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Was verdienen eigentlich Häftlinge?

Was verdienen eigentlich Häftlinge?

Die GG/BO (Gefangenen-Gewerkschaft/ Bundesweite Organisation) fordert mehr Lohn für Häftlinge. „Der Stundenlohn für Gefängnis-Insassen sei viel zu niedrig“, so die Interessensvertretung, es kann von Billiglöhnen gesprochen werden.

Laut Statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland rund 67.800 Strafgefangene, davon knapp 10.000 im offenen Regelvollzug. Lebenslange Haftstrafen sind hingegen eher selten, nur ungefähr 2000 Gefangene zählen zu dieser Gruppe. Die Hälfte aller Strafgefangenen sitzt laut Statistischem Bundesamt ein Jahr oder kürzer ein und rund ein Viertel von ihnen kehrt wegen erneuter Delikte hinter Mauern zurück.

So viel verdienen Strafgefangene

Robert Hutter ist Leiter der JVA in Würzburg. Er erklärt, dass es fünf Stufen der Bezahlung gibt, sodass sich der Stundenlohn nach der Qualifikation des Häftlings richtet. Strafgefangene erhalten einen Stundenlohn zwischen 1,10 Euro und 1,80 Euro, je nach Bezahlungsstufe und Qualifikation. Der Monatslohn liegt somit unter dreihundert Euro.

Drei Siebtel des Monatslohns bekommen die Häftlinge ausgezahlt, um davon im Laden des Gefängnisses einkaufen zu können. Von diesem Geld müssen sie jedoch lediglich Waren wie Tabak oder Kaffee kaufen, denn für den Lebensunterhalt sorgt das Gefängnis, bzw. der Staat. Außerdem ist jeder Häftling arbeitslosenversichert und auch die ärztliche Versorgung ist für die Häftlinge kostenlos.

Das restliche Geld des Monatslohns wird für die Häftlinge zurückgelegt. Das angesparte Geld erhalten sie bei der Entlassung.

So viel kostet jeder Häftling dem Staat

Wie Robert Hutter vorrechnet, fallen für Bayern täglich neunzig Euro Kosten pro Häftling an. Bei rund 530 Häftlingen belaufen die Kosten pro Jahr auf etwa 17 Millionen Euro.

Insgesamt gibt der deutsche Staat jährlich mehrere Milliarden Euro dafür aus, einen Teil der Bevölkerung hinter Gittern zu bringen. Oder die Bevölkerung vor einigen schwarzen Schafen zu schützen.

Unentgeltliches Sponsoring und Engagement für Häftlinge

Die Förderung einer einzelnen Person, einer Gruppe von Häftlingen, einer Organisation oder Institution kann auch durch Privatpersonen oder Firmen erfolgen. Nicht selten werden Zeitungsabos verschenkt, Theaterkurse oder Musikveranstaltungen als Beschäftigung für Strafgefangene organisiert, so dass in unterschiedlicher Form Geld-, Sach- und Dienstleistungen in das Gefängnis eingebracht werden. Unentgeltliche Spenden oder Schenkungen können somit indirekt auf den Lohn eines Häftlings einwirken.

Schuldenabbau während der Arrestzeit?

Viele Häftlinge haben Schulden, gerade als Folge der Straftaten und Verhandlungskosten. Viele Gefangene sehen sich aufgrund ihres Vergehens Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen gegenüber. Oft werden diese Forderungen von Versicherungen (Hausrat-, Feuer-, Krankenversicherung etc.) gestellt, die zunächst für die vom Täter verursachten Kosten eingesprungen sind.

Der Abbau der Schulden ist aufgrund der geringen Vergütung sicherlich nicht möglich, allerdings besteht zumindest der Handlungsspielraum, diese nicht weiter anwachsen zu lassen. Pfändbar ist der geringe Lohn eines Insassens nicht.

Besonderheit Jugendarrest

Der Jugendarrest hat einen etwas anderen Charakter, weil das Ziel der Bestrafung vordergründig auf die Erziehung zielt und die Qualifizierung für eine Ausbildung oder den weiteren Schulbesuch angeregt werden soll. Typischerweise werden chronische Schulschwänzer zu Freizeit-, Kurz- oder Dauerarrest verurteilt.

Bevor es "richtig ernst" wird; Formen der Jugendbestrafung:

  • Freizeitarrest Der Freizeitarrest wird bei kleineren Vergehen für die wöchentliche Freizeit der Jugendlichen verhängt und auf eine oder zwei Freizeiten angewendet.
  • Kurzarrest Der Kurzarrest wird statt des Freizeitarrestes verhängt, wenn sich der zuständige Richter oder die Richterin aus Gründen der Erziehung einen positiven Effekt verspricht und weder die Ausbildung noch die Arbeit der Jugendlichen beeinträchtigt werden. Dabei stehen zwei Tage Kurzarrest einer Freizeit gleich.
  • Dauerarrest Der Dauerarrest beträgt mindestens eine Woche und höchstens vier Wochen. Er wird nach vollen Tagen oder Wochen bemessen.

Berufstätigkeit steht hier nicht im Vordergrund, soll aber während der Arrestzeit durch beispielsweise gemeinnützige Arbeit aktiviert werden.

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