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Hast du es satt dich zerrissen zu fühlen? Schritte in die Teilzeit ohne Karriereknick

Teilzeit wird zunehmend beliebter, vor allem aufgrund des Wunsches nach Work-Life-Balance. Seit 2001 besteht ein gesetzliches Recht für jeden Berufstätigen in Teilzeit zu arbeiten. Dieses Recht ist an Bedingungen geknüpft: Das Unternehmen muss mindestens 15 Mitarbeiter beschäftigen und man muss mehr als ein halbes Jahr in der Firma beschäftigt sein.
Manche Chefs stellen sich zwar quer, aber ablehnen dürfen sie diesen Wunsch lediglich aus nachvollziehbaren Gründen. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn der Betriebsablauf durch den Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit gestört wäre. Aufgrund der verschiedenen Teilzeitmodelle lässt sich jedoch meistens eine Lösung finden.

Bei der Überlegung, eine Teilzeitstelle in Anspruch zu nehmen, sollte bedacht werden, dass kein Recht darauf besteht, wieder in eine Vollzeit zurückzukehren.

Teilzeit in der Familienphase

Während der Elternzeit dürfen vom Gesetzgeber her dreißig Stunden wöchentlich nicht überschritten werden. Möchte man in der Elternzeit Teilzeit arbeiten, muss dies schriftlich und sieben Wochen vorher angemeldet werden. Damit die Firma entsprechend organsisieren kann empfiehlt es sich, den Arbeitgeber bereits bei Anmeldung der Elternzeit über den Wunsch nach Teilzeit zu informieren. Die Anmeldung für die Teilzeitstelle sollte Folgendes beinhalten:

  • Der Zeitpunkt, ab wann man in die Firma zurückkehrt
  • Die täglichen oder wöchentlichen Arbeitsstunden
  • Vorschlag, wie diese Arbeitsstunden über die Woche oder den Tag verteilt werden sollten

Ist der Chef mit diesen Vorschlägen einverstanden, sollte er dies schriftlich bestätigen. Der Arbeitgeber muss den Vorschlägen nicht zustimmen. Kann er den Wünschen, zum Beispiel nur vormittags zu arbeiten, nicht nachkommen, muss sich gemeinsam geeinigt und nach einer Lösung gesucht werden.
Übrigens haben nicht nur Mütter das Recht auf Teilzeit während der Elternzeit. Auch für Väter gilt dieses gesetzlich verankerte Recht, solange er mindestens sechs Monate im Unternehmen tätig ist und die Firma mindestens 15 Mitarbeiter beschäftigt. Dies gilt also für alle Mitarbeiter, auch für die in einer leitenden Position.
Wer auch nach der Elternzeit in Teilzeit arbeiten möchte, muss dies schriftlich anmelden und die Anmeldung muss drei Monate vor dem Ende der Elternzeit eingereicht werden. Damit diesem Wunsch nachgegangen werden kann, sollte sich zuvor informiert werden, welche Arbeitszeiten für die Teilzeit in Frage kommen. Arbeiten bereits drei Kollegen in der Abteilung nur vormittags, könnte der Nachmittag vorgeschlagen werden und für diese Zeit organisiert man schon eine Kinderbetreuung.

Teilzeit in Führungspositionen

Mitarbeiter der Führungsebene fürchten häufig einen Karriereknick, wenn sie ihrem Wunsch nach Teilzeit nachgehen würden. Gehört die Teilzeitarbeit jedoch zur Firmenkultur und trägt die oberste Führungsebene dieses Arbeitszeitmodell mit, wird sich eine Lösung finden lassen, um Teilzeit für Führungskräfte zu ermöglichen.
Zunächst sollte sich selbst die Frage gestellt werden, wie teamfähig und delegationsfähig man ist. Um in Teilzeit gehen zu können, müssen Aufgaben an das Team delegiert werden. Hier muss nun vorab geschaut werden, welche Qualifikationen und Kompetenzen für verschiedene Aufgaben notwendig sind. Damit ein reibungloser Arbeitsablauf garantiert ist, muss eine offene Kommunikation möglich sein. Der Informationsaustausch muss eventuell neu organisiert werden, wenn die Kommunikation bisher nicht transparent genug war.

Das Thema Gehalt spielt natürlich ebenso eine wichtige Rolle bei der Überlegung, von Vollzeit in Teilzeit zu wechseln. Bei einer geringen Reduzierung der Arbeitszeit muss die Führung häufig nicht geteilt werden. In dem Fall werden Aufgaben delegiert und umorganisiert. Oft wird das Grundgehalt den neuen Arbeitszeiten angepasst. Ein Ausgleich können Prämien schaffen, die bei Erreichen eines festgelegten Zieles ausgezahlt werden. Bei solch einer Zielorientierung sollte ebenfalls überlegt werden, in welcher Form das Team für die Zielerreichung honoriert wird.
Die meisten Führungskräfte wählen Teilzeitmodelle in Kombination mit Telearbeit. Diese weichen oftmals nur gering von einer Vollzeitstelle ab. Zum Beispiel wird statt einer 5-Tage-Woche die 4-Tage-Woche gewählt, wobei verschiedene Aufgaben von Zuhause aus erledigt werden.

Beliebt ist auch das Sammeln von Arbeitsstunden. Beispielsweise wird eine Teilzeitstelle vereinbart, aber über Monate Vollzeit gearbeitet. Die Mehrstunden werden gespart, um diese für ein Sabbatical zu nutzen. Dies muss allerdings gut geplant werden, damit eine entsprechende Vertretung während des Sabbaticals vorhanden ist.
Es sind aber auch andere Teilzeitmodelle möglich, wie beispielsweise Job-Sharing.

So überzeugen Sie Ihren Chef

Solange die Bedingungen stimmen (mindestens sechs Monate im Unternehmen tätig sein und mindestens 15 Mitarbeiter im Unternehmen), kann der Chef zwar nur dann den Wunsch nach Teilzeit ablehnen, wenn es triftige Gründe dazu gibt. Dennoch sollte er überzeugt sein, damit sich das Arbeitsklima nicht zum Negativen wandelt.

Oft geht der Chef auf diesen Wunsch ein, wenn man ihm ein konkretes Teilzeitmodell vorschlägt und sich bereits im Vorhinein überlegt hat, wie diese Veränderung umsetzbar ist. Wählt man die Variante Job-Sharing, kommt es beim Chef sehr gut an, wenn bereits eine zweite qualifizierte Kraft zur Verfügung steht, mit der sich eine Vollzeitstelle geteilt wird. Aus Sicht des Arbeitgebers bringt Job-Sharing den Vorteil des reibungslosen Arbeitsablaufes mit sich, da stets eine Vertretung im Krankheitsfall oder bei Urlaub vorhanden ist. Wer noch keinen Partner für Job-Sharing gefunden hat, kann sich auf der Plattform tandemploy.com umschauen. Dort kann der passende Tandempartner gesucht werden. Führungskräften ist es zu empfehlen, das Teilzeitmodell gemeinsam mit dem Team zu entwickeln. Somit werden die Teammitglieder direkt in den Prozess mit einbezogen und können sich an den Überlegungen zur Organisation und Umstrukturierung beteiligen. Da die oberste Führungsebene zustimmen und von der Idee überzeugt werden muss, sollten Führungskräfte und die oberste Ebene verschiedene Modelle durchspielen und diskutieren.

Kann sich die oberste Ebene Teilzeit für Fach- und Führungskräfte vorstellen, wird die Situation analysiert. Dabei wird überlegt, wie und welche Aufgaben delegiert werden können, welche Mitarbeiter für verschiedene Aufgaben qualifiziert sind und wie der Informationsaustausch zu regeln ist.

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