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Machen Arbeitszeugnisse noch Sinn?

Wie Arbeitszeugnisse aufgebaut sein sollten, ist längst bekannt. Auch, dass hier eine Art „Geheimcodes“ verwendet werden, die verblümt sagen sollen, was an dem ehemaligen Praktikanten, Auszubildenden oder Mitarbeiter so alles auszusetzen war, ist bekannt. Jedoch wissen viele auch, dass Zeugnisse „wohlwollend“ formuliert sein müssen und man ein schlechtes Zeugnis demzufolge anfechten kann.

So weit, so gut. Stellt sich die Frage: „Hat es noch Sinn, sich ein Zeugnis ausstellen zu lassen beziehungsweise hat ein Zeugnis überhaupt noch Aussagekraft, wo die Personalchefs doch wissen, wie die Zeugnisse unter Umständen entstehen“?

Ein Arbeitszeugnis kann zum mächtigen Fettnapf werden, wenn sich der Bewerber nicht gründlich damit auseinander gesetzt hat. Denn was so nett klingt, wie beispielsweise „Ihre umfangreiche Bildung machte sie zu einer gesuchten Gesprächspartnerin“ kann schnell bedeuten, dass die Mitarbeiterin geschwätzig war und sich weniger um ihre eigentliche Arbeit bekümmert hat. Oder aber: „Er hat alle Aufgaben in seinem und im Firmeninteresse gelöst“ - bedeutet, er hat Firmeneigentum gestohlen.

Andere Passagen, die einfach weggelassen werden, können ebenfalls eine schlechte Wirkung haben. So finden sich am Ende des Zeugnisses beispielsweise Aussagen über Teamfähigkeit und soziales Verhalten, wie auch der Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses und Wünsche für die (private und berufliche) Zukunft. Wird hier etwas weggelassen oder dem Ausscheidenden lediglich beruflich oder privat Glück gewünscht (falls überhaupt), so ist auch das eher negativ.

Auch das Auslassen anderer Zeugnispassagen ist schlecht. Wird zum Beispiel eine Aussage über das Verhalten den Kollegen gegenüber getroffen, jedoch keine über das gegenüber der Vorgesetzten, so kann erahnt werden, dass es unzureichend war. Bei Arbeitszeugnissen ist weniger eben nicht mehr. Schlecht ist es außerdem, wenn Selbstverständlichkeiten hervorgehoben werden. Beispielsweise der Verweis auf Pünktlichkeit.

Zwar ist es nach § 109 Absatz 2 der Gewerbeordnung unzulässig, Geheimcodes zu verwenden, dennoch wissen viele Bewerber es einfach nicht besser und prüfen nicht nach, was die Sätze „übersetzt“ zu bedeuten haben. Jedoch muss nicht jedes schlechtere Zeugnis bedeuten, dass die Leistung nicht gut war. Oft wissen es die ehemaligen Arbeitgeber selbst nicht besser und sind sich daher nicht im Klaren, was sie ihrem ehemaligen Schützling mit auf den Weg geben.

Generell kann gesagt werden, „ja, ein Arbeitszeugnis macht Sinn“. Zumindest, wenn der Verfasser Ahnung von der Materie hat und es gewissenhaft ausstellt. Es ist glaubwürdiger, ein Zeugnis mit einer guten "Zwei" vorzulegen, als eines mit einer "Eins plus". Vorhandene Defizite anzusprechen, an diesen zu arbeiten, so dass sie im nächsten Zeugnis einer Folgebeschäftigung nicht mehr auftauchen, zeigt, dass der Bewerber Kritik annehmen und an sich arbeiten kann. Und das erscheint in jedem Fall glaubwürdiger, als eine Masse an Zeugnissen mit der Note "Eins plus".

Aufzupassen gilt es im Übrigen auch, in Bezug auf das Datum. Liegt das Ausstellungsdatum deutlich hinter dem Tag des Ausscheidens, so kann dies auf eine Auseinandersetzung oder einen Rechtsstreit bezüglich des Zeugnisses hinweisen. Auch gilt es aufzupassen, wenn es eine Kündigung gegeben hat. Meist sind diese auf den 15. oder 30./31. eines Monats datiert. Ist das Datum „krumm“, so kann eine fristlose Kündigung der Grund sein. Aufpassen sollte man auch, wenn es sich um eine vermeintliche Vertragsauflösung handelt. Sätze wie „Er schied in beiderseitigem Einvernehmen aus“ deuten auf eine Kündigung hin. Im Falle einer wirklichen Vertragsauflösung hieße die Formulierung „im besten beiderseitigen Einvernehmen“.

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