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Agentur vs. Unternehmen: Gehalt, Arbeitszeiten, Kultur und Co.

Agentur vs. Unternehmen: Gehalt, Arbeitszeiten, Kultur und Co.

Wenn spätnachts in Büroräumen noch Licht brennt, dann ist entweder das Reinigungsteam unterwegs oder es handelt sich um eine Agentur. So weit das Klischee zum Arbeitsalltag bei den (Medien-)Dienstleistern. Wieviel Wahrheit hinter diesem Stereotyp steckt, was das Arbeiten in einer Agentur charakterisiert, wo die größten Unterschiede im Vergleich zu anderen Unternehmen liegen und ob Agentur bzw. Unternehmen typische Arbeitgeber für eine bestimmte Karrierephase sind, schauen wir uns hier einmal etwas genauer an.

Karrierepfade: Erst Agentur, dann Unternehmen?

Berufseinstieg in der Agentur, Karriere dann im Unternehmen: Diesen Weg gehen viele junge Leute aus der Kommunikationsbranche, wo Agenturen eine weit verbreitete Arbeitgeberform sind, wie z. B.:

  • Werbeagenturen
  • PR-Agenturen
  • Design-Agenturen
  • Digitalagenturen

Dabei ist es jedoch sinnvoll, zwischen zwei zentralen Gruppen zu unterscheiden, die den Kern der Belegschaft einer jeden Agentur aus dem Kommunikationsumfeld bilden: Kreative (Grafiker, Designer, Texter und Co.) und Berater (häufig auch als Account Manager oder Kontakter bezeichnet), die hauptsächlich aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich rekrutiert werden.

In Bezug auf den oben skizzierten Karriereverlauf lohnt sich besonders der Blick auf die Letztgenannten. Ein großer Teil der in Agenturen ins Berufsleben startenden Berater wechselt nach ein paar Jahren in ein Unternehmen, bevorzugt in eins, das Kunde bei der eigenen Agentur war. Das hat mehrere Vorteile – für beide Seiten. Der Arbeitnehmer ist bereits gut mit dem Produkt des neuen Arbeitgebers vertraut und er weiß, auf welches Thema er sich einlässt, sodass die Einarbeitungszeit sinkt.

Auch auf persönlicher Ebene weiß man, woran man ist. Charakter und Arbeitsweise des neuen Mitarbeiters sind bekannt und dieser kennt bereits ein paar neue Kollegen und kann durch die enge Zusammenarbeit sowie Besuche vor Ort die Arbeitsatmosphäre und Strukturen des neuen Arbeitgebers einschätzen. Und auch in Unternehmen, die nicht zum Kundenkreis des vorherigen Agenturarbeitgebers gehörten, sind ehemalige Agenturleute gern gesehen. Häufig haben diese durch die Arbeit mit verschiedenen Kunden vielfältige Erfahrungen gemacht und im Agenturalltag ihre Belastbarkeit unter Beweis gestellt.

Etwas anders ist die Situation bei den Kreativen. Hier gehen am ehesten noch Grafiker den Weg ins Unternehmen, da einige der Firmen Gestaltungsaufgaben intern erledigen und dafür einen Hausgrafiker einstellen. Text-Aufgaben werden meist an externe Dienstleister vergeben, also Agenturen oder Freiberufler, oder durch die Marketing-Mitarbeiter selbst erledigt – Qualitätseinbußen inklusive. Nur wenige (große) Unternehmen leisten sich eine eigene Abteilung, in der alle Marketing- und Werbemaßnahmen selbst erarbeitet werden, sogenannte Inhouse-Agenturen. Insgesamt verbleiben Kreative, teilweise vielleicht auch mangels Alternativen, länger im Agenturkosmos als Berater. Wer nicht dauerhaft in einer Agentur angestellt bleibt, macht sich entweder (als Freiberufler) selbstständig oder wechselt nicht selten nochmal in einen anderen beruflichen Bereich.

Kreativität ist Agentursache

Auch in Unternehmen gibt es zwar Gestaltungsspielraum, vor allem in Start-ups, die in den letzten Jahren quasi einen eigenen Firmentyp herausgebildet haben. Viele der klassischen Unternehmen holen sich jedoch speziell in Sachen (kreativer) Werbe- und Marketingmaßnahmen häufig Unterstützung durch externe Dienstleister wie Agenturen. Dieser Punkt macht Agenturen gerade für junge Kreative interessant, die voller Energie und Ideen ins Berufsleben starten und hier die Gelegenheit bekommen, sich kreativ auszutoben und Dinge auszuprobieren. Für viele dieser sogenannten Young Professionals sind Agenturen daher ein passender Arbeitgeber. Dabei genießen sie die Annehmlichkeiten, die das Agenturleben mit sich bringt, nehmen aber auch deren negative Konsequenzen in Kauf.

Arbeitsatmosphäre und Firmenkultur

In Agenturen geht es meist etwas lockerer zu als an vielen anderen Arbeitsstätten. Hier duzt jeder jeden, also auch der Praktikant die Geschäftsführerin oder die junge Azubine den erfahrenen Kollegen, der schon kurz vor der Rente steht. Allerdings sind ältere Angestellte in Agenturen eher selten. In den meisten Fällen besteht der Großteil der Belegschaft aus jungen Leuten, viele von ihnen noch in den ersten Jahren ihrer Berufstätigkeit. Man baut darauf, dass die jungen Neuzugänge die Prozesse dynamisieren, frische Ideen ins Unternehmen und in die Kundenprojekte bringen und die nötige Energie an den Tag legen, den häufig stressigen Arbeitsalltag zu meistern.

Häufig ist die Hierarchie in Agenturen sehr flach. Auch Praktikanten oder Festangestellte auf Einstiegslevel (sogenannte Junioren) dürfen früh selbstständig arbeiten oder bekommen sogar bereits eigene kleine Projekte. Selbstverständlich gibt es auch hier Vorgesetzte, die die Arbeitsergebnisse der unteren Ebenen beurteilen und letztendlich die Verantwortung übernehmen, aber insgesamt sind die Strukturen und Abläufe deutlich weniger strikt und starr als in vielen Unternehmen, speziell im Vergleich zu großen Konzernen. Zudem ist ein Aufstieg häufig deutlich schneller möglich als in Unternehmen. Dabei kommt es weit weniger auf die Dauer der Firmenzugehörigkeit an, sondern eher auf Leistung, Einsatz und Ergebnisse. Das Netzwerk, das in Unternehmen für die Karriere oft wichtiger ist als die Leistung, spielt allerdings auch in Agenturen eine Rolle.

Das insgesamt sehr junge Arbeitsumfeld in Agenturen zeigt sich auch an Dingen wie dem obligatorischen Agentur-Kicker, regelmäßigen Agenturfeiern oder einfach auch nur beim weitverbreiteten Feierabendbier in den Agenturräumen. Dass sich dabei Freizeit und Arbeit häufig vermischen, liegt nahe. Ob während der Überstunden ein Bier getrunken oder beim Feierabendgetränk über die Arbeit gesprochen wird, ist dabei nicht immer eindeutig voneinander zu unterscheiden. Beides sorgt jedoch dafür, dass man sehr viel Zeit mit seinen Kollegen und Kolleginnen verbringt. Häufig setzt sich dieses enge Verhältnis auch außerhalb der Büroräume in der Freizeit fort – schließlich haben alle ähnliche Arbeitszeiten und meist auch mehr Verständnis dafür, wenn kurzfristig mal eine Verabredung abgesagt werden muss, weil ein nahender Abgabetermin zu Überstunden führt.

Das große Thema Arbeitszeit

Als Angestellter in einer Agentur ist man immer Dienstleister, also Auftragnehmer, der stets die Aufgabe hat, den Ansprüchen und Wünschen des Auftraggebers gerecht zu werden. Damit geht häufig ein gewisser Druck einher, beauftragte Arbeiten bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigen zu müssen. Diese sogenannten Deadlines sorgen für einen straffen Zeitplan, der häufig dazu führt, dass Agenturmitarbeiter zahlreiche Überstunden machen müssen, um rechtzeitig mit ihrer Arbeit fertig zu werden.

Mitunter liegt das daran, dass Aufwände falsch kalkuliert sind, entweder durch Fehleinschätzungen oder um die Kosten niedrig und damit wettbewerbsfähig zu halten. In letzterem Fall werden also Überstunden bewusst mit einkalkuliert, die in den meisten Fällen weder bezahlt, noch durch Freizeit ausgeglichen werden. Sie sind in der Regel mit dem Grundgehalt abgegolten. Derartige – rechtlich meist unwirksame – Regelungen finden sich zwar auch in anderen Unternehmen, allerdings gibt es dort im Schnitt deutlich häufiger Gewerkschaften, Betriebs- oder Personalräte, die darauf achten, dass Arbeitnehmerinteressen berücksichtigt und Arbeitnehmerrechte eingehalten werden. Solch regulierende Organe gibt es in Agenturen nur in Ausnahmefällen. Auf der anderen Seite ist auch klar: Gerade wenn es um kreative Arbeiten geht, also z. B. Ideen für Werbemaßnahmen entwickelt werden müssen, ist eine genaue Vorausplanung häufig schwierig. Kreativität entsteht nun einmal nicht auf Knopfdruck.

Immer wieder sind Überstunden aber auch selbstverschuldet: Wer erst um 10 oder 11 Uhr im Büro auftaucht, dann nach der einstündigen Kontaktpflege in sozialen Netzwerken erst einmal ein bisschen kickert, um in Schwung zu kommen, darf sich nicht wundern, wenn die Aufgaben nicht innerhalb der regulären Arbeitszeit geschafft werden. Manch einer möchte es aber auch gar nicht anders. Diese Arbeitsweise gehört für diese Mitarbeiter auch zum Flair, das viele Agenturen umweht, zum Hipness-Faktor, der Agenturen für sie als Arbeitgeber interessant macht. Und schließlich ist es manchem Agenturmenschen auch wichtig, sich mit ausufernden Arbeitszeiten zu schmücken. Über späte Abende im Büro sollte man sich dann selbstverständlich nicht beschweren.

Verdienst: Wo wird besser bezahlt?

Ein weiterer Punkt, der beim Unterschied zwischen Agentur und Unternehmen thematisiert werden muss, ist das Gehalt. Dem Klischee nach bezahlen Agenturen ihre Mitarbeiter eher schlecht. Man sollte da jedoch differenzieren. Besonders im Einsteigerbereich sind die Löhne tatsächlich meist niedrig. Junge Kreative wie Junior-Texter, Grafiker oder Designer starten nicht selten mit einem monatlichen Bruttogehalt unter 2.000 €, auch mit abgeschlossenem Studium. Ein wenig besser sieht die Lage für Berater in Agenturen aus, auch wenn diese ebenfalls schlechter verdienen als vergleichbare Positionen in Unternehmen.

Die erwähnten schnellen Aufstiegsmöglichkeiten können dann aber auch zu einem schneller steigenden Gehalt führen. Finanziell lukrativ und im Vergleich zu Unternehmen wettbewerbsfähig sind die Agenturgehälter bei den Führungspositionen. Ein Creative Director kann durchaus auf ein hohes fünfstelliges oder gar ein sechsstelliges Jahresgehalt kommen. Geschäftsführergehälter liegen im Schnitt über 100.000 € im Jahr, können, je nach Größe der Agentur und Erfolgsbilanz, auch noch deutlich steigen. Die Abhängigkeit der Einkommenshöhe von der Größe der Agentur zieht sich übrigens durch die gesamte Branche. Die Tendenz ist die gleiche wie in Unternehmen auch: Je mehr Mitarbeiter ein Arbeitgeber hat, desto höher sind im Schnitt die Gehälter.

Hier noch ein Tipp für Interessierte, die bei diesem Thema weiter in die Tiefe gehen möchten: Die Kollegen von GEHALT.de haben gemeinsam mit dem Fachblatt W&V sowie Designerdock eine umfangreiche Studie zur Bezahlung in der Werbebranche erstellt.

Zusammenfassung und Ausblick

Abschließend lässt sich sagen: Die Unterschiede zwischen Agentur und Unternehmen scheinen kleiner zu werden. Die große wilde Zeit der Agenturen, die viele Klischees gebildet und teilweise fast eine Art Mythos um Agenturen begründet hat, ist längst vorbei. Heute haben viele Agenturen mit Nachwuchssorgen zu kämpfen.

Das hat unterschiedliche Ursachen. Die heutigen Berufsanfänger und jungen Arbeitnehmer, die der sogenannten Generation Y angehören, haben inzwischen andere Erwartungen an ihre Arbeitsstelle. Sicherheit und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Freizeit („Work-Life-Balance“) sind für die sogenannten Millennials bereits in jungen Jahren wichtiger als für vorherige Generationen. Darauf zumindest deuten zahlreiche Umfragen hin.

Die Agenturen sind also gezwungen, ihre Arbeitsbedingungen zu überdenken, wenn sie im Wettbewerb um junge Talente ein Wörtchen mitreden möchten. Denn neben klassischen Unternehmen, die sich wiederum in vielen Fällen inzwischen eher verjüngt und weniger hierarchisch aufstellen, sind nun auch Start-ups und Tech-Firmen wie Google, Facebook und Co. zu Konkurrenten um die Besten geworden. So sind heute die Grenzen zwischen der Arbeit in der Agentur und der im Unternehmen deutlich schwerer zu ziehen – zumal es auch agenturähnliche Abteilungen in großen Firmen sowie große Agentur-Netzwerke gibt, die sich teilweise wie Großkonzerne anfühlen.

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Quellen:

Gehalt.de
Horizont.de
Page Online
Spiegel Online
W&V