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Gehaltscheck: Wer verdient wie viel in der Landwirtschaft?

Gehaltscheck: Wer verdient wie viel in der Landwirtschaft?

Viele mag es vielleicht überraschen, doch der Großteil der Fläche Deutschlands (ca. 52%) wird landwirtschaftlich genutzt. Umso erstaunlicher, wie verhältnismäßig klein der Wirtschaftsfaktor Landwirtschaft in Deutschland inzwischen geworden ist. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt beträgt weniger als 1% und die Anzahl der Betriebe sowie der Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten nimmt stetig ab. Waren Anfang des 20 Jahrhunderts noch ca. 80% der Deutschen in der Landwirtschaft beschäftigt, sind es heute weniger als 2%.

Ein immer größer werdender Teil der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wird von immer weniger Betrieben produziert. Kleine Bauernhöfe haben es immer schwerer der großen Konkurrenz und dem Preisdruck des Marktes zu trotzen und jedes Jahr müssen zahlreiche Bauern ihre Betriebe aufgeben.

Das Gehalt als Landwirt

Trotz allem lässt sich in und mit der Landwirtschaft nach wie vor Geld verdienen. Ein Landwirt verdient im Schnitt 2.426 € brutto im Monat. Dieser allgemeine Durchschnittswert ist stark abhängig von einer ganzen Reihe von Faktoren:

  • Selbständig oder angestellt?
    Tendenziell ist der Spielraum in Sachen Gehalt als selbständiger Landwirt deutlich größer. Bei Angestellten hängt das Gehalt auch davon ab, ob der Betrieb tarifgebunden ist.
  • Welche Produkte erzeugt der Betrieb?
    Ob Fleisch, Eier, Getreide, Obst, Gemüse oder andere landwirtschaftliche Erzeugnisse – auch das Produkt hat Einfluss auf die Verdienstmöglichkeiten. Mais- und Rapsanbau hat in den letzten Jahren als Rohstofflieferant für grüne Energie stark an Bedeutung gewonnen und somit der Landwirtschaft eine ganz neue Verdienstmöglichkeit eröffnet.
  • Wie groß ist der Betrieb?
    Allgemein gilt: je größer die Nutzfläche, desto größer auch das Potential für finanziellen Gewinn und damit auch für höheres Einkommen.
  • In welcher Region befindet sich der Betrieb?
    Nicht jedes Bundesland bietet gleich gute Voraussetzungen für die Landwirtschaft. Manche Produkte gedeihen in bestimmten Regionen besser als in anderen, auch generelle lokale Marktpreise oder die Konkurrenzsituation vor Ort sind Faktoren, die für regional unterschiedliche Einkommen in der Landwirtschaft sorgen können.

Die folgende Tabelle zeigt, dass die Landwirt-Gehälter im Schnitt in Bayern und Schleswig-Holstein deutlich höher als z. B. in Hessen oder im Saarland sind.

Verdienst als Landwirt nach Bundesland

Bundesland Ø Verdienst pro Monat
Bayern 2.919 €
Schleswig-Holstein 2.870 €
Thüringen 2.658 €
Brandenburg 2.653 €
Mecklenburg-Vorpommern 2.607 €
NRW 2.500 €
Sachsen-Anhalt 2.468 €
Baden-W. 2.370 €
Sachsen 2.335 €
Niedersachsen 2.330 €
Rheinland Pfalz 2.179 €
Saarland 2.123 €
Hessen 1.977 €

Auffällig sind die, im Vergleich zu vielen anderen Bundesländern, hohen Gehälter in den so genannten neuen Bundesländern. Denn in nahezu allen anderen Berufen liegt das Lohnniveau im Osten der Republik deutlich unter jenem im Westen. Eine valide Erklärung könnte sein, dass die 5 neuen Bundesländer an der Spitze jener Tabelle stehen, die die durchschnittliche Größe der einzelnen Betriebe ausweist. Im Osten Deutschland sind die Betriebe im Schnitt um ein vielfaches größer als im Rest der Republik. Der Grund ist – neben dem Vorhandensein großer Flächen – ein historischer. So gab es in der ehemaligen DDR landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, deren großflächige Strukturen teilweise beibehalten wurden.
Die bayrischen Bauern, die an der Spitze der Einkommenstabelle stehen, erwirtschaften Ihr Einkommen vor allem mit Rindern und Getreide – dem süddeutschen Klima und den saftigen Bergwiesen sei Dank. Die Landwirte aus Niedersachsen hingegen sind bei Geflügel und Schweinen volumenmäßig an der Spitze. Und in Sachen Weinanbau ist Rheinland-Pfalz mit fast zwei Dritteln der deutschen Weinproduktion unangefochtener Tabellenführer.

Typische Berufe in der Landwirtschaft

Neben dem klassischen Landwirt, der seinen Beruf zumeist innerhalb einer dualen Ausbildung erlernt und sich nach dem Abschluss zusätzlich zum Techniker, zum Meister oder zum Fachagrarwirt weiterbilden kann, gibt es in der Landwirtschaft auch eine Reihe anderer Berufsbilder:

Agraringenieur:
Ein Studium der Agrarwissenschaften ist der akademische Weg in die Landwirtschaft oder verwandte Bereiche. Durch die vielfältigen Themen, die innerhalb des Studiums behandelt werden, können Agraringenieure neben der Landwirtschaft auch in der Forschung, Züchtung, Beratung, Fachpresse oder sogar in nichtlandwirtschaftlichen Branchen, wie in Banken oder Versicherungen arbeiten.

Fachkraft für Agrarservice:
Dieser dreijährige duale Ausbildungsberuf befähigt Absolventen zum Führen, Pflegen sowie Instandhalten landwirtschaftlicher Maschinen und vermittelt viel Wissenswertes rund um die Pflanzen eines Betriebes. Wer sein Wissen vertiefen und auch gehaltsmäßig aufsteigen möchte kann eine Weiterbildung zum Agrarservicemeister machen.

Landwirtschaftshelfer:
Für diesen Beruf ist keine spezielle Ausbildung notwendig. Das, was arbeitstechnisch auf dem Feld, in der Scheune oder im Stall anfällt, wird direkt am Arbeitsplatz gezeigt und beigebracht. Bereitschaft zu körperlicher Arbeit ist unverzichtbar.

Molkereifachmann:
Molkereifachleute sind für alles rund um die Milchproduktion zuständig: von den Produktionsanlagen, über die Herstellung von Milchprodukten bis hin zur Einhaltung von Qualitätsstandards. Der Ausbildungsberuf wird aktuell so nicht mehr angeboten, viele Ausbildungsinhalte werden heute in der Ausbildung zum Milchtechnologen vermittelt. Wer sich fortbilden möchte, sollte über eine Weiterbildung zum Molkereimeister oder gar ein Studium der Lebensmitteltechnologie nachdenken.

Molkereimeister:
Neben den Aufgaben der Molkereifachleute bzw. Milchtechnologen kümmern sich Molkereimeister um übergeordnete Themen und übernehmen Führungsaufgaben. Organisatorische, wirtschaftliche und rechtliche Inhalte rund um die Milchwirtschaft sind Bestandteil der Weiterbildung zu diesem Beruf.

Müller:
Der Beruf, der aufgrund der gestiegenen technologischen Anforderungen den Zusatz „Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft“ erhalten hat, ist im Rahmen einer dreijährigen dualen Ausbildung erlernbar. Anschließend ist eine Weiterbildung zum Müllereitechniker oder zum Müllermeister möglich.

Pflanzentechnologe:
Der durch eine dreijährige duale Ausbildung erlernbare Beruf widmet sich ganz der Pflanzenzucht. Dabei sind Pflanzentechnologen sowohl draußen in der Natur, als auch im Gewächshaus und Labor im Einsatz. Auf die Übernahme anspruchsvollerer Aufgaben bereiten die Weiterbildungen zum Techniker oder Meister oder ein Studium vor.

Saatguttechniker:
Alles was mit Saatgut, dessen Herstellung, Verarbeitung und teilweise sogar dessen Vertrieb zu tun hat, fällt in den Aufgabenbereich eines Saatguttechnikers.

Verdienst in typischen Berufen der Landwirtschaft

Was Angehörige der vorgestellten Berufe durchschnittlich verdienen, zeigt folgende Tabelle:

Beruf Ø Verdienst pro Monat
Agraringenieur /-in 3.438 €
Molkereimeister /-in 3.393 €
Saatguttechniker /-in 2.811 €
Pflanzentechnologe /-in 2.740 €
Müller /-in 2.678 €
Molkereifachmann /-frau 2.657 €
Fachkraft für Agrarservice 1.930 €
Landwirtschaftshelfer /-in 1.755 €

Tierische Berufe in der Landwirtschaft

Neben den oben erwähnten Agrar-Berufen, gibt es in der Landwirtschaft auch einige, die sich auf die Arbeit mit Tieren fokussieren:

  • Fischwirt: Ihr Einsatzgebiet innerhalb der Landwirtschaft ist vor allem die Fischhaltung und Fischzucht. Das Aufgabenspektrum reicht von der Pflege der Teiche und Fische, über deren Fang und Weiterverarbeitung bis hin zum Verkauf bzw. zur Vermarktung. Als Weiterbildung bildet sich vor allem der Fischwirtschaftsmeister an.
  • Pferdewirt: Von den fünf Fachrichtungen, die Pferdewirte innerhalb der dreijährigen dualen Ausbildung belegen können, dürften in der Landwirtschaft vor allem „Pferdehaltung und Service“ sowie „Pferdezucht“ gefragt sein. Die Weiterbildung zum Pferdewirtschaftsmeister oder gar ein Studium der Pferdewissenschaften bieten Möglichkeiten, verantwortungsvollere Aufgaben zu übernehmen. Übrigens: Die Ausbildung zum Pferdewirt, ist Voraussetzung, um später als Pferdepfleger arbeiten zu können.
  • Tierwirt: Rinder-, Schweine- oder Geflügelhaltung, Schäferei und Imkerei – eine dieser fünf Ausrichtungen legt den Schwerpunkt fest, mit dem sich Tierwirte beruflich tagein, tagaus beschäftigen. Abhängig davon ist auch die Ausrichtung der dreijährigen dualen Ausbildung und möglicher Fortbildungen. Weiterbildungen zum Wirtschafter oder staatlich geprüften Agrarbetriebswirt stehen hingegen allen Richtungen offen.

Das Gehalt der landwirtschaftlichen Berufe, die sich vorrangig mit Tieren beschäftigen, gestaltet sich im Schnitt wie folgt:

Beruf Ø Verdienst pro Monat
Fischwirt 1.414 €
Tierwirt 1.426 €
Pferdewirt / Pferdewirtin 1.510 €
Pferdepfleger 1.538 €

Weitere landwirtschaftliche Berufe

Auch Berufe, wie Gartenbauingenieur oder Gärtner, Weinküfer oder Winzer können zur Landwirtschaft gehören oder haben Berührungspunkte mit ihr. Im Vergleich zu den zuletzt betrachteten Berufen mit Tier-Fokus, liegen hier die Gehälter auch etwas höher:

Beruf Ø Verdienst pro Monat
Gartenbauingenieur /-in 3.329 €
Gärtner /-in 2.056 €
Weinküfer /-in 2.385 €
Winzer /-in 2.087 €

Alles in allem wird man in der Landwirtschaft offenbar nicht reich – von einzelnen Großbrauern oder Lebensmittelkonzernen mal abgesehen. Reichtum ist aber auch nicht alles. Wer in der Landwirtschaft eine Betätigung gefunden hat, die einen zufrieden macht und die gleichzeitig noch für den Lebensunterhalt sorgt, kann sich glücklich schätzen.

Wer nicht angestellt, sondern ‚sein eigener Herr‘ ist und nicht ausschließlich an die Industrie liefern und in der Masse der Einheitsbauern untergehen möchte, hat in der Landwirtschaft die Chance, ganz ungewöhnliche und eigene Wege zu gehen. Ob Ferien auf dem Bauernhof, Nischenprodukte, wie Eis vom Bauernhof oder Wein aus einer Gegend, die eigentlich nicht für Wein prädestiniert und bekannt ist oder die Zucht etwas seltenerer Tiere, wie z. B. beinahe ausgestorbene Schweinerassen – der Fantasie sind wenig Grenzen gesetzt. Die Nachfrage nach regional und fair produzierten Produkten, wenn möglich noch in Bio-Qualität, wächst und das Internet hat auch für die Landwirtschaft neue Werbe- und Vertriebskanäle geschaffen. Ob diese Nische dann jedoch taugt, den Lebensunterhalt zu verdienen oder ‚nur‘ eine Liebhaberei im Nebenerwerb ist, sollte ganz genau geprüft werden und dazu führen, neben dem leidenschaftlichen Blick auf das ‚eigene Baby‘ auch ein kritisches Auge auf die Finanzen zu werfen. Denn ein Ponyhof ist das Leben auf dem Bauernhof in aller Regel tatsächlich nicht.

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Quellen:
Wikipedia
Statistisches Bundesamt
Lübecker Nachrichten

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