision formulieren und Ziele vorgeben, die durch das Intrapreneurship zu erreichen sind. Wichtig: Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.

Mit dem Willen allein ist es nicht getan. Damit wirklich eine Innovationsschmiede im Großunternehmen entstehen kann, sind Ressourcen finanzieller und personeller Art notwendig. Und da Erfolg nie garantiert ist, können die eingesetzten Mittel auch nicht als sichere Investition aufgefasst werden. Scheitert das Vorhaben, bleibt nichts Zählbares – allenfalls der Lerneffekt.

Meistens wird das Intrapreneurship als zeitlich begrenztes Projekt eingeführt, auf das sich kompetente Mitarbeiter intern bewerben können. Das Intrapreneur-Team benötigt für eine erfolgreiche Arbeit nicht nur größtmögliche Freiheiten für die Entfaltung unkonventioneller Ideen; die Binnenunternehmer müssen außerdem bestmöglich Zugriff auf alle relevanten Informationen innerhalb der Organisation bekommen, beispielsweise über eine Wissensdatenbank im Intranet. Auch Mitarbeiter-Fortbildungen für den entscheidenden Blick über den Tellerrand können ein wichtiges Instrument sein.

Schließlich sind entsprechende Anreize vonnöten, damit Intrapreneure mit Hunger auf Erfolg ans Werk gehen. Ein attraktiver Gehaltsbonus für das Erreichen eines Ziels oder die Aussicht auf eine dauerhaft höhere Position im Konzern, beispielsweise als Abteilungsleiter eines neugeschaffenen Bereiches oder sogar als Geschäftsführer einer ausgelagerten Firma, können derartige Anreize sein. Im Gegenzug müssen die internen Gründer nicht nur auf Freiheiten, sondern auch auf eine gewisse Fehlertoleranz vertrauen können. Denn wer nichts riskiert, wird keinerlei Innovationen entwickeln können. Daher ist ein grundsätzliches Maß an Absicherung für Intrapreneure auch im Falle von Misserfolgen unverzichtbar.

Was ein Intrapreneur mitbringen muss

Nicht jeder kann Intrapreneur werden. In der Regel handelt es sich bei Menschen in dieser Position um Akademiker, die mindestens schon erste Führungserfahrungen mitbringen. Um in einer solchen Funktion erfolgreich tätig zu werden, brauchen die Binnenunternehmer außerdem folgende persönliche Eigenschaften:

  • Kreativität. Innovation entsteht nur, wenn man in der Lage ist, auch ungewöhnliche Ideen zu entwickeln und gedankliche Grenzen zu sprengen.
  • Durchsetzungsvermögen. Intrapreneure dürfen sich nicht vom ersten Gegenwind aus dem Konzept bringen lassen. Unkonventionelle Ideen müssen sie selbstbewusst vertreten können.
  • Unternehmergeist. Auch wenn das Intrapreneurship kein echtes Unternehmen ist, muss es sich so anfühlen. Eigenverantwortlichkeit ist ein Muss.
  • Kostenbewusstsein. Wie bei jedem eigenen Projekt sollte zwar mutig und ambitioniert, aber keinesfalls verschwenderisch gewirtschaftet werden.
  • Ehrgeiz. Das Intrapreneurship soll etwas erreichen. Dazu müssen die Beteiligten Ziele vor Augen haben und den Willen zum Erfolg mitbringen.
  • Belastbarkeit. Wer einen Nine-to-Five-Job sucht, ist als Intrapreneur falsch. Langes und hartes Arbeiten sind eher die Regel.
  • Teamfähigkeit. Notwendige Aufgabenteilung einerseits und sozialer Druck andererseits sind besondere Herausforderungen für interne Gründer.

Es sind also hohe Anforderungen, die Arbeitnehmer in einer solchen Position erfüllen müssen. Stress ist an der Tagesordnung und so klagen Intrapreneure immer wieder auch über eine zu hohe Belastung im Arbeitsalltag. Schlechte Work-Life-Balance hier, große Chancen da: Für Menschen, die im Berufsleben Außergewöhnliches erreichen wollen und dafür Opfer zu bringen bereit sind, könnte das Intrapreneurship der richtige Weg sein. Und schließlich ist das „Unternehmertum light“ immer noch mit weniger Risiken behaftet als die eigene Firmengründung.

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Quellen:

Einstein1
Faz.net
Gründerszene
Handbuch HR-Management
Pinchot.com