News

Was verdient ein Astronaut? Arbeit und Gehalt im Weltall

Was verdient ein Astronaut? Arbeit und Gehalt im Weltall

Astronaut zu werden ist noch immer der Traum vieler Kinder und Jugendlichen. Nicht zuletzt, da „Astro-Alex“ Alexander Gerst in diesem Jahr auf der Internationalen Raumstation (ISS) tätig ist und die Öffentlichkeit auf seine sympathische Art an seiner Arbeit teilhaben lässt, ist das Thema Raumfahrt wieder in aller Munde. Wie man Astronaut bzw. Astronautin wird, was den Arbeitsalltag ausmacht und ob das Gehalt auch so astronomische Höhen erreicht wie die Raumfahrerinnen und Raumfahrer selbst, darauf gehen wir hier näher ein.

So wird man Astronaut

Zunächst eine kleine Begriffsklärung: Als Astronauten werden lediglich die Raumfahrer der westlichen Hemisphäre (USA, Kanada, Europa und Japan) bezeichnet. Im Einflussgebiet der ehemaligen Sowjetunion (wie auch früher in der DDR) nennt man sie Kosmonauten, in China ist von Taikonauten die Rede. Seit Beginn der bemannten Raumfahrt 1961 sind kaum mehr als 550 Personen ins Weltall geflogen, d. h. haben sich mehr als 100 Kilometer von der Erdoberfläche entfernt. Es ist also eine überschaubare Anzahl an Menschen, die das Privileg hatten und haben, ins All zu reisen. Entsprechend gering ist der Personalbedarf bei den Weltraumbehörden und umso höher sind dafür die Anforderungen an die Bewerber.

Um Astronaut der europäischen Raumfahrtorganisation ESA zu werden, durchlaufen Bewerber einen strenges Auswahlverfahren. An erster Stelle stand im Falle von Alexander Gerst allerdings eine ganz gewöhnliche Online-Bewerbung bei der European Space Agency. Wer in „abgehobener“ Position tätig werden will, muss jedoch eine Menge mitbringen: In jedem Fall benötigt man eine einschlägige akademische Ausbildung und mehrjährige Berufserfahrung auf dem jeweiligen Gebiet.

Chancen auf den Job als Astronaut haben Bewerber mit folgendem beruflichen Hintergrund:

Wenig überraschend: Für den anspruchsvollen Beruf sind einwandfreie körperliche wie geistige Gesundheit und Fitness unverzichtbar. Bewerber müssen dafür ein sogenanntes fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis vorlegen, wie es auch Piloten vorweisen müssen. Ohne technisches Verständnis, wissenschaftliche Fähigkeiten und schnelle Reflexe geht es ebenfalls nicht ins All. Natürlich müssen die Kandidaten stressresistente und soziale Menschen sein, um es auf der mehrmonatigen Mission auf engstem Raum mit den Kollegen auszuhalten. Vorteilhaft ist es, schon vor dem Astronautentraining Erfahrung mit Extremsituationen gesammelt zu haben.

Von fast 8.500 Bewerbern gelang es bei der jüngsten Auswahlrunde lediglich sechs Kandidaten, den begehrten Job bei der ESA zu ergattern – darunter Alexander Gerst. Die erfolgreichen Bewerber können dann relativ sicher damit rechnen, auf eine Weltraummission geschickt zu werden. Doch vor dem Flug ins All steht für die angehenden Astronauten noch ein hartes Training an, bei dem sie immerhin schon ein volles Gehalt beziehen. Mindestens vier Jahre werden die Spezialisten für die Mission ausgebildet, denn an Bord einer Raumstation gibt es keine Hilfe von außen – jeder muss sich bedingungslos auf jeden verlassen können. Daher zählen neben den naturwissenschaftlichen und technischen Fertigkeiten auch praktische medizinische Kenntnisse zu den absolut notwendigen Kompetenzen von Astronauten.

Tätigkeiten an Bord der International Space Station (ISS)

Raumfahrt ist Wissenschaft. Und so besteht der Alltag von Astronauten, die es auf eine Weltraummission geschafft haben, im Wesentlichen aus (natur-)wissenschaftlichen Versuchen. Die Besatzung der ISS unternimmt vor allem Grundlagenforschung, beispielsweise zu den Themen Gravitation, Materialwissenschaft, Pflanzen- oder Kristallzucht, Erdbeobachtungen sowie die Auswirkungen des Weltraumaufenthaltes auf den menschlichen Körper. Rund 40 Experimente von unterschiedlicher Dauer sind Teil der derzeitigen ISS-Expedition 56, die seit Anfang Juni läuft und im Oktober 2018 abgeschlossen sein soll. Alexander Gerst wird übrigens noch länger auf der ISS bleiben und während der Expedition 57, die bis Dezember 2018 andauert, sogar Kommandant der Raumstation. Ein halbes Jahr dauert also sein Aufenthalt im All. Damit ist die Mission natürlich auch eine große persönlich Herausforderung, vor allem für Menschen mit Familie.

Der Arbeitsalltag auf der ISS scheint gar nicht unbedingt hochgradig spannend, denn die zwei bis sechs Forscherinnen und Forscher befinden sich 24 Stunden lang in engen Räumen, während sie, in rund 400 Kilometern Höhe um die Erde kreisend, ihren Versuchen nachgehen. Als besonderes Highlight gelten nach Aussage früherer Astronauten die Mahlzeiten, weil sie Struktur in den Tag bringen – selbst wenn die sprichwörtliche Astronautennahrung nicht gerade kulinarische Hochgenüsse sein mögen. Laut Alexander Gerst ist das Essen allerdings besser als sein Ruf. Natürlich sind viele Dinge an Bord der Raumstation um einiges umständlicher als auf der Erde.

Offiziell arbeitet die ISS-Besatzung übrigens in einer gewöhnlichen Fünf-Tage-Woche ohne Nacht- oder Feiertagszuschläge. Wer frei hat, soll seine Unterkunft aufräumen und säubern. Im Krankheitsfall arbeiten die Astronauten weniger oder gar nicht. Infektionen sollte es aufgrund der mehrwöchigen Quarantäne vor dem Raumflug allerdings so gut wie nie an Bord der ISS geben.

Und was verdienen Raumfahrer dann?

„Kein Mensch macht diesen Job, um Kohle zu verdienen“, sagt Ex-Astronaut Ulrich Walter im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Und in der Tat kann man nicht davon sprechen, dass die Elite-Wissenschaftler große Reichtümer anhäufen. Als Angestellte der ESA fügen sich Astronauten mit ihrem Gehalt in die tarifliche Vergütungsstruktur ein und haben somit keine Option, eine außergewöhnliche Bezahlung auszuhandeln.

Während sie sich in der Ausbildung für ihre Weltraummission befinden, erhalten die Astronautinnen und Astronauten rund 5.000 Euro im Monat – allerdings steuerfrei. Wer wie „Astro-Alex“ einen oder mehrere Raumflüge absolviert hat, bei dem steigt mit der Erfahrung auch das Gehalt auf etwa 9.000 Euro im Monat. Dazu kommen Sonderzahlungen wie eine Gefahrenzulage sowie eine geringe Tagespauschale. Unterkunft und Verpflegung werden schließlich durch den Arbeitgeber gestellt.

Auch die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA zahlt ihren exzellent ausgebildeten Spezialisten im Vergleich zur freien Wirtschaft nicht besonders viel. Die US-Astronauten werden überwiegend aus dem Militär rekrutiert und erhalten entsprechend ähnliche Vergütungen wie aktive Soldaten. Letztlich läuft es auf eine ähnlich hohe (oder niedrige) Bezahlung wie bei den europäischen Raumfahrer hinaus.

Doch ein „astronomisches“ Gehalt erwartet sicherlich auch niemand, der sich für den Einsatz im Weltall begeistern kann. Als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftlicher bringt man in aller Regel eine gehörige Portion Idealismus mit – und wer verfolgt, wie begeistert Astro-Alex uns per Internet an seinem Alltag auf der ISS teilhaben lässt, kann erahnen, dass der Job im Weltraum für manche Menschen ungeheuer erfüllend sein muss.

Das könnte Sie auch interessieren:

Träumen darf erlaubt sein: Arbeiten für die Raumfahrt

Arbeiten auf der Bohrinsel: lange Schichten und hohe Gehälter

Bundeswehr: Was den Soldatenberuf (un-)attraktiv macht

Traumberuf Model? Gehälter und Arbeitsbedingungen auf dem Laufsteg


Quellen:

Bild.de
BR.de
ESA
Focus Online
Karriere.de
Süddeutsche
Welt.de