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Flaschenpost: Gehalt, Karriere & Jobs beim Getränkelieferdienst

Ein Mitarbeiter stapelt Coca-Cola-Kisten in einem Getränke-Lager.

Einen Kasten Mineralwasser oder einige Flaschen Wein online bestellen und nur kurze Zeit später bequem an der eigenen Haustür entgegennehmen: Durch den Getränkelieferdienst Flaschenpost ist das mittlerweile problemlos möglich und weit verbreitet. Mit dem erwähnten Geschäftsmodell hat sich die Firma binnen kürzester Zeit zu einem prominenten Lieferservice für Konsumgüter aufgeschwungen.

Mehr als 100 deutsche Städte und ein Liefergebiet von mehr als 10.000 Quadratkilometer hat Flaschenpost bereits auf diese Weise erschlossen – Tendenz steigend. Der jährliche Gesamtumsatz liegt bei geschätzten 200 Millionen Euro. Kein Wunder, denn eigenen Angaben zufolge verzeichnet das Unternehmen jährlich mehr als sieben Millionen Bestellungen. Entsprechend weit verzweigt ist das firmeneigene Logistiknetzwerk, der Warenbestand wird deutschlandweit an mehr als 30 Standorten gelagert.

Bis zu 400 Mitarbeiter arbeiten an einem solchen Logistikstandort, die Gesamtbelegschaft ist inzwischen auf ungefähr 8.000 Beschäftigte angewachsen. Wir haben uns deswegen Flaschenpost als Arbeitgeber genauer angesehen: Welche Dienstleistungen bietet das Unternehmen an? Welche Berufe gibt es bei Flaschenpost? Und wie sieht es mit den Gehältern und Arbeitsbedingungen aus? Diese Fragen klären wir in diesem Artikel.

Getränkekisten schleppen war gestern: So funktioniert Flaschenpost

Beim Kauf von Lebensmitteln kommt es nicht nur auf Qualität und Marke an, sondern auch auf Bequemlichkeit. Dass Konsumenten bereit sind, dafür in die Tasche zu greifen, ist im Zeitalter von Lieferando und Gorillas kein Geheimnis mehr. Das gilt umso mehr für Getränke, denn kauft man mehr als nur einige Flaschen, sind diese nicht nur sperrig, sondern auch ausgesprochen schwer.

Wer auf das mühselige Tragen verzichten möchte, kann bei Flaschenpost beinahe jedes erdenkliche Getränk entweder via Website oder App bestellen, ganz gleich ob Mineralwasser, Säfte, Bier oder Milch. Buchungen sind Montag bis Samstag und ab einem Mindestbestellwert von 20 Euro möglich. Was das Unternehmen von herkömmlichen Bestelldienstleistern wie dem REWE Lieferservice abhebt: Flaschenpost garantiert eine Lieferung innerhalb von zwei Stunden. Die Preise sind vergleichbar mit einem Kauf im Supermarkt, einen Aufschlag für den Transport gibt es nicht. Zusätzlich bietet Flaschenpost die Mitnahme von Leergut an. Um die Ware in so kurzer Zeit zum Kunden zu bringen, wird auf einen Algorithmus zurückgegriffen, der die Nachfrage pro Region anhand früherer Bestellungen präzise vorhersagen kann – so sind im jeweiligen Lager stets genügend Getränke vorhanden.

Während manche Konzerne viele Jahrzehnte brauchen, um es ganz nach oben zu schaffen, hat Flaschenpost diesen Aufstieg im Zeitraffer vollzogen. Die offizielle Gründung erfolgt im Jahr 2012, eine erste Testphase führt zu unerwartet hoher Nachfrage und Lieferengpässen, weswegen das Projekt vorübergehend eingestellt wird. Flaschenpost in seiner heutigen Form gibt es erst seit 2016; innerhalb von wenigen Jahren etabliert sich das Unternehmen auf dem Markt. Nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie kommt es zu einem weiteren explosionsartigen Geschäftszuwachs, denn plötzlich gibt es weit mehr Menschen, die persönliche Besuche im stationären Einzelhandel reduzieren möchten.

Ende 2020 wird Flaschenpost dann von der zu Dr. Oetker gehörenden Radeberger Gruppe erworben. Angeblich soll der Kaufpreis fast eine Milliarde Euro betragen, wobei einzelne Brancheninsider von einer niedrigeren Summe ausgehen. Im Zuge der Übernahme fusioniert Flaschenpost mit dem Oetker-Getränkelieferdienst Durstexpress. Mehr als 150.000 Kisten liefert der Branchenriese aktuell jeden Tag aus; mittlerweile hat Flaschenpost sein Sortiment erweitert und bietet auch nicht-verderbliche Lebensmittel und Haushaltswaren wie Nudeln oder Toilettenpapier an.

Jobs und Gehälter bei Flaschenpost

Der Großteil aller Flaschenpost-Beschäftigten ist direkt an der Lagerung und Auslieferung der Getränke beteiligt. Auslieferungsfahrer sind in kleinen Lieferwagen unterwegs und bringen die Ware schnellstmöglich direkt zum Kunden, zusätzlich nehmen sie Pfandflaschen mit zurück ins Lager. Dort arbeiten dann vor allem Lageristen: Sie stellen alle Aufträge für die Fahrer bereit. Hier kommt es dann auch auf körperliche Kraft an, denn ihre Hauptaufgabe ist das Tragen von Getränkekisten. Das gilt indes auch für Fahrer, denn Teil des Flaschenpost-Modells ist der Transport der Getränke bis zum Kunden, ganz gleich ob dieser im Erdgeschoss oder im fünften Stock wohnt.

Für beide Jobs müssen keine gesonderten Ausbildungsvoraussetzungen mitgebracht werden, wobei Auslieferungsfahrer mindestens einen Führerschein der Klasse B benötigen. Dementsprechend beliebt ist die Tätigkeit als Nebenjob, etwa für Studierende. Flaschenpost bietet hierzu verschiedene Arbeitszeitmodelle an, Beschäftigte können sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit arbeiten. Eine Anstellung als Minijob oder Midijob ist weit verbreitet. Standorte, wo sich Interessierte bewerben können, gibt es in ganz Deutschland, vor allem in Nordrhein-Westfalen.

Das Unternehmen wirbt mit flexiblen Arbeitszeiten, nach sechs Monaten sowie nach weiteren anderthalb Jahren Beschäftigung wird zudem eine Stundenlohnerhöhung von jeweils 40 Cent garantiert. Drittquellen zufolge liegt das Einstiegsgehalt je nach Standort zwischen 10 und 11 Euro pro Stunde, dank eines leistungsbasierten Zuschlags soll dieser Wert auf einen Stundenlohn von bis zu 14,20 Euro ansteigen können – plus Trinkgeld. Berichten zufolge ist dies zumeist jedoch nicht realistisch, nur die schnellsten fünf Prozent aller Fahrer sollen diesen Spitzenwert erreichen können. Für Lageristen fällt der Bonus zudem etwas geringer aus.

Besser bezahlt werden im Logistikbereich hingegen Schichtleiter, Teamleiter und Regionalleiter, hierfür muss dann aber auch eine entsprechende Ausbildung samt relevanter Berufserfahrung mitgebracht werden. Flaschenpost bildet selbst keine Mitarbeiter aus, daher werden regelmäßig Stellenanzeigen für externe Bewerber online gestellt. Höhere Löhne können zudem Mitarbeiter in der Firmenzentrale in Münster erwarten, wo alle Geschäftsprozesse organisiert werden. Jobs gibt es in zahlreichen Unternehmensbereichen, dazu zählen etwa:

  • Business Development
  • Corporate Communications
  • Customer Service
  • Finance
  • Human Resources (HR)
  • IT
  • Legal
  • Marketing
  • Procurement
  • Sales

Folgend einige Beispiele für Berufe bei Flaschenpost und dazugehörige Jahresbruttogehälter, die ungefähr zu erwarten sind:

Offene Stellen bei Flaschenpost

Bruttogehalt:
Durchschnittliches Bruttogehalt bei 40 Wochenstunden

Niedrige Löhne, keine Betriebsräte, Mitarbeiterüberwachung: Schwere Vorwürfe gegen Flaschenpost

Auf der eigenen Internetseite gibt sich Flaschenpost als mitarbeiterfreundlicher Arbeitgeber und bezeichnete seine Fahrer gar einst als „Helden“. Inwiefern all dies jedoch der Realität entspricht, daran lassen Medienberichte durchaus zweifeln. Bemängelt wird etwa das Gehaltssystem: Dadurch, dass nur ein geringer Teil der Mitarbeiter volle Bonuszahlungen erreichen kann, bewegt sich der Stundenverdienst für die meisten Fahrer und Lagerarbeiter nur knapp über Mindestlohn. Problematisch ist die Leistungsabrechnung ohnehin, denn diese erfordert eine permanente Dokumentation und Überwachung aller Arbeitsschritte. 2019 wurden Anschuldigungen laut, wonach Flaschenpost seine Mitarbeiter ausspioniere, Angestellte berichteten von ständiger Videoüberwachung in Logistikzentren. Hinzu kommt stetiger Leistungsdruck, denn die Lohnzuschläge richten sich vor allem nach dem Arbeitstempo. Pausenregelungen und Urlaubszeiten sollen gerade noch das gesetzlich vorgeschriebene Minimum einhalten. Darüber hinaus bemängelten Mitarbeiter nicht-klimatisierte Transportfahrzeuge und schmutzige Sanitäranlagen in den Logistikzentren.

Kritisch beäugt wird ebenfalls das flexible, schichtbasierte Arbeitszeitmodell. Garantierte Schichten soll es nämlich nur teilweise bzw. für Teilzeitangestellte bisweilen gar nicht geben, der taz zufolge werden Vollzeitkräften in der Logistik und Auslieferung lediglich 20 Stunden pro Woche zugesichert. Stattdessen tragen sich Mitarbeiter in freie Dienstschichten ein – diese Flexibilität kann für viele Beschäftigte auf geringfügiger Basis vorteilhaft sein, aber wird dann zum Problem, wenn der Job bei Flaschenpost die einzige Einnahmequelle darstellt, insbesondere im Krankheitsfall. Hier vergütet Flaschenpost nämlich nur die garantierten Arbeitsstunden und lässt sich zusätzlich von Arbeitnehmerseite die Entbindung der ärztlichen Schweigepflicht vertraglich zusichern. Üblich ist außerdem, dass der Großteil aller Verträge nur befristet ausgestellt wird. Des Weiteren kam das Unternehmen im Zuge seiner Fusion mit Durstexpress in Verruf, als es beim einstigen Konkurrenten zu Massenentlassungen kam.

Angesichts solcher Kritik wäre eine adäquate Arbeitnehmervertretung wichtig, zumal der Südwestrundfunk Ende 2020 von unbezahlten Überstunden und mangelndem Arbeitsschutz berichtete. Gerade hier machte Flaschenpost allerdings wieder mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam, als das Unternehmen an den Standorten Düsseldorf und Berlin juristisch gegen die Bildung von Betriebsräten vorging. Für manche Mitarbeiter, die sich diesbezüglich engagierten, hatte dies die Kündigung zur Folge. In Anbetracht einer derartigen Menge an Vorwürfen, scheint der schnelle Erfolg von Flaschenpost bisher nicht bei seinen Mitarbeitern angekommen zu sein – hier besteht offenbar noch reichlich Verbesserungsbedarf.

 

Quellen:

Business Insider

Flaschenpost

Getränke News

Kununu

OMR

Südwestrundfunk

Tagesschau

taz

WirtschaftsWoche

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