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"Handwerk hat goldenen Boden", dieser Spruch längst vergangener Zeiten hat auch heute nichts an Aktualität und Bedeutung verloren: Denn die Handwerksbetriebe können sich vor Aufträgen kaum retten. Die gute wirtschaftliche Lage in Deutschland hat dazu beigetragen, dass es im Handwerk wieder bergauf geht. Viele Betriebe berichten sogar von Umsatzsteigerungen.

Trotzdem herrscht im Handwerk Personalmangel. Viele Aufträge bzw. Arbeiten können nicht mehr ausreichend abgearbeitet werden, weil die Arbeitskräfte fehlen. Obwohl 2017 schon fast 4000 Jugendliche mehr als im Vorjahr (Steigerung um 2,9 Prozent) eine Ausbildung im Bereich Handwerk angestrebt haben, haben viele Betriebe weiterhin Probleme Nachwuchs zu finden. Bundesweit sind 2017 laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) knapp 19.000 Stellen unbesetzt geblieben, vor allem im Elektro-, Sanität- und Friseurgewerbe. Mehr als 40 Prozent aller Handwerksbetriebe suchen Fachkräfte und Auszubildende. Besonders schwierig ist es für Betriebe im Osten Deutschlands, Personal zu finden. Ein weiteres zukünftiges Problem wird sein, dass für viele Unternehmen ein Nachfolger fehlt, welcher das Geschäft übernimmt. In den kommenden zehn Jahren müssen voraussichtlich um die 200.000 Betriebe übergeben werden. Falls sich keine Nachfolger finden, muss eine Firma nach der anderen geschlossen werden. Dies bedeutet in der Regel das Aus für vier bis acht Arbeitsplätze pro Betrieb.

Somit sind Nachwuchskräfte im Handwerkssektor momentan so gefragt wie lange nicht mehr. Wer sich für eine Ausbildung in diesem Bereich interessiert, hat also gute Chancen. Weiterhin ist die Auswahl an möglichen Berufen hier sehr groß. Typische Ausbildungsberufe sind z. B. Anlagemechaniker, Bäcker, Elektroniker, Zimmerer etc. Auch sind die Perspektiven nach der Ausbildung besonders gut, wenn man sich dafür entscheidet, mit Weiterbildungen oder Spezialisierungen seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt auszubauen. Natürlich findet sich im Bereich Handwerk auch die Möglichkeit ein duales Studium zu absolvieren wie z. B. Handwerksmanagment oder BWL-Handwerk.

Das Handwerk ist in Deutschland straff organisiert und so muss etwa jeder Handwerksbetrieb in einer Handwerkskammer eingetragen sein. Diese regeln die Berufsausbildung und erlassen Prüfungsordnungen. Weiterhin ist in der Handwerksordnung festgelegt, welche Gewerbe zwingend einen Meister benötigen und welche überhaupt keine Befähigungen vorweisen müssen, um den Beruf ausüben zu können. Zwingend notwendig ist der Meistertitel in 41 Berufen wie etwa Fleischer, Maler, Schornsteinfeger, Zahntechniker oder Elektroinstallateur. 57 Handwerke sind zulassungsfrei, wie etwa Buchbinder, Plattenleger, Goldschmied, Schneider oder Uhrmacher.

Im Zeichen der weiteren Globalisierung und Vernetzung innerhalb der EU ist dieses Festhalten an bestimmten Normen und Berechtigungen allerdings umstritten, da vergleichbare Berufe in den Mitgliedsstaaten nicht diesen Beschränkungen unterliegen. Somit haben diese die Berechtigung, ihren Beruf problemlos in jedem Land auszuüben, während die Deutschen strengen Richtlinien unterliegen. Folglich ist es auch für Ausländer ohne Meistertitel sehr schwer, in Deutschland einen Betrieb zu eröffnen.