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Arbeiten in der Lebensmittelindustrie: Jobs, Gehälter und Karrierechancen

Ein Mitarbeiter in der Lebensmittelindustrie führt an einer Produktionsanlage Kontrollen durch.

205 Milliarden Euro wurden in Deutschland letztes Jahr für Lebensmittel ausgegeben. Während lange Zeit noch stark auf den Preis geschaut wurde, zeigen aktuelle Umfragen, dass gerade die Qualität von Nahrung und Getränken zu einem immer wichtigeren Faktor wird – ein untrügliches Zeichen für den Wandel der westlichen Esskultur: Schon lange erfüllt der Konsum von Lebensmitteln nicht mehr nur ein notwendiges physiologisches Bedürfnis, sondern hat sich zu einem essenziellen Faktor für die eigene Lebensqualität entwickelt. Die Frage, ob gutes Essen eine große Rolle im Leben spiele, wird von mehr als 75 Prozent bejaht.

Bis aber eine Tomate oder eine Packung Eier bei uns in der Küche landen, müssen zahlreiche Etappen absolviert werden. Ganz gleich ob bei der Haltbarmachung von Milchprodukten oder der Kreation von Fertiggerichten – die Lebensmittelindustrie dient als Bindeglied zwischen Urproduktion und Endkonsum. Ziel der Verarbeitung landwirtschaftlich erzeugter Rohwaren sind gesunde, schmackhafte und hochwertige Lebensmittel. Sowohl die Lagerung und Konservierung als auch die Zubereitung und Herstellung von Nahrung und Getränken stellen zentrale Aufgaben dar.

Doch mit der Ernährungsindustrie werden auch negative Praktiken assoziiert: Ob Mogelei bei Verpackungsangaben oder Beimischung ungesunder Zusatzstoffe – vielerorts gilt die Lebensmittelproduktion längst als fragwürdiges Feld. Wie ist es also, in der Lebensmittelindustrie zu arbeiten? Welche Berufe gibt es hier überhaupt? Und welche Gehälter werden gezahlt? Wir haben uns die polarisierende Branche genauer angesehen.

Die Lebensmittelindustrie – einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren Deutschlands

Mit knapp 180 Milliarden Jahresumsatz (Stand: 2018) ist die Ernährungsindustrie der viertgrößte Industriezweig Deutschlands und führend in ganz Europa. In mehr als 6.000 Betrieben verdienen insgesamt über 600.000 Arbeitnehmer (manchmal wortwörtlich) ihr Brot und dank knapp 33.000 Auszubildenden ist auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten für personellen Nachwuchs gesorgt.

Fast ein Viertel des Umsatzes wird mit Fleisch und Fleischprodukten erwirtschaftet, während nahezu 30 Prozent aller Beschäftigten mit der Herstellung von Backwaren zu tun haben. Weitere wichtige Säulen der Lebensmittelindustrie sind die Produktion von Süßwaren und Speiseeis, Milch und Milchprodukten, alkoholischen und nicht-alkoholischen Getränken, Obst und Gemüse sowie von Fertiggerichten und Tiernahrung.

Noch immer ist das Geschäft der Lebensmittelverarbeitung mittelständisch geprägt: Etwa 90 Prozent aller Unternehmen sind keineswegs multinationale Großkonzerne, sondern mittlere und kleinere Betriebe, häufig auch familiengeführt. Gleichzeitig ist die gesamte Branche jedoch längst global orientiert: Das Auslandsgeschäft nimmt hierbei eine immer größere Rolle ein, sodass mittlerweile ein Drittel des Umsatzes im Export entsteht, wobei mehr als drei Viertel aller Lebensmittel in andere EU-Länder wie Frankreich oder Italien geliefert werden. Doch gerade Asien ist ein konsum- und kaufstarker Markt mit stetig wachsender Nachfrage – nicht nur deswegen ist die Lebensmittelindustrie ein Wirtschaftszweig mit Zukunft, denn deutsche Nahrungsprodukte haben im Ausland aufgrund ihrer Qualität und Vielfalt einen guten Ruf.

Gammelfleisch, Zusatzstoffe und Etikettenschwindel: Eine Branche in Verruf

Im Gegensatz hierzu wird die Lebensmittelindustrie von einheimischen Konsumenten mit großer Skepsis beäugt. Zahlreiche Skandale und Enthüllungen haben das Image beschädigt, beispielsweise als Mitte der 2000er tonnenweise verdorbenes Fleisch bei Großhändlern entdeckt wurde oder als 2013 nicht deklariertes Pferdefleisch in Tiefkühlkost wie Lasagne nachgewiesen werden konnte.

Daher verwundert es nicht, dass das Vertrauen der Verbraucher in Nahrungsmittelunternehmen stark abgenommen hat: Fast 80 Prozent denken, dass Verpackungsangaben irreführend sind, während lediglich ein Viertel der Meinung ist, dass Lebensmittel ausreichend kontrolliert würden. Nur 9 Prozent aller Käufer glauben den Herstellerangaben.

TV-Dokumentationen wie die ZDF-Produktion „Die Tricks der Lebensmittelindustrie“ haben zusätzlich dazu beigetragen, Verbraucher aufzurütteln. Längst ist bekannt, dass etwa manche Fruchtsäfte tatsächlich nur mit Wasser gestrecktes Konzentrat sind oder bisweilen Milchprodukte mit chemischer Hilfe besonders sahnig gemacht werden. Ob Geschmacksverstärker und künstliche Aromen oder gar verpönte Inhaltsstoffe wie Gelatine oder Glutamat – immer mehr Konsumenten betrachten die Zusammensetzung ihrer Nahrungsmittel kritisch.

Berufe und Gehälter in der Ernährungsindustrie: Diese Tätigkeiten gibt es

Beim Gedanken an einen Beschäftigten in einem Lebensmittelunternehmen kommt vielen sofort das Bild eines Mitarbeiters am Fließband in den Sinn. Zwar existiert diese Arbeit tatsächlich, doch ist die Spannbreite an Berufen in Wirklichkeit selbstverständlich deutlich weiter gestreckt. Tatsächlich arbeitet knapp ein Viertel aller Angestellten im kaufmännischen Bereich und kümmert sich um Belange von Verwaltung, Marketing und Management. Ein Drittel aller Mitarbeiter ist für technische Aspekte zuständig und nur ein weiteres Drittel arbeitet in ernährungstypischen Berufen.

Die Gehälter in der Lebensmittelbranche sind meist fixiert: Das Einkommen von 48 Prozent aller Beschäftigten richtete sich 2017 nach dem Branchentarif, der Verdienst von weiteren 8 Prozent nach einem Haus- oder Firmentarif. Auch wenn es für den Rest auf dem Papier keinen Tarifvertrag gab, so werden nahezu zwei Drittel zumindest indirekt hiervon erfasst, da deren Arbeitgeber sich dennoch an jeweiligen Branchentarifen orientierten.

Die folgenden sind einige verbreitete Berufe innerhalb der Lebensmittelindustrie – und einen derartigen Bruttomonatslohn kann man dort durchschnittlich in etwa erwarten:

 

Darum ist die Verarbeitung von Nahrungsmitteln wichtig

Allen Negativschlagzeilen zum Trotz – ohne eine industrialisierte Lebensmittelbranche funktioniert die Gesellschaft nicht. Viele grundlegende Bestandteile eines Ernährungsplans wie Brot, Nudeln oder Käse sowie zahlreiche Getränkearten sind vom Endverbraucher nur mit großem Aufwand oder gar nicht herstellbar, und selbst tierische Rohstoffe wie Milch und Fleisch werden erst durch eine kompetente Weiterverarbeitung genießbar. Beispielsweise wird frische Kuhmilch von ausgebildeten Milchtechnologen stets homogenisiert – das bedeutet, dass die in der Milch enthaltenen Fettkügelchen zerkleinert und gleichmäßig verteilt werden, damit die Milch besser vom Menschen verdaut werden kann.

Während die Lebensmittelindustrie meist mit der Zugabe von dubiosen Zusatzstoffen assoziiert wird, besteht ein großer Teil ihrer Aufgaben aus der bloßen Lagerung, Kühlung und Reinigung von Nahrungsmitteln. Egal ob Fisch, Obst oder Gemüse – bevor das Essen im Supermarkt landet, wird es zuerst gründlich gesäubert und entkeimt. Ebenso spielt die Konservierung von Lebensmitteln eine essenzielle Rolle: Kaum eine Speise könnte ohne eine entsprechende Behandlung wie Trocknung, Destillation oder Pasteurisierung den natürlichen Fäulnis- und Gärungsprozessen entgehen, bevor sie bei uns auf dem Teller landet – eine Aufgabe, die nur durch entsprechende Fachkräfte für Lebensmitteltechnik erledigt werden kann.

Zuletzt sollen nicht die kulinarischen Bedürfnisse des Endverbrauchers vergessen werden: Ein Leben bei Wasser und Brot ist für kaum jemanden mehr ausreichend, stattdessen verlangen Konsumenten nach Geschmacksreichtum und Abwechslung. Gerade die Entwicklung von neuen Nahrungserzeugnissen ist somit von großer Bedeutung – 40.000 neue Produkte werden jährlich auf den Markt geworfen, doch nur ein kleiner Teil hiervon kann sich auch dauerhaft behaupten. Damit unser Ernährungsplan stetig erweitert und bereichert werden kann, sind kreative Produktentwickler und Food-Designer vonnöten. Diese achten dabei nicht nur auf den Geschmack, sondern auch auf Aussehen, Geruch und sogar auf die beim Verzehr entstehenden Geräusche – nur so wird jede Mahlzeit zu einem zufriedenstellenden Erlebnis für alle Sinne.

Die Lebensmittelindustrie von morgen: Diese Berufe könnten in der Zukunft entstehen

Kaum eine Branche ist so sehr von technologischen Innovationen betroffen wie die Ernährungsindustrie – gerade die Automatisierung bei der Herstellung von Lebensmitteln wird in den nächsten Jahrzehnten zu einem kontinuierlichen Wegfall von Arbeitsplätzen oder gar ganzen Berufsfeldern führen. Gleichzeitig eröffnet dies aber auch Beschäftigungsmöglichkeiten für Produktionstechniker und Prozessingenieure für Maschinen und Roboter. Dass all dies eine notwendige Entwicklung darstellt, ist unbestritten. Gerade eine Erhöhung der Effizienz bei der Nahrungsmittelproduktion ist lebensnotwendig, um einem der größten Probleme dieses Jahrhunderts zu begegnen: Der Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung trotz eines durch Urbanisierung schwindenden ländlichen Raumes.

Wer angesichts steigender Automatisierung glaubt, dass Arbeit in der Lebensmittelindustrie nicht zukunftsträchtig ist, irrt gewaltig: Gerade im Zeitalter aufkeimenden Vegetarismus stellt etwa die Kreation und Herstellung von Fleischersatzprodukten ein immer bedeutenderes Feld dar, in welchem gänzlich neue Jobs entstehen könnten. Neben der Weiterentwicklung bereits existierender Ersatznahrungsmittel auf pflanzlicher Basis könnte vor allem In-vitro-Fleisch (auch Clean Meat genannt) an Bedeutung gewinnen, also die Massenherstellung von Fleisch im Labor auf Basis von Zellkulturen. Bis zur Marktreife dürfte es noch dauern, doch bereits heute gibt es zahlreiche Start-ups und Forschungsinitiativen, welche sich diesem Thema verschrieben haben und erste zufriedenstellende Ergebnisse verzeichnen konnten. Ebenso wird nach Optionen für verzehrbaren Fischersatz geforscht, um der Überfischung der Meere und der Zerstörung maritimer Biosphären entgegenzuwirken. Somit werden Fachkräfte bei der Lebensmittelherstellung auch in Zukunft gefragt sein, lediglich die Umstände der Herstellung dürften sich ändern.

Gleichermaßen könnte die Produktion von Nahrung auf Algenbasis die Tötung von Nutztieren für den Verzehr in Zukunft eindämmen – dies gilt ebenso für die Entwicklung von Lebensmitteln aus proteinreichen Insekten, welche wie Algen kaum Ressourcen und Platz verbrauchen sowie weniger Methan ausstoßen als etwa Rinder und Geflügel. Gerade hier sind dann Biologen, Ingenieure und Food-Designer gefragt, um gangbare Möglichkeiten der Kultivierung solcher Agrarkulturen auszuarbeiten sowie das Endprodukt geschmacklich und optisch ansprechend zu gestalten, damit es vom Verbraucher akzeptiert werden kann.

Auch sogenanntes Vertical Farming – also eine Form der städtischen Landwirtschaft, bei der die Produktion in urbanen Hochhäusern stattfindet – stellt eine zukünftige Lösung dar, um ressourcen- und platzschonend Lebensmittel herzustellen. Zu gleichem Zweck wird schon seit längerer Zeit an Techniken des häuslichen 3D-Lebensmitteldrucks gearbeitet: Was sich auf den ersten Zweck industriell und steril anhört, erlaubt dem Konsumenten in Wirklichkeit größeren Entscheidungsfreiraum darüber, was tatsächlich in das tägliche Abendessen gelangt. Anfangs von der NASA als Projekt für Astronauten initiiert, ist es auf diesem Wege mittlerweile bereits möglich, komplexe Produkte wie Pralinen und Pizzen oder gar vollständige Gerichte herzustellen. Die Verlagerung eines Teils der Lebensmittelproduktion in die eigenen vier Wände könnte zusätzlich Transport und Verpackung ökologischer gestalten.

Somit kann gerade die Lebensmittelindustrie, welche momentan wahrlich nicht für Werte wie Tierschutz, Umweltverträglichkeit und Ressourcenschonung steht, einen zentralen Beitrag zur Bewältigung wichtiger Zukunftsherausforderungen leisten. Durch die Entstehung neuer Arbeitsgebiete sind gerade Tätigkeiten in dieser Branche nicht nur spannend, sondern auch nützlich und zukunftsweisend.

Quellen:

3Dnatives

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V.

EUFIC

Focus

Industrieverband Agrar

Lebensmittelverband Deutschland

Statista

Stern

Welt Online

Wirtschaftswoche

ZDF

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