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Kassenärztliche Vereinigung (KV): Gehalt, Karriere und Jobs

Drei Ärzte und Ärztinnen betrachten gemeinsam ein Röntgenbild.

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist für die Deckung der gesundheitlichen Leistungen von mehr als 73 Millionen Pflichtversicherten in der gesamten Bundesrepublik verantwortlich. Demnach können sich etwa neun von zehn Deutschen als Kassenpatienten bezeichnen und profitieren somit von der Arbeit der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) – diesen gehören nämlich alle Kassenärzte und Kassenärztinnen an.

Jene Mediziner werden offiziell als Vertragsärzte bzw. Vertragsärztinnen bezeichnet. Das Bundesgesundheitsministerium definiert diese als Ärzte, die „im Besitz einer Zulassung zur Teilnahme an der ambulanten ärztlichen Versorgung der gesetzlich Krankenversicherten sind“. Konkret heißt das zugleich: Sie sind in ein Arztregister eingetragen und besitzen eine fachärztliche Approbation. Darüber hinaus verpflichten sie sich, die vertraglichen und gesetzlichen Grundlagen der GKV einzuhalten.

Dieses Verhältnis ist an einen festen Vertragsarztsitz gebunden, für reguläre niedergelassene Ärzte ist das eine Praxis. Das bedeutet aber nicht, dass stationär tätige Mediziner automatisch von Kassenärztlichen Vereinigungen ausgeschlossen sind. Sogenannte ermächtigte Ärzte arbeiten in einem Krankenhaus oder einer Klinik, sind aber dennoch berechtigt bzw. dann auch verpflichtet, an der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung teilzunehmen, indem sie etwa an sie überwiesene Patienten und Patientinnen behandeln.

Zusätzlich darf nicht vergessen werden, dass psychische Krankheiten ebenso einer professionellen Behandlung bedürfen wie körperliche Gebrechen. Deswegen gehören Vertragspsychotherapeuten gleichermaßen zu einer Kassenärztlichen Vereinigung. Eine Sonderrolle nehmen hingegen üblicherweise Zahnmediziner ein, denn diese stellen eine separate Arztgruppe dar. Daher sind Vertragszahnärzte in den Kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZV) organisiert; eine solche darf jedoch nicht mit einer KV verwechselt werden.

Circa 400.000 Ärzte gibt es aktuell in Deutschland, hinzu kommen noch mehr als 20.000 Psychotherapeuten. Fast die Hälfte davon nimmt an der vertragsärztlichen Versorgung teil – etwa 173.000 Mitglieder zählen die Kassenärztlichen Vereinigungen und nehmen damit eine essenzielle Rolle im deutschen Gesundheitssystem ein. Wir haben sie daher genauer unter die Lupe genommen: Was sind die Kassenärztlichen Vereinigungen eigentlich exakt? Welche Berufsgruppen arbeiten dort? Und welche Gehälter sind dort zu erwarten? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich dieser Artikel.

Was sind die Kassenärztlichen Vereinigungen?

Vorneweg: Auch wenn dieser Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch gelegentlich auftaucht, so gibt es nicht die Kassenärztliche Vereinigung. Zwar besteht auf Bundesebene als Dachorganisation die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeutinnen sind allerdings Mitglied in einer der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen, welche je einem Bundesland zugeordnet sind. Einzige Ausnahme ist Nordrhein-Westfalen, hier existiert eine Aufteilung in die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein sowie die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe.

Ähnlich wie sich jedes Bundesland voneinander unterscheidet, so sind auch die einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen individuell beschaffen. Dies sind die fünf größten Kassenärztlichen Vereinigungen:

  • Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB): ca. 28.000 Mitglieder
  • Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW): ca. 21.000 Mitglieder
  • Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO): ca. 19.500 Mitglieder
  • Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL): ca. 15.000 Mitglieder
  • Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN): ca. 14.500 Mitglieder

Im Gegensatz dazu haben die Kassenärztliche Vereinigung Bremen (KVHB) sowie die Kassenärztliche Vereinigung Saarland (KV Saarland) als kleinste Vereinigungen lediglich knapp 2.000 Mitglieder. Unabhängig von Größe und Verantwortungsgebiet sind die Aufgaben der Kassenärztlichen Vereinigungen jedoch ähnlich.

Einerseits besitzt jede KV einen Sicherstellungsauftrag. Das heißt: Die ambulante hausärztliche, fachärztliche, notärztliche und psychotherapeutische Versorgung der Gesamtbevölkerung muss rund um die Uhr garantiert sein. Hieraus begründet sich auch die Notwendigkeit für separate Kassenärztliche Vereinigungen in jedem Bundesland, denn die medizinische Versorgungslandschaft unterliegt immer auch den regionalen Begebenheiten. Beispielsweise wäre eine Organisationsstruktur für Stadtstaaten wie Berlin oder Hamburg in einem Bundesland mit vielen ländlichen Gebieten wie etwa Bayern fehl am Platz.

Weiterhin besteht der sogenannte Gewährleistungsauftrag, demzufolge eine KV für die ordnungsgemäße Erbringung ambulanter Leistungen sorgen muss. Dies bezieht sich auf die angemessene Qualität wie auch Wirtschaftlichkeit der Gesamtversorgung, schließt aber zum Beispiel auch eine akkurate Honorarverteilung mit ein. Darüber hinaus obliegt den Kassenärztlichen Vereinigungen die Vertragshoheit beim Abschluss von Verträgen mit Verbänden der gesetzlichen Krankenkassen, welche Rechte und Pflichten aller Vertragsmediziner regeln. Somit repräsentiert eine KV also ebenso ihre Mitglieder und sorgt dafür, dass Vertragsärztinnen und Vertragspsychotherapeuten ihre Interessen gegenüber Krankenkassen, Politik und Öffentlichkeit wahren können – diese Aufgabe wird unter dem Schlagwort der Interessensvertretung beschrieben.

Der Ursprung jener Pflichten reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Schon bei der Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung im Zuge der Bismarck’schen Sozialgesetzgebung im Jahre 1883 hatte es Spannungen zwischen Medizinern und Krankenkassen gegeben, da letztere damals die Vertragsbedingungen einseitig vorgeben konnten. Erste ärztliche Zusammenschlüsse gab es daher bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Kassenärztliche Vereinigungen wurden hingegen erst 1931 als Körperschaften öffentlichen Rechts eingerichtet – diesen Status haben sie auch heute noch inne.

Ausbildungen, Berufe und Gehälter bei den Kassenärztlichen Vereinigungen

Um die Leistungen von tausenden Ärzten und Therapeutinnen zu ermöglichen sowie akkurat abzurechnen und somit die medizinische Grundversorgung für ein gesamtes Bundesland zu gewährleisten, ist ein immenser Organisationsaufwand nötig. Deswegen arbeiten bei den Kassenärztlichen Vereinigungen vor allem Mitarbeiter aus den Bereichen Management und Administration, aber auch im Bereich der Informationstechnologie (IT).

Wer also schon immer im Gesundheitsbereich arbeiten wollte, ohne selbst medizinisch tätig sein zu müssen, kann in einer KV womöglich seinen Traumjob finden. Hier sind einige Beispiele für Berufe, die für den täglichen Ablauf in einer Kassenärztlichen Vereinigung unverzichtbar sind, und so viel lässt sich dort als Jahresbruttogehalt verdienen:

Diese Zahlen sollten jedoch nur als Richtwerte angesehen werden, denn ein einheitliches und transparentes Vergütungsmodell gibt es nicht. Zwar richtet sich das Einkommen in einer Kassenärztlichen Vereinigung häufig nach Tarifverträgen, solche Gehaltstabellen beinhalten allerdings zahlreiche verschiedene Einkommensgruppen und Einkommensstufen. Hier sind Berufserfahrung oder die im Betrieb verbrachte Zeit oftmals zusätzliche Faktoren, und ohnehin unterscheiden sich die Tarife und Löhne von Bundesland zu Bundesland. Allgemeingültige Aussagen über das Gehaltsniveau in Kassenärztlichen Vereinigungen lassen sich deshalb nicht treffen.

Generell sind viele Tätigkeiten in einer KV komplex und erfordern ein hohes Qualifikationsniveau, was sich dann auch auf dem Lohnzettel zeigen kann. Auch wenn bei Kassenärztlichen Vereinigungen keine direkten medizinischen Tätigkeiten durchgeführt werden, arbeiten dort zudem durchaus Ärzte in Positionen, die auf den ersten Blick fachfremd erscheinen, jedoch tiefe humanmedizinische bzw. ärztliche Kenntnisse und Erfahrungen erfordern. Ein Beispiel hierfür ist die Datenanalyse zur Versorgungs- und Qualitätsforschung.

Um qualifiziertes Personal frühzeitig an sich zu binden, bieten Kassenärztliche Vereinigungen oftmals auch ein duales Studium an. Mögliche Studienfächer sind etwa Betriebswirtschaft, Gesundheitsökonomie, Health Management oder Wirtschaftsinformatik. Ebenso werden bei einer KV normalerweise auch regelmäßig Ausbildungsplätze ausgeschrieben. Relevante Ausbildungsberufe sind hier:

Ähnlich wie bei Gehältern gibt es keine bundesweit gültigen Regelungen zur Ausbildungsvergütung. Azubis in Baden-Württemberg erhalten im ersten Ausbildungsjahr beispielsweise etwa 1.040 Euro pro Monat, während am Ende der Ausbildung ein monatliches Entgelt von mehr als 1.200 Euro winkt.

Jobs bei Kassenärztlichen Vereinigungen

Bruttogehalt:
Durchschnittliches Bruttogehalt bei 40 Wochenstunden

Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeutinnen: Was verdienen die Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigungen?

Bei einer Kassenärztlichen Vereinigung denken die meisten dennoch zuerst nicht an ihre Mitarbeiter, sondern an ihre Mitglieder. Mehr als 30 verschiedene Facharztrichtungen gibt es – folgend einige Beispiele und die durchschnittlich zu erwartenden Bruttomonatslöhne:

Nun stellt sich eine letzte Frage: Verdienen Kassenärzte schlechter als Kollegen, die Privatpatienten behandeln? Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Allgemein besteht ein großer Teil des ärztlichen Honorars aus Zahlungen der Krankenkassen. Im Falle der Vertragsmediziner zahlt die zuständige KV ein jährlich variierendes Regelleistungsvolumen (RLV), hinzu kommen allerdings noch zusätzliche Summen, die von Qualifikationen und Leistungen des jeweiligen Arztes abhängen, wodurch sich ein komplexes Entgeltsystem ergibt. Weiterhin kommen sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) hinzu, also Selbstzahlerangebote, die von Patientenseite bezahlt werden. Ohnehin verdienen Ärzte im Schnitt zwar tatsächlich mehr mit Privat- als mit Kassenpatienten, allerdings behandeln viele Mediziner beide Patientengruppen. Eine klare Abgrenzung gestaltet sich also schwierig.

So oder so zählen Ärzte zu den bestverdienenden Berufsgruppen überhaupt. Das ist unter anderem der großen Verantwortung ihres Jobs geschuldet, schließlich haben sie einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit ihrer Patienten. Hier sollte aber gleichzeitig nicht vergessen werden: Für eine flächendeckende medizinische Versorgung bedarf es nicht nur einer kompetenten Behandlung, sondern zugleich eines funktionierenden Unterstützungssystems im Hintergrund. Daher können sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Kassenärztlichen Vereinigungen auch ohne weißen Kittel zumindest indirekt als Lebensretter fühlen.

 

Quellen:

Bundesärztekammer

Bundesministerium für Gesundheit

Focus

Glassdoor

Kassenärztliche Bundesvereinigung

Kununu

Statista

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