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Als Azubi ins Ausland: internationale Erfahrungen sammeln und mehr

Internationale Auszubildende

Ähnlich wie bei einem Auslandssemester für Studierende gibt es auch für Auszubildende die Möglichkeit, ihren Berufsalltag durch ein Auslandspraktikum aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Wenn ihr gerade eine Ausbildung macht bzw. frisch damit fertig seid und so viele Erfahrungen wie möglich sammeln und euch gleichzeitig Vorteile für die spätere Jobsuche verschaffen möchtet, ist dieses Abenteuer vielleicht genau das Richtige für euch.

Aktuell nutzen Auszubildende diese Möglichkeit im Vergleich zu Studenten eher selten. Zum Beispiel waren im Jahr 2017 insgesamt nur 5,3 Prozent aller Azubis aus Deutschland für einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland. Das sind bei ca. 1,3 Millionen Auszubildenden gerade mal rund 69.000. Warum es schade ist, dass diese Chance so selten genutzt wird, wie ihr einen Praktikumsplatz findet, wie das Ganze finanziert werden kann und was Azubis vor ihrem Auslandaufenthalt sonst noch beachten sollten, erfahrt ihr im Folgenden.

Welche Vorteile hat ein Auslandspraktikum?

Während eures Auslandsaufenthaltes sammelt ihr Erfahrungen, die euch nicht nur im Berufsleben, sondern auch in eurer persönlichen Entwicklung weiterbringen. Indem ihr neue Arbeitsabläufe und -techniken kennenlernt, erlebt ihr euren Beruf aus einem anderen Blickwinkel. Denn auch im Arbeitsleben gilt: andere Länder, andere Sitten. In Spanien erwartet euch beispielsweise eine verlängerte Mittagspause und dafür Arbeit bis in den Abend. Ihr habt täglich Kontakt zu Menschen aus einer anderen Kultur und erhaltet einen Einblick in andere Lebensweisen. Das bereichert persönlich und öffnet den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Wenn ihr euch in das Abenteuer des Auslandsaufenthaltes stürzt, werdet ihr weitestgehend auf euch allein gestellt sein. Das hat zur Folge, dass ihr in der Regel viel selbstständiger und mit einer großen Portion Selbstbewusstsein nach Deutschland zurückkommen werdet.

Zudem werden sich eure Sprachfähigkeiten durch das Auslandspraktikum verbessern, auch im Bereich eures Berufsvokabulars. Das kann ein großer Vorteil bei der späteren Jobsuche sein, da ihr z. B. auch international eingesetzt werden könnt.

Natürlich ist neben diesen ganzen Vorteilen auch einer der wichtigsten Punkte nicht zu vergessen: Spaß. Ihr werdet mit Sicherheit viele neue Kontakte knüpfen, Freunde finden und unvergessliche Erfahrungen sammeln. Doch bevor es soweit ist, gilt es noch einiges zu klären – zunächst einmal, ob ihr überhaupt ins Ausland dürft.

Wer darf ein Auslandspraktikum machen?

Bevor ihr anfangt, eure Reise zu planen, muss geklärt werden, ob ein Auslandspraktikum für euch grundsätzlich möglich ist. Das ist der Fall, wenn ihr Azubis und Berufsschüler seid oder eure Ausbildung vor maximal zwölf Monaten abgeschlossen habt. Auch wenn ihr gerade eine Weiterbildung macht, könnt ihr ein Praktikum im Ausland machen. Andere Faktoren wie Schulnoten spielen in der Regel keine Rolle. Eine generelle Altersgrenze gibt es nicht, häufig legen aber einzelne Anbieter der Praktika ihre eigenen Grenzen fest. Grundsätzlich wird ein Mindestalter von 18 Jahren empfohlen.

Wenn ihr die Anforderungen erfüllt, steht eurem Auslandsaufenthalt grundsätzlich nichts mehr im Weg. Ihr braucht aber auch die Zustimmung eures Ausbildungsbetriebs. Sofern ein Auslandsaufenthalt nicht von Beginn an in eurem Arbeitsvertrag festgelegt war, solltet ihr euer Vorhaben zuerst mit eurem Ausbilder besprechen. Den solltet ihr auf eurer Seite haben, sonst wird es schwierig. In einigen Fällen kann es notwendig sein, den Arbeitgeber von eurem Vorhaben mit guten Argumenten zu überzeugen. Hilfreich ist dabei unter anderem, wenn ihr auf die neu gesammelten Erfahrungen hinweist, zum Beispiel neue Techniken und verbesserte Englischkenntnisse, die ihr in eurem Ausbildungsbetrieb einbringen könnt, sobald ihr wieder in Deutschland seid. Und auch die oben erwähnte gesteigerte Selbstständigkeit kommt eurem Arbeitgeber nach eurer Rückkehr mit Sicherheit zugute. Seid ihr euch einig geworden, muss der Ausbildungsvertrag angepasst und diese Vertragsänderung anschließend durch den Ausbildungsbetrieb der Industrie- und Handelskammer (IHK) gemeldet werden.

Nach der Einigung mit dem Arbeitgeber ist es spätestens jetzt an der Zeit, sich um konkrete organisatorische Dinge für euren internationalen Ausbildungsausflug zu kümmern, z. B. die Finanzierung.

Wie kann ich meine Reise finanzieren?

Für einen Auslandsaufenthalt – vor allem für einen, der mehrere Monate andauert – muss oft tief in die Tasche gegriffen werden. Flug, Unterkunft, Freizeitaktivitäten – das alles hat seinen Preis. Allerdings gibt es, ähnlich wie für Studenten, auch für Azubis verschiedene Förderprogramme, die Stipendien und somit finanzielle Unterstützung anbieten. Zwei der bekanntesten Anbieter sind Erasmus+ und AusbildungWeltweit. Die dort angebotenen Stipendien beinhalten sowohl die Reisekosten und die Kosten für Unterkunft als auch mögliche zusätzliche Kosten für ein Visum, einen Sprachkurs oder Ähnliches. Das Geld erhaltet in der Regel nicht ihr, sondern euer Ausbildungsbetrieb. Dieser stellt euch das Geld dann entweder direkt zur Verfügung oder er bucht für euch einen Flug und eine Unterkunft.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, die Reise aus eigener Tasche zu finanzieren. Da das Praktikum im Rahmen einer Berufsausbildung absolviert wird, erhaltet ihr auch während des Auslandsaufenthaltes eure Ausbildungsvergütung. Die genannten Förderprogramme können euch möglicherweise auch bei einem weiteren zentralen Punkt der Vorbereitung unterstützen – der Suche nach einem Praktikumsplatz.

Wie finde ich einen Praktikumsplatz im Ausland?

Häufig bieten Ausbildungsbetriebe schon Auslandsaufenthalte bei Partnerschulen und -unternehmen im Ausland an. Ist dies der Fall, könnt ihr euch dort über die Bewerbung und mögliche Praktikumsplätze informieren.

Wenn euer Betrieb keine Auslandsaufenthalte anbietet, kann er einen Antrag auf Fördergeld bei einem Programm wie Erasmus+ stellen. Alternativ könnt ihr euch auch für sogenannte Pool-Projekte von Erasmus+ bewerben. Dort können sich Azubis aus verschiedenen Betrieben und Berufsschulen bewerben und finanzielle und organisatorische Unterstützung für ihr Auslandspraktikum erhalten. Wenn ihr euch dafür entscheidet, den Aufenthalt im Ausland mit Erasmus+ zu organisieren, nimmt euch das Programm auf Wunsch die Suche nach einem Praktikumsplatz ab. Organisiert ihr eure Reise mit dem Anbieter AusbildungWeltweit, erhaltet ihr lediglich finanzielle Unterstützung. In diesem Fall müsst ihr euch selbst einen Praktikumsplatz suchen. Inspiration dafür könnt ihr zum Beispiel bei eurem Ausbildungsbetrieb oder bei Freunden und Verwandten suchen.

In einigen Ländern ist das Prinzip des Praktikums allerdings nicht sehr üblich. Es ist daher wichtig, in eurer Bewerbung genau zu erklären, was ihr dort vorhabt. Weiterhin wichtig für die Bewerbung sind ein Lebenslauf und ein Motivationsschreiben. Die Vorstellungsgespräche für den Praktikumsplatz finden in der Regel telefonisch und auf Englisch statt.

Eine Sache, die bei der Suche nach dem passenden Praktikumsplatz nicht ganz unwichtig ist, ist das Land, in das es gehen soll. Fragt euch am besten selbst: Welches Land interessiert euch, wo könntet ihr besonders viel für eure berufliche Zukunft lernen und wo sind ggf. die sprachlichen Hürden am kleinsten? Im Folgenden erfahrt ihr, welche Länder überhaupt infrage kommen.

In welchen Ländern kann ich das Praktikum absolvieren?

Frankreich, Großbritannien oder doch lieber Spanien? Die Auswahl der Zielländer ist schier endlos. Mit Erasmus+ könnt ihr insgesamt 34 Länder bereisen. Dies sind neben den 28 Mitgliedstaaten der EU außerdem Island, Norwegen, Liechtenstein, die Türkei und Nordmazedonien. Seit 2019 zählt auch Serbien zu den möglichen Zielen.

AusbildungWeltweit fördert Aufenthalte in den Ländern, die nicht von Erasmus+ angeboten werden. Länder, für die eine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt ausgesprochen wurde, sind von der Auswahl allerdings ausgeschlossen.

Neben Land und Praktikumsplatz gilt es noch zu klären, wie lange euer Auslandsaufenthalt dauern soll.

Wie lange darf ich im Ausland bleiben?

Laut dem Berufsbildungsgesetzt darf ein Azubi maximal ein Viertel seiner Ausbildungszeit im Ausland verbringen. Bei einer dreijährigen Ausbildung wären das also neun Monate. Der Auslandsaufenthalt kann allerdings auch nur zwei Wochen dauern. Die genauen zeitlichen Begrenzungen variieren je nach Anbieter, beispielsweise bietet das Programm Erasmus+ Aufenthalte von zwei Wochen bis zu zwölf Monaten an. Mit dem Programm AusbildungWeltweit kann das Praktikum zwischen drei Wochen und drei Monaten dauern. Als idealer Zeitpunkt gilt häufig der Zeitraum nach den Zwischenprüfungen.

Nun habt ihr den Großteil der Organisation hinter euch. Allerdings gibt es noch einige Dinge, die ihr auf keinen Fall vergessen solltet.

Was ist ansonsten zu beachten?

Je nachdem, in welchem Land das Praktikum stattfindet und wie gut die eigenen Sprachkenntnisse sind, ist es in vielen Fällen eine gute Idee, vorher einen Sprachkurs zu machen.

Außerdem ist für euren Auslandsaufenthalt in der Regel eine Freistellung von der Berufsschule notwendig. Den Lernstoff, den ihr verpasst, müsst ihr selbstständig nachholen, sobald ihr zurück in Deutschland seid.

Besonders wichtig ist es, vor dem Antritt eurer Reise eure Krankenkasse auf eine Auslandskrankenversicherung anzusprechen, damit ihr auch während eures Praktikumsaufenthalts medizinisch gut abgesichert seid.

Bei einem Aufenthalt von einigen Monaten ist es häufig nicht notwendig, ein Bankkonto im Zielland zu eröffnen. Daher ist es hilfreich, sich eine Kreditkarte zuzulegen, bei der im Ausland möglichst geringe oder sogar gar keine Abhebegebühren anfallen, sodass ihr vor Ort überall und ohne große finanzielle Schmerzen am Geldautomaten (international meist als ATM bezeichnet) an Bares kommt.

Nachdem ihr nun an alles Wichtige gedacht habt, kann es endlich mit eurem Auslandspraktikum losgehen.

Fazit: Lohnt sich ein Auslandspraktikum?

Ein Auslandspraktikum während der Ausbildung stellt euch zunächst vor einige organisatorische Herausforderungen: Wie bezahle ich die Reise? Wo arbeite ich im Ausland? Wo werde ich wohnen? Mit der Unterstützung des Ausbildungsbetriebs und ggf. eines Förderprogramms sind diese Probleme allerdings schnell zu bewältigen. Wenn noch an eine Auslandsversicherung und eine Kreditkarte gedacht ist, kann es losgehen. Die Vorteile sind dabei vielfältig: Im Ausland sammelt ihr verschiedenste Erfahrungen, knüpft neue Kontakte, entwickelt euch persönlich weiter und verschafft euch sogar einen beruflichen Vorsprung. Wenn sich also die Gelegenheit auf ein Auslandspraktikum als Azubi bietet, nutzt die Chance!

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Quellen:

Azubi-mobil.de (IHK)
Bundesinstitut für Berufsbildung
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Deutscher Akademischer Austauschdienst
Deutsche Handwerks Zeitung
Statista
Süddeutsche Zeitung
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