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Arbeiten auf der Bohrinsel: lange Schichten und hohe Gehälter

Arbeiten auf der Bohrinsel: lange Schichten und hohe Gehälter

Ein Job auf einer Offshore-Plattform ist eine große Herausforderung. Mehrwöchiger Schichtbetrieb, kaum Privatsphäre, harte körperliche Arbeit, eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten – dafür wird auf einer Bohrinsel oft ein beachtliches Gehalt gezahlt. Außerdem gibt es dort eine größere Vielfalt an Jobs, als viele denken würden. Nicht nur Menschen in technischen Berufen sind auf einer Plattform gefragt, um den Betrieb am Laufen zu halten.

Zunächst eine kurze Begriffsklärung: Unter dem, was landläufig als Bohrinsel bezeichnet wird, versteht man unterschiedliche Einrichtungen.

  • Die Bohrplattform oder Bohrinsel im Meer dient dazu, ein Öl- oder Gasvorkommen vor der Küste mithilfe von Bohrungen zu erschließen.
  • Sind keine Bohrarbeiten mehr auf dem sprudelnden Öl- oder Gasfeld notwendig, ersetzt eine reine Förderplattform die Bohrplattform.

Neben den stationären Plattformen, die in verschieden Bauarten eingesetzt werden (fest stehend, schwimmend oder verankert), gibt es noch Bohrschiffe, die mobil sind und von einem Einsatzgebiet zum nächsten fahren.

Bohrinseln und Förderplattformen in der Nordsee

Auch wenn es um einiges aufwendiger ist als an Land, werden auch auf See viele Öl- und Gasvorkommen gefördert. Weltweit gibt es fast 3.000 Bohr- und Förderplattformen, von denen einige die Größe einer kleinen Stadt erreichen können. Mehr als eine Million Menschen haben dort ihren Arbeitsplatz – allerdings nicht alle zur selben Zeit. Vollkommener Einsamkeit ist jedenfalls kein Arbeiter auf hoher See ausgesetzt. Allein in der Nordsee sind knapp 500 Bohrinseln und Förderplattformen aktiv, wo etwa 100.000 Menschen arbeiten. Das dort geförderte Erdgas liefert mehr als die Hälfte des in der Europäischen Union verbrauchten Gases, außerdem kommt ein Viertel des EU-Erdöls aus den Förderstätten unter dem Meer. Die wichtigsten Vorkommen liegen in den Wirtschaftszonen des Vereinigten Königreichs und Norwegens – Norwegen verdankt den ergiebigen Ölvorkommen einen Großteil seines Wohlstandes.

Daneben fördern auch die weiteren Anrainerstaaten Niederlande und Dänemark Öl und Gas. Mit der Mittelplate gibt es außerdem eine deutsche Ölbohr- und Förderinsel in der Nordsee. Betrieben wird die Mittelplate von einer Kooperation zwischen den Unternehmen DEA Group und Wintershall, einer BASF-Tochter. Die Bohr- und Förderinsel vor Büsum besteht seit 1987, von dort aus wurden bereits 30 Millionen Tonnen Öl gefördert. Knapp die gleiche Menge soll laut der DEA Group noch gewonnen werden. Damit ist das Ölfeld das wichtigste Vorkommen der Bundesrepublik, fast 60 Prozent der jährlichen deutschen Förderungsmenge entstammt der Nordsee. Im Gegensatz zu anderen Bohrinseln steht die Mittelplate nicht auf Stelzen, sondern direkt auf dem Meeresgrund des Schleswig-Holsteinischen Wattenmeers und liegt bei Niedrigwasser frei. Um so viele Lagerstätten des Ölfeldes wie möglich zu erschließen, wird ständig weiter gebohrt.

Arbeitsalltag auf einer Plattform

Rau ist die See, rau ist der Job: Wer auf einer Bohrinsel oder Förderplattform wie der Mittelplate arbeiten möchte, muss robust sein. Eine gute physische Verfassung und Schwindelfreiheit sind wichtige Grundvoraussetzungen, denn viele der Jobs beinhalten harte körperliche Arbeit. Zudem herrschen auf der Nordsee immer wieder extreme Wetterbedingungen mit Sturm und Nässe, sodass weniger fitte oder körperlich eingeschränkte Menschen große Schwierigkeiten bei der Bewegung auf der Plattform bekämen. Entsprechend gibt es Altersgrenzen für Arbeitnehmer. Diese liegen meist bei 50 Jahren, bei nicht-körperlichen Tätigkeiten auch höher. Ohne absolvierten Sicherheitskurs darf außerdem niemand auf einer Offshore-Station arbeiten.

Der wohl größte Unterschied im Arbeitsalltag auf Bohrinseln und Förderplattformen zu Tätigkeiten an Land ist der Schichtdienst. In der Regel ist der Betrieb in 12-Stunden-Schichten eingeteilt – gearbeitet wird rund um die Uhr. Da die Arbeiter meistens aufwendig mit dem Hubschrauber oder per Schiff zur Plattform gebracht werden, ist der Arbeitsrhythmus grundsätzlich anders geregelt als an Land. Je nach Unternehmen arbeitet man beispielsweise zwei Wochen am Stück durch, um dann anschließend drei Wochen lang bezahlt frei zu bekommen. Das mag den meisten Arbeitern sehr entgegenkommen, denn die Freizeitmöglichkeiten vor Ort sind begrenzt. Große Plattformen verfügen über Kino, Sporthalle, Sauna und Bar – allerdings ist Alkohol überall verboten.

Neben der Anreise per Helikopter sind auch die Unterkünfte sowie die Verpflegung kostenfrei für das Offshore-Personal. Die Kabinen sind meist gut ausgestattet (Bad, TV, Internet, Reinigungsdienst), dafür muss man sich die Unterkunft manchmal mit einem Kollegen teilen. Privatsphäre hat insgesamt wenig Platz auf den künstlichen Inseln.

Da die Teams sich häufig aus unterschiedlichen Nationen zusammensetzen, ist die Beherrschung der englischen Sprache Pflicht. Nach wie vor sind Bohr- und Förderinseln ausgesprochene Männerdomänen, die Belegschaft besteht meist nur zu einem geringen Teil aus Frauen.

Wer arbeitet eigentlich offshore?

Ausgebildetes technisches Personal bildet das Rückgrat der Besatzung der Öl- und Gasplattformen. Zu den typischen Berufen zählen:

Das technische Personal verfügt meist über langjährige Erfahrung in der Öl- oder Gasindustrie. Aber auch Hilfsarbeiter werden auf den Plattformen benötigt, zum Beispiel als Bohrhelfer.

Da ein Komplex wie die Mittelplate nicht einfach so von außen zugänglich ist und bei Sturm womöglich eine Weile vom Festland abgeschnitten ist, muss er weitgehend unabhängig funktionieren können. Für den reibungslosen Ablauf sind also noch einige weitere Berufe gefragt, die man vielleicht nicht auf einer Offshore-Plattform vermutet hätte, darunter:

Das nichttechnische Personal wird von Dienstleistern gestellt und gehört damit nicht zu den Betreiberfirmen der Plattformen wie DEA, BP, Shell oder Statoil.

Lohnen sich die Strapazen? Gehälter auf Bohrinseln und Förderplattformen

Das entbehrungsreiche Leben mit langen Schichten an abgelegenen Orten zahlt sich finanziell aus, denn Offshore-Arbeiter verdienen bis zu dreimal so viel wie ihre Kollegen an Land. Einige Beispielgehälter, wie sie auf Öl- und Gasplattformen gezahlt werden:

  • Hilfskräfte: 30.000 bis 42.000 € / Jahr
  • Einstieg für Fachkräfte: 64.000 € / Jahr
  • Ingenieure: 84.000 € / Jahr

Besonders gut verdient man bei den norwegischen Firmen: Hier können sogar Köche ein Jahreseinkommen von rund 50.000 € erzielen. Die freie Unterkunft und Verpflegung während eines großen Teils des Arbeitsjahres sowie die kostenlose Anreise lassen das Gehalt indirekt noch steigen.

Bis auf Weiteres können die Stellen auf den Offshore-Plattformen als krisensicher gelten, denn hohe Preise für Öl und Gas machen die aufwendige Förderung auf hoher See weiterhin attraktiv. Ob die Energiewende und ein damit einhergehender sinkender Verbrauch fossiler Brennstoffe daran etwas ändern wird, bleibt abzuwarten.

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Quellen:

BILD
DEA Group
EDP Solutions
Statista
Welt Online
Wintershall AG