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Kündigung wegen gefährlicher Hobbies?

Kündigung wegen gefährlicher Hobbies?

In der Freizeit Schlangenzüchter hochgiftiger Exemplare, adrenalinsüchtiger Base-Jumper oder einfach „nur“ Extremsportler? Einige Hobbies sind mit einem hohen Verletzungsrisiko verbunden. Darf der Chef einem Arbeitnehmer also solche riskanten Hobbies verbieten? Muss ein Mitarbeiter mit der Kündigung rechnen, wenn er aufgrund seines Hobbies bereits mehrfach krankgeschrieben wurde? Das Gesetz der freien Persönlichkeitsentfaltung trifft eigentlich zu, doch einige Hobbies könnten dem Arbeitnehmer dennoch zum Verhängnis werden.

Das Recht der freien Persönlichkeitsentfaltung

Im Artikel 2 des Grundgesetzes wird das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit verankert. Somit steht es jedem Arbeitnehmer frei, wie er seine Freizeit gestaltet und welche Hobbies er pflegt. Demnach dürfte sich kein Arbeitgeber in die Hobbies seiner Mitarbeiter einmischen. Nicht erlaubt sind Aussagen im Arbeitsvertrag, mit denen Arbeitnehmern verschiedene Sportarten verboten werden. Es gibt keine gesetzliche Regelung für die Einstufung von Sportarten nach Gefährlichkeitsgrad. Ob eine Sportart als gefährlich eingestuft werden kann, wird deshalb stets im Einzelfall von einem Gericht entschieden.

Die Gerichte entscheiden oft arbeitnehmerfreundlich, denn sie stufen sogar Sportarten wie Drachenfliegen, Motorradrennen oder Skispringen als ungefährlich ein, obwohl von diesen Sportarten ein hohes Verletzungsrisiko ausgeht.

Muss der Arbeitgeber also hinnehmen, wenn die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters aufgrund des Hobbies öfter beeinträchtigt ist?

Grenzen der Persönlichkeitsentfaltung: Darf der Chef gewisse Sportarten verbieten?

Der Chef kann seinen Mitarbeitern zwar nicht vorschreiben, wie sie ihre Freizeit verbringen sollen und welche Sportarten sie ausüben dürfen, doch ganz sind dem Arbeitgeber die Hände nicht gebunden.

Übt der Mitarbeiter ein riskantes Hobby aus und fehlt er häufig wegen Verletzungen, die durch das Hobby entstanden sind, muss der Arbeitgeber dies nicht zwangsläufig hinnehmen. Wenn man dem Mitarbeiter grobe Fahrlässigkeit nachweisen kann, steht die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auf dem Spiel. Und wenn man davon ausgehen kann, dass der Mitarbeiter auch in Zukunft öfter wegen Verletzungen aufgrund gefährlicher Hobbies fehlt, kann das ein Kündigungsgrund sein.

Aufgrund häufiger Verletzungen Kündigung erhalten – Ist das zulässig?

Wie oben bereits erwähnt hängt es vom Einzelfall ab, ob eine Kündigung aufgrund des Hobbys zulässig ist. Übt ein Mitarbeiter eine riskante Sportart aus und ist wegen Verletzungen immer wieder krankgeschrieben, kann ihn der Chef unter bestimmten Voraussetzungen kündigen.

Drei wesentliche Kriterien müssen bei einer krankheitsbedingten Kündigung gegeben sein:

  • Zum Kündigungszeitpunkt muss mit Tatsachen belegt werden können, dass auch in Zukunft mit häufigen Fehlzeiten wegen Krankheit zu rechnen ist. Das heißt, die Gesundheitsprognose fällt für diesen Mitarbeiter negativ aus.
  • Feststehen muss ebenfalls, dass es zur Beeinträchtigung der wirtschaftlichen oder betrieblichen Interessen des Arbeitgebers durch die zu erwartenden Fehlzeiten des Mitarbeiters kommen wird.
  • Als drittes Kriterium muss das Arbeitsgericht eine Interessenabwägung vornehmen. Dabei werden beispielsweise Dauer des Beschäftigungsverhältnisses, Fehlzeiten vergleichbarer Mitarbeiter und Lebensalter des Mitarbeiters berücksichtigt. Die Kündigung ist wirksam, wenn die Abwägung zugunsten des Arbeitgebers ausfällt.

So bestätigte das Landesarbeitsgericht in Baden-Württemberg in einem Fall die Kündigung eines Hobbyfußballers. Er fehlte an 170 Tagen, da er sich Sportverletzungen zugezogen hatte. Den Fußballsport wollte er trotzdem nicht aufgeben (Az.: 14 Sa 67/87). Beachtet wird auch, ob sich der Arbeitnehmer leichtsinnig verhält. Kann ihm dies nachgewiesen werden, wird er eventuell im Krankheitsfall keine Lohnfortzahlung erhalten.

Abenteuertouren – auch ein gefährliches Hobby?

Generell muss man dem Chef nicht erzählen, welche Art von Urlaub man geplant hat. Es steht dem Arbeitnehmer frei, ob er einen risikolosen Urlaub machen möchte oder doch lieber auf einer Erlebnistour die Bergwelt des Himalaya erkunden möchte. Negativ könnte diese Himalaya-Tour für denjenigen enden, der gar nicht die gesundheitlichen Grundvoraussetzungen für solch eine Tour mitbrachte und dieser kräftemäßig nicht gewachsen war. Dieses leichtsinnige Verhalten kann dazu führen, dass der Arbeitgeber seiner Pflicht zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nicht nachkommen muss.

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