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Alkoholprobleme auf der Arbeit – Was können Vorgesetzte für ihre Mitarbeiter tun?

Alkoholmissbrauch am Arbeitsplatz ist schon längst keine Seltenheit mehr. Im Durchschnitt sind fünf von hundert Mitarbeitern in einem Betrieb alkoholabhängig und weitere fünf Beschäftigte gefährdet. Die Gründe für die zunehmenden Alkoholprobleme im Job sind häufig Dauerstress und das Gefühl der Überforderung. So wird versucht, mittels Alkohol zu entspannen und Probleme besser zu bewältigen. Zudem wird Alkohol als Belohnung eingesetzt: Ein stressiger Arbeitstag ist geschafft, eine Aufgabe wurde gemeistert und belohnt wird sich dann mit einem alkoholischen Getränk.

Folgen von Alkoholmissbrauch am Arbeitsplatz

Wie Untersuchungen belegen konnten, wirkt sich bereits 0,2 Promille bis 0,3 Promille negativ auf folgende Fähigkeiten aus:

➤ Gedächtnisleistung

➤ Konzentrationsfähigkeit

➤ Reaktionszeit

➤ Sehvermögen

➤ Aufmerksamkeit

➤ Gleichgewichtssinn

Ab 0,5 Promille erhöht sich die Unfallgefahr um das Doppelte. Zudem kommt es mit steigenden Blutalkoholwerten zu immer mehr Fehleinschätzungen. Somit ist je nach Tätigkeit die Sicherheit nicht mehr gegeben und ein reibungsloser Arbeitsablauf ist ebenso kaum möglich.
Nun stehen im Bezug auf Arbeitsschutz nicht nur die Vorgesetzten in der Verantwortung, sondern ebenso jeder Arbeitnehmer. Im BGV A1 (Berufsgenossenschaftliche Vorschriften – Grundsätze der Prävention) § 15 Absatz 2 ist dies zu lesen: „Versicherte dürfen sich durch den Konsum von Alkohol, Drogen oder anderen berauschenden Mitteln nicht in einen Zustand versetzen, durch den sie sich selbst oder andere gefährden können“.
Wer jedoch bereits ein Alkoholproblem hat oder stark gefährdet ist, in die Alkoholabhängigkeit zu rutschen, der benötigt Hilfe. Suchtkrankheiten sind selten alleine zu bewältigen und hier ist der Arbeitgeber gefragt, der laut Arbeitsschutzgesetz gewisse Grundpflichten zu erfüllen hat.

Arbeitsschutzgesetz – Gesundheitsförderung im Unternehmen

Im Arbeitsschutzgesetz sind unter § 3 die Grundpflichten des Arbeitgebers verankert. Absatz 1 lautet: „Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. (...) Dabei hat er eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben.“
Vorgesetzte sind somit verpflichtet, den alkoholsüchtigen Mitarbeiter auf dieses Problem anzusprechen. Häufig wird das Alkoholproblem eines Beschäftigten ignoriert und zwar solange, bis die Sicherheit stark gefährdet ist. Ignorieren verschlimmert jedoch das Problem, weil eine alternative Lösung nicht angeboten wird und für die Betroffenen nicht zur Verfügung steht.
Nun kann ein Vorgesetzter weder Therapeut noch Arzt ersetzen. Er sollte jedoch seine Fürsorgepflicht ernst nehmen und zunächst dokumentieren, welche Auffälligkeiten im Sozial- und Arbeitsverhalten beobachtet werden konnten.
Jetzt muss ein erstes Gespräch mit dem Mitarbeiter folgen und dazu sollten nicht nur die dokumentieren Auffälligkeiten bereitliegen, sondern ebenso eine Liste mit internen und externen Beratungsstellen.

Fürsorgegespräch mit Angebot zur Unterstützung

Für dieses Erstgespräch sollten einige Dinge beachtet werden:

➤ Bedeutend für den Verlauf des Gespräches ist es, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Das beinhaltet unter anderem, auf Vorwürfe, Moralpredigten oder Unterstellungen zu verzichten.

➤ Anhand der dokumentierten Beobachtungen können die Tatsachen angesprochen werden. Hier sollten Interpretationen unterlassen werden, sondern lediglich sachlich die Beobachtungen mitgeteilt werden.

➤ Der Vorgesetzte sollte zum Ausdruck bringen, dass er den Mitarbeiter schätzt und sich Sorgen um die Gesundheit macht.

➤ Ebenfalls ist auszusprechen, dass der Vorgesetzte aufgrund seiner Fürsorgepflicht handeln muss und deshalb nun Veränderungen notwendig werden.

In diesem Gespräch sollte aufgezeigt werden, welche Folgen sich durch das Alkoholproblem ergeben können – sowohl für den betroffenen Mitarbeiter (z.B. Abmahnung oder sogar Kündigung), als auch für den Betrieb (Arbeitsablauf, Arbeitsergebnisse, Sicherheit u.a.). Dem Mitarbeiter werden Hilfeangebote unterbreitet, die aus interner Hilfe und externer Hilfe bestehen. Für die interne Unterstützung sollte bereits im Rahmen der Suchtprävention mindestens ein Mitarbeiter zum betrieblichen Suchtbeauftragen ausgebildet worden sein. Dieser ist Ansprechpartner für den Betroffenen. Für die externe Hilfe hat der Vorgesetzte vor dem Gespräch eine Liste mit Beratungsstellen vorbereitet, die dem Mitarbeiter ausgehändigt wird. Nun werden konkrete Absprachen getroffen: Was soll sich bis zu welchem Zeitpunkt ändern? Dies wird schriftlich vermerkt. Ein Rückmeldegespräch sollte nach vier bis sechs Wochen stattfinden. Der Termin für dieses nächste Gespräch wird am Ende des Fürsorgegespräches festgelegt.

Rückmeldegespräch

In diesem Gespräch wird sich über die Fortschritte der vereinbarten Veränderungen ausgetauscht. Bei einem positiven Verlauf werden weitere Vereinbarungen getroffen und erneut ein Rückmeldegespräch festgelegt.
Es ist aber durchaus möglich, dass der Mitarbeiter zwar im ersten Gespräch den Vereinbarungen zugestimmt aber nicht umgesetzt hat. Überzeugungsarbeit hilft nicht weiter. Der Vorgesetzte sollte nochmals deutlich zum Ausdruck bringen, dass es ihm um die Gesundheit und die weitere Arbeitsfähigkeit des Mitarbeiters geht und dass Stufengespräche folgen, bei denen weitere Personen hinzugezogen werden, falls sich an den beobachteten Verhaltensauffälligkeiten nichts ändert. Auch bei einer negativen Entwicklung werden dem Mitarbeiter Unterstützungsmöglichkeiten aufgezeigt. Dennoch muss dem alkoholabhängigen Beschäftigten freundlich aber bestimmt gesagt werden, dass es mittelfristig oder langfristig zu Folgen wie Abmahnung oder Kündigung kommen kann.

Suchtprävention im Unternehmen

Angebote für suchtgefährdete oder suchtkranke Beschäftigte sind meistens in großen Unternehmen zu finden und auch dort nicht in jedem Betrieb. Dabei können Vorsorgemaßnahmen in allen Unternehmen getroffen werden, zu denen diese gehören:

➤ Führungskräfte sollten für das Thema Sucht am Arbeitsplatz sensibilisiert werden und das ist mit einem Seminar möglich. Hier lernen Vorgesetzte zum einen, wie eine Alkoholsucht in den Anfängen erkannt werden kann. Somit kann früh genug eingegriffen werden, um eine positive Wende herbeizuführen.

➤ In jedem Betrieb sollte ein Mitarbeiter zum Suchtbeauftragten ausgebildet werden, damit ein interner Ansprechpartner für Suchtkranke zur Verfügung steht.

➤ Im Unternehmen sollte ein Stufenplan eingeführt und ausgearbeitet werden, der den Umgang mit auffällig gewordenen Mitarbeitern regelt.

➤ Das Suchtthema geht alle Mitarbeiter etwas an, denn auch Kollegen können sensibilisiert werden, um eine beginnende Alkoholsucht zu erkennen. Dazu bietet sich ein Aktionstag für alle Mitarbeiter des Unternehmens an.

➤ Da sich eine Alkoholsucht am Arbeitsplatz häufig durch Überforderung oder Dauerstress entwickelt, ist ein Gesundheitsmanagement empfehlenswert.

Weiterführende Infos zum Thema:

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