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Lassen sich deutsche Arbeitnehmer ausbeuten?

Die meisten Arbeitnehmer erleben ihren Beruf als vielseitig und abwechslungsreich. Allerdings stuft nur die Hälfte das Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben als zufriedenstellend ein, wie eine aktuelle Umfrage des TÜV Rheinland in Zusammenarbeit mit der Initiative für Gesundheit und Arbeit (iga) ergab.
Und siehe da: Der Unterschied zwischen der vereinbarten und der tatsächlichen Arbeitszeit soll laut aktuellen Medienberichten in keinem anderen Land der Eurozone so groß sein wie in Deutschland.

Aber wie viele Stunden arbeiten deutsche Arbeitnehmer überhaupt, wer macht wie viele Überstunden und wer hat welchen Urlaubsanspruch? Die Berater der Hamburger Vergütungsberatung Compensation-Online haben für den aktuellen „Arbeitszeit-Monitor Deutschland 2014“ über 280.000 Arbeitsverhältnisse unter die Lupe genommen.

Fazit: Eine grundsätzliche Diskrepanz zwischen vertraglicher und tatsächlicher Arbeitszeit in Deutschland weisen auch diese Daten auf. Allerdings geht die Anzahl der Überstunden leicht zurück und verteilt sich auf mehr Schultern als im Vorjahreszeitraum.Hier einige zentrale Ergebnisse aus dem „Arbeitszeit-Monitor Deutschland 2014“:

  • 64,2 Prozent aller Arbeitnehmer gaben an, mehr oder weniger regelmäßig Überstunden zu machen. Nur 42,1 Prozent bekommen einen Ausgleich dafür.
  • Insgesamt betrachtet wurden etwas weniger Überstunden geleistet als im Vorjahreszeitraum: Aktuell macht jeder Beschäftigte in der Woche durchschnittlich 4,04 Überstunden. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch 4,39 Stunden gewesen.
  • Zudem verteilte sich die reduzierte Überstundenzahl auf mehrere Schultern. Machten im Vorjahreszeitraum noch 38,4 Prozent überhaupt keine Überstunden, waren es zuletzt nur noch rund 35,8 Prozent.
  • Überstunden werden häufiger als noch vor einem Jahr mit Freizeit oder Geld ausgeglichen: Der Anteil stieg um rund zweieinhalb Punkte auf knapp 49 Prozent.
  • Etwa 53 Prozent aller Arbeitsverhältnisse basieren auf 40 Wochenstunden, allerdings arbeiten nur 27 Prozent aller Arbeitnehmer genau 40 Stunden pro Woche, die anderen arbeiten weniger oder (was eher der Fall ist) mehr.
  • Je geringer das vertragliche Arbeitsvolumen ausfällt, desto kleiner die Abweichung der Ist-Arbeitszeit.
  • Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle: In Kleinstbetrieben mit bis zu fünf Mitarbeitern werden lediglich 2,7 Überstunden im Durchschnitt gemacht. Mit zunehmender Mitarbeiterzahl wächst auch das Überstundenvolumen. In Firmen mit 5.000 Angestellten sind es schon 5 Stunden pro Person und Woche. Interessanterweise sinkt dabei die vertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit leicht um 0,4 auf 39,1 Stunden.
  • 51,2 Prozent aller Arbeitnehmer haben 30 Tage Urlaub.

Die Arbeitszeit ist aber nach wie vor auch das wichtigste Kriterium für die Bezahlung. Keine andere Größe lässt sich so leicht messen und als Grundlage für das Gehalt heranziehen wie die vereinbarte Arbeitszeit. Gleichzeitig ist eine ausgewogene, befriedigende Work-Life-Balance nicht nur bei gut ausgebildeten Nachwuchskräften ein wichtiges Kriterium bei der Wahl eines Arbeitgebers.

Immer schön im Gleichgewicht bleiben – was in der Theorie so einfach klingt, fällt vielen Arbeitnehmern im Alltag schwer. Weil so viele Beschäftigte von ihren Chefs nahezu rund um die Uhr mit E-Mails bombardiert werden, forderte der Bundeswirtschaftsminister sogar schon ein „Recht auf Feierabend“. Was genau dabei als Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit empfunden wird, ist wiederum von individuellen Faktoren wie dem Alter, der Persönlichkeit, den Zielen und Werten sowie der aktuellen Lebenssituation abhängig.

Über die Frage, ab wann genau die Arbeit zu viel wird, haben Arbeitsmediziner und Soziologen schon viele Studien angefertigt. Einfache Antworten haben sie schon wegen der Vielfalt der Arbeitsverhältnisse nicht gefunden. Ganz grob scheinen zu normalen Zeiten und bei durchschnittlicher Belastung zwischen 35 und 40 Wochenstunden akzeptabel.

Die gesetzlichen Grundlagen sind vage. Wegen der Tarifautonomie definiert das deutsche Arbeitsschutzgesetz nur eine tägliche Arbeitszeit von acht Stunden, die bei zeitnahem Ausgleich auf bis zu zehn Stunden ausgeweitet werden darf. Unterm Strich wird von einer wöchentlichen Höchstarbeitsdauer von 48 Stunden ausgegangen.

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