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Schlechte Noten oder gar kein Arbeitszeugnis? Das sind Ihre Rechte!

Schlechte Noten oder gar kein Arbeitszeugnis? Das sind Ihre Rechte!

Arbeitszeugnisse gelten im deutschsprachigen Raum mehr oder weniger als unliebsame Tradition. Aber wussten Sie, dass Hausangestellte und Handwerker bereits im Spätmittelalter beim Wechsel der Gefolgsherren ein Dienstzeugnis erhielten? Das Schriftstück war eine obligatorische Bestätigung der Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit, ohne welches eine anderweitige Neuanstellung nicht möglich gewesen wäre. Auch heute noch gibt das Arbeitszeugnis einen konkreten Einblick in die Befähigungen und Stärken des Arbeitnehmers, weist aber, unter Umständen in verschlüsselter Form, auch auf Misserfolge und Schwächen hin.

Doch wie finden Sie heraus, wie gut Ihr Arbeitszeugnis wirklich ist? Und was können Sie tun, wenn es schlecht oder gar unwahr ist? Wir klären auf.

Was trifft auf Sie zu?


A. Sie haben bereits ein Arbeitszeugnis erhalten.


1. Wie finde ich heraus, wie gut mein Arbeitszeugnis wirklich ist?

Frau Meier ergriff selbst die Initiative und zeigte große Einsatzbereitschaft für unser Unternehmen.“ – Klingt gut, oder? Auf den ersten Blick wirkt die sogenannte Zeugnissprache häufig positiv oder gar prätentiös. Der Clou: Je übertriebener, desto oftmals besser die Beurteilung. Das genannte Beispiel entspricht demnach nur der Note „Befriedigend“. Besser geht immer, und so strotzt der Zeugnisjargon vor Temporaladverbien und Superlativen in den schillerndsten Facetten.

Freuen Sie sich also nicht zu früh, wenn Sie ein vermeintlich positives Zeugnis erhalte. Denn zum einen gibt es gute Zeugnisse wie Sand am Meer. Herausstechen können Sie nur durch die Benennung herausragender Erfolge und besonderer Leistungen. Zum anderen ist eine aussagekräftige Beurteilung der einzelnen Textbausteine nicht immer auf Anhieb möglich. So kann eine Vielzahl von Formulierungen und Wort-Kombinationen nur im Zusammenhang interpretiert werden.

Insbesondere Geheimcodes und Verschlüsselungstaktiken sind für den ungeübten Leser nur schwer erkennbar. So ist der Wortlaut in Negationstechniken (z.B. „er ist nicht untalentiert“ = er hat Talent) als doppelte Verneinung im täglichen Sprachgebrauch üblich, wertet in Arbeitszeugnissen aber die Fähigkeit deutlich ab. Gab Ihr Verhalten laut Zeugnis beispielsweise „keinen Anlass zu Beanstandungen“, sollten Sie sich an dieser Stelle an Zeugnisanalyse-Profis wenden, um weitere Defizite wie dieses aufzuspüren.

Richtig! Aufgrund der Vielzahl von verschiedenen Formulierungen, die nach dem Zeugnis-Code unterschiedliche Noten ergeben (und die teilweise auch noch im Zusammenhang interpretiert werden müssen), gibt es Experten für Arbeitszeugnisse. Um herauszufinden, wie gut Ihr Arbeitszeugnis wirklich ist, können Sie Ihr Arbeitszeugnis vom Profi analysieren lassen. Das Gutachten zeigt Ihnen, wie gut oder schlecht Ihr Arbeitgeber Sie tatsächlich in allen Bereichen bewertet hat und was andere Arbeitgeber somit über Sie erfahren.

2. Sie haben ein schlechtes Zeugnis erhalten, das Ihren Leistungen nicht entspricht. Was tun?

Anspruch auf ein Zeugnis haben Sie bis zu drei Jahre nach Verlassen eines Unternehmens. Der Fristbeginn fällt auf das Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist.

Die Forderung auf Korrektur eines bereits ausgestellten und vermeintlich unrichtigen oder unvollständigen Arbeitszeugnisses sollten Sie jedoch nicht ewig hinauszögern, denn erfahrungsgemäß sind Unternehmen nach fünf bis zehn Monaten nicht mehr bereit, Änderungen vorzunehmen. Im Endeffekt ist es dann so: Arbeitgeber können Formulierungsvorschläge ihrer ehemaligen Mitarbeiter übernehmen, müssen es aber nicht. Gerade, wenn Sie sich im Guten getrennt haben und plausibel darlegen können, warum diese oder jene Beurteilung Ihrer Meinung nach besser ausfallen müsste, sträuben Unternehmen sich erfahrungsgemäß aber kaum, das Zeugnis nochmal zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten. Hat Ihr ehemaliger Arbeitgeber unwahre Angaben im Arbeitszeugnis gemacht oder können Sie eindeutig belegen, dass Sie Bewertungen erhalten haben, die nicht Ihrer tatsächlichen Leistung entspricht, kommen Sie um den Gang zum Arbeitsgericht nicht herum.

So oder so: Ein Berichtigungsanspruch existiert nur, wenn Sie einen entsprechenden Antrag stellen und die abzuändernden Passagen selbst oder mit Unterstützung von Experten formulieren. Geben Sie sich in jedem Fall nicht mit einem unzureichendem oder fehlerhaftem Arbeitszeugnis zufrieden, es könnte Ihre weitere Laufbahn negativ beeinflussen.

B: Sie haben noch kein Arbeitszeugnis erhalten.

Sie arbeiten schon länger in einem Unternehmen, haben Ihre Position gewechselt oder einen neuen Vorgesetzen? Oder Sie haben ein Unternehmen bereits verlassen? Damit besteht für Sie Anspruch auf die Ausstellung eines Arbeitszeugnisses.
Grundlage für die Bewertung kann beispielsweise ein Feedback- oder Jahres- bzw. Abschlussgespräch sein. Warten Sie nach Verlassen eines Unternehmens jedoch nicht zu lange mit dem Wunsch nach einem Zeugnis, denn so manch einem Arbeitnehmer wurde dies bereits verwehrt, weil die Zuständigen im Unternehmen nicht mehr zur Verfügung standen, um eine angemessene Beurteilung geben zu können.

Dem Arbeitgeber ein selbstgeschriebenes Zeugnis vorzulegen, ist heute beim Ausscheiden aus dem Unternehmen schon gang und gäbe. Die Vorteile für den Vorgesetzten liegen auf der Hand: es spart Arbeit und Zeit. Einfordern darf er eine Vorlage des Mitarbeiters jedoch nicht, genauso wenig wie er gezwungen ist den Vorschlag abzusegnen, denn letztendlich ist der Unterzeichnende für den Inhalt verantwortlich.

Sie dürfen selbst auf ihr Zeugnis Einfluss nehmen und sogar einen eigenen Entwurf einreichen? Jackpot, denn so können Sie eine auf Ihre Persönlichkeit abgestimmte individuelle Beurteilung erstellen, die viel wohlwollender interpretiert werden kann, als eine vielfach verwendete Standardvorlage.

Doch auch hier gibt es einiges zu beachten. Typisch ist, dass Arbeitnehmer bei der Bewertung der eigenen Person an irrelevanten Stellen ausholen und einzelne Zeugnisaspekte falsch gewichten. So ist auch bei der Erstellung eines neuen Zeugnisses immer die Hilfe eines Profis ratsam. Dieser kann Ihnen ein nach Ihren individuellen Vorgaben komplettes, unterschriftsreifes Arbeitszeugnis erstellen, das Ihr berufliches Weiterkommen fördert.


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