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Karriere beim ADAC: Gehalt und Jobs bei den „Gelben Engeln“

Ein Geländewagen des ADAC fährt mit einem leeren Anhänger auf einer Landstraße.

Der ADAC ist fast jedem Menschen in Deutschland ein Begriff. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V. ist Deutschlands größter Automobilclub und hat seinen Sitz in der bayrischen Landeshauptstadt München. Neben der ursprünglichen und bekanntesten Dienstleistung, der Pannenhilfe, vertreibt der ADAC auch Autoatlanten, Straßenkarten sowie Stadtpläne und betreibt mehrere Fahrsicherheitszentren. Zahlreiche Tochterunternehmen sind Bestandteil des ADACs und vergrößern damit das Dienstleistungsspektrum des Autoclubs. Unter anderem gehören die ADAC Finanzdienst GmbH, die ADAC Luftrettung gGmbH sowie die ADAC Verlag GmbH & Co. KG dazu. Der Zweck des ADAC ist gemäß der Satzung des Automobilclubs die „Wahrnehmung, Förderung und Vertretung der Interessen des Kraftfahrwesens, des Motorsports und des Tourismus“.

Jeden Tag sind die ca. 1.800 Pannenhelfer des ADAC, auch Gelbe Engel genannt, auf Deutschlands Straßen unterwegs, um dafür zu sorgen, dass jeder Autofahrer sicher sein Ziel erreicht. Mit 21,2 Millionen Mitgliedern, rund 200 Geschäftsstellen und einem Jahresgewinn von 759,4 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018/2019 ist der ADAC nicht nur der größte Verein Deutschlands, sondern nach eigenen Angaben auch der zweitgrößte Automobilclub der Welt.

Jährlich steigende Umsätze sowie steigende Mitgliederzahlen machen den ADAC zu einem attraktiven Arbeitgeber. Aber wie viel verdient man eigentlich bei Deutschlands größtem Automobilclub? Der folgende Artikel behandelt unter anderem diese Frage, beschäftigt sich aber auch mit den Jobs und Ausbildungsmöglichkeiten beim ADAC.

Von Anfang an – die Geschichte des ADAC

Im Jahr 1903 wird die Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung in Stuttgart gegründet und im Jahr 1911 in den Allgemeinen Deutschen Automobil-Club e.V. umgewandelt. Innerhalb dieser acht Gründerjahre gewinnt der Club bereits mehr als 17.000 Mitglieder, davon 12.000 Wagenbesitzer. Mit 20.000 Mitgliedern im Jahr 1913 ist der ADAC schon damals der größte Kraftfahrerverband Deutschlands. Während des ersten Weltkriegs fokussiert sich der Verband vor allem auf mehr Sicherheit und Hilfe für die Bevölkerung und richtet unter anderem einen mobilen Hilfsdienst ein. Jedoch verschont dies den noch jungen ADAC nicht vor den Folgen des Krieges. In den Nachkriegsjahren machen Inflation und Wirtschaftskrise dem Automobilclub das Leben schwer. Doch schon in den späten 20er-Jahren beruhigt sich die Lage. Im Jahr 1925 erscheint erstmals die ADAC-Motorwelt, welche heute die größte Automobilzeitschrift Europas ist. Steigende Mitgliederzahlen und die Gründung eines Straßenhilfsdienstes sowie die Einrichtung der ersten Notrufsäulen sind weitere Fortschritte, die der ADAC in den Folgejahren verzeichnen kann.

In den Jahren 1933 bis 1945 verliert der Automobilclub erstmals seine Selbstständigkeit. Unter den Nationalsozialisten werden die unterschiedlichen Automobil- und Motorradclubs im Deutschen Automobilclub (DDAC) zusammengefasst, der der nationalsozialistischen Regierung untersteht. Nach der Wiedergründung im Jahr 1946 kann sich der ADAC über erneutes Wachstum und eine Ausweitung in fast alle Besatzungszonen freuen, die sowjetisch besetzten Gebiete sind hiervon allerdings ausgenommen. Im Jahr 1965 erreicht der Automobilclub mit dem millionsten Mitglied einen neuen Meilenstein. Mit der Einrichtung von festen Straßenwachtstützpunkten, der Inbetriebnahme von Hubschraubern für die Luftrettung sowie der Eröffnung des ersten Prüfzentrums in München wächst in den folgenden Jahrzehnten der ADAC stetig – nicht nur in Hinsicht auf seine Mitgliederzahlen, sondern auch das Dienstleistungspaket betreffend. In den 1980er- und 90er-Jahren setzt sich der ADAC vor allem für bleifreies Benzin und die Wiederverwertung von Autoteilen ein, weitet die Luftrettung aus und eröffnet neue Technikzentren.

Im Jahr 2003  feiert der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V. sein 100-jähriges Bestehen. 2007 folgt die Gründung der Stiftung Gelbe Engel, die vor allem Initiativen und Institutionen auf dem Gebiet der Unfallhilfe fördern soll. Bis heute wachsen die Mitgliederzahlen des ADAC stetig an. In den letzten Jahren sind besonders viele junge Kraftfahrzeughalter hinzugekommen.

Berufsausbildung beim ADAC

Nach einem Hauptschulabschluss, einem mittleren Schulabschluss oder dem Abitur bietet der ADAC zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten in den verschiedensten Bereichen an. Von Büromanagement über Tourismus bis hin zu Informatik sind für viele Interessen und Talente passende Ausbildungen dabei. Dazu gehören unter anderem die folgenden Ausbildungsberufe:

Der ADAC bezahlt seine Mitarbeiter nach dem Tarifvertrag für die private Versicherungswirtschaft. Dies gilt auch für Auszubildende. Aus diesem Grund ist die Vergütung der Azubis beim ADAC auch vergleichsweise hoch und macht die Ausbildung beim Automobilclub somit unter finanziellen Gesichtspunkten sehr attraktiv. Seit April 2020 erhalten Azubis im ersten Lehrjahr monatlich 1.040 Euro brutto, im zweiten Jahr 1.115 Euro brutto und kommen im dritten und letzten Lehrjahr schließlich auf 1.200 Euro brutto. Gemäß des Tarifvertrages steigen die Ausbildungsvergütungen im Jahr 2021 um weitere 30 Euro monatlich.

Duales Studium beim ADAC

Für Bewerber mit Hochschulreife hält der ADAC zusätzlich ein umfangreiches Angebot an dualen Studiengängen bereit. Der Autoclub bietet hauptsächlich wirtschaftliche Studiengänge mit verschiedenen Spezialisierungen an. Das Bachelorstudium dauert in der Regel drei Jahre und wird in Blöcken absolviert. Auf eine dreimonatige Theoriephase an der Hochschule folgt eine ebenso lange Praxisphase im Unternehmen. Dabei werden die Praxisinhalte möglichst genau auf das zuvor erlernte theoretische Wissen abgestimmt. In Kooperation mit verschiedenen Hochschulen bietet der ADAC unter anderem folgende Studiengänge an:

  • BWL – Consulting & Services
  • BWL – Controlling & Consulting
  • BWL – Dienstleistung
  • BWL – Digital Business Management
  • BWL – Industrie
  • BWL – Medien und Kommunikation / Unternehmenskommunikation und Journalismus
  • BWL – Medien und Kommunikation / Werbung und Kommunikation
  • BWL – Messe, Kongress- und Eventmanagement
  • BWL – Versicherung
  • Digitale Medien
  • Informatik

Da der ADAC ein stetig wachsender Großkonzern ist, profitieren die dual Studierenden von einem abwechslungsreichen Arbeitsalltag und dem umfangreichen Wissen, das ein Unternehmen wie der ADAC zu bieten hat. Nach einem erfolgreichen Abschluss sind die Chancen auf eine Übernahme sehr gut. Die Vergütung der dual Studierenden richtet sich ebenfalls nach dem Tarifvertrag und ist identisch zu dem Gehalt der Auszubildenden.

Studentenjobs und Praktika

Der ADAC beschäftigt neben den Auszubildenden und dual Studierenden auch Werkstudentinnen und Werkstudenten aus anderen Studiengängen. Der Konzern wirbt damit, die Arbeitszeiten flexibel zu halten und den Studierenden ausreichend Zeit für ihr Studium zu gewähren, sodass Nebenjob und Studium miteinander vereinbar bleiben. Werkstudierende sollen aktiv ihr im Studium erworbenes Wissen einbringen und werden auch mit eigenen Projekten betraut. Der ADAC bietet seinen Werkstudierenden weiterhin an, ihre Abschlussarbeiten im Unternehmen zu schreiben. Hierfür erhalten sie eine einmalige Aufwandsentschädigung. Auch die Chancen auf eine Festanstellung nach dem Studium stehen gut. Die Vergütung der Werkstudenten und -studentinnen wird je nach Bereich und Semester individuell festgelegt. Der Stundenlohn für Werkstudierende in Deutschland liegt im Schnitt zwischen 12 und 15 Euro.

Neben Werkstudentenjobs bietet der ADAC auch Praktika an. Dieses Angebot richtet sich insbesondere an immatrikulierte Studierende oder Personen, die es werden wollen. Beispielsweise kann der ADAC sogenannter Praxispartner im Studium werden, eventuelle Pflichtpraktika können somit an einem beliebigen Standort absolviert werden. Die Laufzeit richtet sich hier nach den Vorgaben der Hochschule. Die Vergütung liegt im Schnitt bei 12 Euro pro Stunde.

Auch Vorpraktika bietet der Automobilclub an. Prinzipiell richtet sich dieses Angebot sowohl an Schüler und Schulabgänger als auch an angehende Studenten. Die Praktikantinnen und Praktikanten können in den Arbeitsalltag und die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten hineinschnuppern und haben die Möglichkeit, erste praktische Erfahrungen in der ‚echten Arbeitswelt‘ zu sammeln. Vorpraktika werden beim ADAC nicht vergütet.

Berufe und Gehälter beim ADAC

So vielfältig wie die Ausbildungsmöglichkeiten sind auch die Karrierechancen beim ADAC. Der Automobilclub bietet Jobs in den verschiedensten Bereichen und an unterschiedlichen Standorten in ganz Deutschland an. Obwohl die meisten Menschen die Gelben Engel hauptsächlich mit der Pannenhilfe verbinden, bietet der Konzern eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich beruflich zu verwirklichen – sei es beispielsweise in der Informatik, im Marketing oder im Bereich der Elektrotechnik.

Die Verdienstmöglichkeiten sind genauso vielfältig wie die Jobangebote und hängen von Bereich, Position und Standort ab. Generell zahlt der ADAC nach dem Tarifvertrag für die private Versicherungswirtschaft. So verdient beispielsweise ein Straßenwachtfahrer zum Einstieg 2.668 Euro brutto im Monat und kommt so auf ein Bruttojahresgehalt von ca. 32.000 Euro. Mit zunehmender Berufserfahrung steigt das Gehalt in den Folgejahren an und Weiterbildungen sowie mehr Verantwortung können auch zum Aufstieg in eine höhere Gehaltsgruppe führen.

Wie einige beispielhafte Jahresbruttogehälter beim ADAC aussehen, zeigt der folgende Überblick:

Projektleitung und Führungskräfte

IT und technische Berufe

Kaufmännische Berufe

Sonstige weitere Berufe

Zusätzlich zum Grundgehalt bietet der ADAC seinen Mitarbeitern weitere Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld sowie leistungsbezogene variable Prämienzahlungen, die über ein internes Prämiensystem geregelt sind.

Die Zeit nach dem Skandal – Fortschritt oder Stillstand?

Viele Großunternehmen machen von Zeit zu Zeit mit negativen Schlagzeilen in der Öffentlichkeit von sich reden. So auch der ADAC. Im Jahr 2014 flogen Manipulationen um den Gelbe-Engel-Preis auf und sorgten für einen großen Skandal. Das Vertrauen vieler Mitglieder wurde derzeit nicht nur aufgrund der Fälschungen von Rangfolgen und Zahlen in den Jahren 2009 bis 2013 erschüttert, sondern auch aufgrund des Missbrauchs der Rettungshubschrauber für private Zwecke durch die Führungsriege. Der ADAC leitete daraufhin grundlegende Umstrukturierungen ein, doch längst nicht auf allen Ebenen. Im Jahr 2019 stellte das Unternehmen sein neues Präsidium vor: ausschließlich weiße Männer im fortgeschrittenen Alter. Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund? Fehlanzeige! Dies löste unter anderem in den sozialen Medien eine Diskussion über Gleichberechtigung und Diversität im Automobilclub aus. Der Konzern sieht sich selbst als fortschrittlichen und modernen Arbeitgeber, der alle seine Mitarbeiter zu gleichen Maßen fördert – doch kann dies mit einer solchen Führungsstruktur gewährleistet werden?

Die gute Nachricht ist, dass auf Basis des Tarifvertrages gleiche Positionen grundsätzlich gleich vergütet werden und eine unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen sowie Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund deutlich erschwert wird. Zudem sind die Arbeitsbedingungen beim ADAC grundsätzlich gut und die Bewertungen der Mitarbeiter auf verschiedenen Online-Portalen fallen überwiegend positiv aus. Da der Skandal im Jahr 2014 nur geringfügige wirtschaftliche Folgen für den Konzern hatte, müssen sich die Mitarbeiter auch in Zukunft wohl kaum Sorgen um Massenentlassungen oder Kürzungen machen. Inzwischen steigen die Mitgliederzahlen wieder, die Gewinne nehmen zu und der Konzern wächst. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der ADAC weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber für viele Menschen in Deutschland ist.

 

Quellen:

adac.de

agv-vers.de

Glassdoor

handelsblatt.com

sueddeutsche.de

Tagesspiegel

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