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AWO: Gehalt, Karriere und Jobs bei der Arbeiterwohlfahrt

Eine junge Altenpflegerin kümmert sich liebevoll um eine alte Dame.

Ganz gleich ob Pflegeheime, Kindertagesstätten, Sozialberatungsstellen oder Selbsthilfegruppen: Hinter solchen Einrichtungen der Sozialfürsorge steckt oftmals die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Dank ihren mehr als 310.000 Mitgliedern bildet sie nicht nur ein riesiges gemeinnütziges Netzwerk, mit dem sozial benachteiligten Menschen unter die Arme gegriffen wird, mit mehr als 235.000 Angestellten ist sie gleichzeitig auch einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Grund genug, sich hier einmal anzuschauen, welche Berufe sowie Ausbildungsmöglichkeiten es bei der AWO gibt und mit welchem Gehalt man als Beschäftigter der Arbeiterwohlfahrt rechnen kann.

Die Arbeiterwohlfahrt gehört zur sogenannten Freien Wohlfahrtspflege, welche in organisierter Form freigemeinnützige soziale Hilfsangebote bereitstellt. Insgesamt zählen hierzu insbesondere sechs Spitzenverbände: das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Paritätische Gesamtverband, die Diakonie Deutschland, der Deutsche Caritasverbund (DCV), die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) und eben die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Mehr als vier Millionen Menschen sind hieran insgesamt beteiligt, wodurch die Freie Wohlfahrtspflege eine wichtige Säule des deutschen Sozialstaates darstellt.

Wie auch die anderen Organisationen der Freien Wohlfahrtspflege nimmt die Arbeiterwohlfahrt eine Sonderstellung ein: Sie ist weder gewerblicher noch rein staatlicher Natur, doch unterscheidet sich von anderen gemeinnützigen Vereinen in ihrem großflächigen Organisationsaufbau, welcher zahlreiche weitgehend selbstständige Lokalverbindungen in einem großen übergeordneten Gesamtverband verflicht. Charakteristisch ist also eine dezentrale Struktur: Die Arbeiterwohlfahrt gliedert sich in 30 Bezirks- und Landesverbände, welche sich wiederum in mehr als 400 Kreisverbände aufteilen. Die Basis bilden 3.435 Ortsverbände. Finanziert werden diese einerseits zu einem großen Teil aus Staatszuschüssen, andererseits mittels Spenden, Beiträgen und Schenkungen.

Gründung vor mehr als 100 Jahren: Die Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

Vor kurzem war es so weit: Die AWO feierte ihren 100. Geburtstag. Gegründet wurde sie am 13. Dezember 1919 als Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt auf Betreiben von Marie Juchacz, einer deutschen Sozialreformerin, Frauenrechtlerin und SPD-Politikerin. Während gemeinnützige Einrichtungen wie Kinderkrippen oder Nähstuben zur Kaiserzeit noch vor allem auf Freiwilligenbasis existierten, setzte die Evangelische Kirche bereits 1848 den Grundstein für die Institutionalisierung der Sozialfürsorge, als sie die Diakonie ins Leben rief. Die SPD stand der organisierten Privatwohlfahrt anfangs skeptisch gegenüber und sah hier vor allem den Staat in der Verantwortung, nahm jedoch im zweiten Bestandsjahr der Weimarer Republik schließlich doch einen Kurswechsel vor: Ziel der AWO als parteiliche Unterorganisation war dann die Beteiligung der Arbeiterschaft an der Wohlfahrtspflege. Friedrich Ebert, berühmter Sozialdemokrat und erster Reichspräsident, bezeichnete sie etwa als „Selbsthilfe der Arbeiterschaft“.

Anfangs vorwiegend mit der Betreuung von Geschädigten des Ersten Weltkriegs beauftragt, entwickelte sich die Arbeiterwohlfahrt schon bald zu einer gesamtheitlichen Hilfsorganisation. Wichtige Meilensteine waren die Ersterscheinung der Zeitschrift Arbeiterwohlfahrt mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren im Jahre 1926 sowie die Gründung der Internationalen Arbeiterwohlfahrt im Jahre 1930. Deren Einfluss änderte sich allerdings mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 – eine Kooperation mit der NSDAP war zuvor kategorisch ausgeschlossen worden. Nach anfänglichen Versuchen der ideologischen Gleichschaltung wurde die AWO schließlich verboten und aufgelöst. Alle Einrichtungen, Besitztümer und Konten wurden im Zuge dessen beschlagnahmt und der NS-Volkswohlfahrt übereignet. Wichtige Führungsmitglieder wie Marie Juchacz flüchteten ins Exil.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Arbeiterwohlfahrt 1946 in Hannover neugegründet und war fortan in Westdeutschland aktiv. Bis zum Mauerbau war die AWO zudem auch in Ost-Berlin tätig, doch erst seit der Wiedervereinigung erstreckt sich ihr Hilfsgebiet auf ganz Deutschland. Mittlerweile in Berlin verortet, ist die Arbeiterwohlfahrt bereits lange nicht mehr mit der SPD verbunden – auf diese Trennung hatten schon damals die Alliierten bestanden, ehe es zur Neugründung der AWO kam. Dennoch besteht weiterhin eine große Nähe zur sozialdemokratischen Partei, da zahlreiche Gremien mit Parteimitgliedern besetzt sind – eine Verbindung, die durchaus kontrovers diskutiert wird.

Heute betreibt die Arbeiterwohlfahrt mehr als 18.000 Einrichtungen und Dienste in ganz Deutschland. Hierzu gehören etwa:

  • Mehr als 2.100 Heime (z. B. Altenheime, Wohnheime, Erholungsheime und Kurheime, Ausbildungsstätten und Fortbildungsstätten, Frauenhäuser)
  • Mehr als 3.500 Gruppen der Selbsthilfe bzw. des Bürgerlichen Engagements (z. B. Jugendgruppen, Seniorengruppen, gesundheitliche Selbsthilfegruppen und Kontaktgruppen, Freiwilligenbüros, Einrichtungen der Familienhilfe)
  • Auskunftsstellen und Beratungsstellen, z. B. für Familien, Senioren, Menschen mit Behinderung, Arbeitslose, Schwangere oder Immigranten
  • Tagesstätten und Werkstätten für Arbeitslose
  • Ambulante Hilfsdienste, z. B. sozialpflegerische Dienste

Zudem gibt es mehr als 800 selbstständige Institutionen und Initiativen, die sich dem AWO-Netzwerk als korporative Mitglieder angeschlossen haben.

Ausbildung und Berufseinstieg bei der Arbeiterwohlfahrt

Um sämtliche Einrichtungen rund um die Uhr betreiben sowie eine optimale Betreuung und Versorgung aller Hilfsbedürftigen gewährleisten zu können, ist ein großer Bestand an gut ausgebildetem Personal vonnöten. Gerade im Zuge des Fachkräftemangels versuchen immer mehr Arbeitgeber, motivierten und talentierten Berufsnachwuchs selbst zu schulen und dann früh an sich zu binden – so auch die Arbeiterwohlfahrt, welche zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten anbietet.

Ein Schwerpunkt liegt auf der generalistischen Pflegeausbildung, die 2020 ins Leben gerufen wurde und die vorher getrennten Felder der Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege im Beruf der Pflegefachkraft zusammenfasst. Die Ausbildung dauert drei Jahre und beinhaltet neben mehrwöchigem Blockunterricht, der die theoretischen Grundlagen der Tätigkeit vermittelt, vor allem auch ausgedehnte Praxiszeiten. Diese werden dann in Altenpflegeeinrichtungen der Arbeiterwohlfahrt verbracht, doch gleichzeitig gehören auch regelmäßige Außeneinsätze in der Kinder- und Krankenpflege zum Ausbildungsprogramm. Die Ausbildung wird aktuell in 137 AWO-Betrieben angeboten – Interessierte können sich bei bis zu drei Einrichtungen gleichzeitig bewerben.

Bedarf besteht allerdings nicht nur im Bereich der Pflege, sondern auch in vielen anderen Berufsfeldern wie beispielsweise im Erziehungsdienst oder in der Verwaltung. Welche und wie viele Ausbildungsplätze werden an meinem Wohnort angeboten? Diese Frage lässt sich aufgrund der föderalen Struktur der AWO-Gesamtorganisation nicht einheitlich beantworten und ist letztlich den einzelnen lokalen Unterabteilungen überlassen. Wer eine Ausbildung bei der Arbeiterwohlfahrt in Erwägung zieht, sollte sich daher auf der Internetseite des relevanten Ortsverbandes informieren. Mögliche Ausbildungsberufe sind etwa:

Manche Verbände kooperieren zudem mit Hochschulen und bieten so die Möglichkeit eines dualen Studiums an, zum Beispiel im Studiengang Soziale Arbeit.

Wer lieber zunächst einmal in Berufsfeld und Berufsumfeld hineinschnuppern möchte, kann dies im Rahmen eines Praktikums tun. Hierzu bieten die meisten AWO-Verbände zahlreiche Optionen an: Sowohl Schüler von Hauptschulen, Realschulen und anderen Mittelschulen, Fachoberschulen sowie Gymnasien als auch Auszubildende und Studierende können Praktika bei der Arbeiterwohlfahrt absolvieren. Deren Länge kann stark variieren, doch häufig liegt sie zwischen drei und sechs Monaten. Ebenso können beispielsweise Vorpraktika als Grundlage für pflegerische oder soziale Berufsausbildungen oder Praxissemester für angehende Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen in Einrichtungen der AWO abgelegt werden.

Eine Säule der Arbeiterwohlfahrt ist zudem die Freiwilligenarbeit: Im Zuge eines Bundesfreiwilligendienstes (BFD) oder eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) können junge Menschen so nicht nur eine wertvolle Position ausfüllen, sondern auch erste Berufserfahrungen sammeln und Einblicke in die Arbeit in einer Sozialeinrichtung gewinnen. 

Berufe und Gehälter bei der AWO

Genauso vielfältig wie die Hilfsangebote der Arbeiterwohlfahrt sind auch die dortigen beruflichen Einsatzmöglichkeiten. Ähnlich wie bei Staatsbediensteten lässt sich der Verdienst von AWO-Mitarbeitern mittels Vergütungstabellen berechnen – hierbei gibt es verschiedene Entgeltgruppen sowie Entwicklungsstufen, die je nach Qualifikation und Berufserfahrung ansteigen. Diese sind in Tarifverträgen festgesetzt, welche regelmäßig neu verhandelt werden, wodurch es immer wieder zu Gehaltssteigerungen kommt.

Einheitliche Aussagen über Gehälter bei der Arbeiterwohlfahrt lassen sich dennoch nicht treffen – aufgrund der dezentralen Gesamtstruktur existieren für alle Landesverbände sowie Regionalverbände nämlich eigene Tarifverträge mit eigenen Vergütungsrichtlinien, wobei die Höhe des Gehalts starken regionalen Schwankungen unterliegt. Die exakten Tarifverträge lassen sich auf der Homepage des Arbeitgeberverbandes AWO Deutschland e.V. einsehen.

Hier daher ein Überblick über mögliche Berufe in AWO-Einrichtungen sowie beispielhafte Monatsbruttogehälter, welche unabhängig vom Arbeitgeber im deutschlandweiten Durchschnitt zu erwarten wären:

Erziehung und Seelsorge

Alltagsbetreuung

Verwaltung

Ebenso darf nicht vergessen werden: Neben mehr als 235.000 hauptamtlichen Mitarbeitern beschäftigt die Arbeiterwohlfahrt zudem nahezu 83.000 Personen im Ehrenamt.

Skandale um die AWO: Ein Wohlfahrtsverband gerät in Verruf?

Solidarität, Toleranz und Nächstenliebe – dachte man an die Arbeiterwohlfahrt, so kamen einem bis vor kurzem größtenteils positive Schlagworte in den Sinn. Das hat sich in den letzten Monaten teilweise geändert: Mittlerweile steht die AWO nicht mehr nur durch ihr engmaschiges Hilfsnetzwerk, sondern vielmehr durch einen handfesten Selbstbedienungsskandal in den Schlagzeilen. Zu den Vorwürfen zählen etwa die Veruntreuung von Geldern, überhöhte Gehälter der Führungsriege und luxuriöse Dienstwagen.

Zentrum jener Affäre: Regionalverbände in Frankfurt und Wiesbaden. Gerade die nicht satzungsgemäße Verwendung von Verbandgeld wiegt schwer – ganz gleich ob unrechtmäßige Bonuszahlungen, überzogene Honorare oder teure Hotelübernachtungen. Jene Vergehen ziehen nicht nur finanzielle und rechtliche Konsequenzen nach sich, sondern sind vor allem auch mit einem gravierenden Imageschaden verbunden.

Die Staatsanwaltschaft hat bereits Ermittlungen aufgenommen und Forderungen nach größerer Transparenz werden laut. Der einst ehrwürdige Name der Arbeiterwohlfahrt ist mittlerweile nicht mehr ohne Makel – doch ist damit auch die Vertrauenswürdigkeit der AWO am Ende? Hier muss differenziert werden: Zum einen sind bisher nur wenige der vielen Ortsverbände betroffen, zum anderen findet der Skandal auf der Führungsebene statt. Die tägliche Arbeit der abertausenden Pfleger, Pädagogen und Betreuungskräfte berührt das hingegen nicht. Wer also seine Berufstätigkeit mit sozialem Engagement verbinden möchte, kann dies weiterhin bei der Arbeiterwohlfahrt tun.

 

Quellen:

AWO Bundesverband e.V.

Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) e. V.

Deutschlandfunk

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Süddeutsche Zeitung

WDR

Zeit Online

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