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Wie viel zahlt die Bayer AG?

Wie viel zahlt die Bayer AG?

Brummt der Kopf oder zwickt der Rücken, wird schnell zu Schmerzmitteln gegriffen – wie zum Beispiel Aspirin. Der Dauerbrenner des deutschen Pharmariesen Bayer ist weltweit bekannt, ebenso wie sein Produzent selbst. Die Pharmaindustrie gilt als besonders großzügig, wenn es um die Gehälter ihrer Mitarbeiter geht. Doch wie viel ist an diesem Klischee dran? Was zahlt Bayer seinen Mitarbeitern wirklich und welche beruflichen Möglichkeiten bietet der Global Player seinen Angestellten und potenziellen Bewerbern? All dem sind wir im Folgenden auf den Grund gegangen.

Die Bayer AG – ein Überblick

Ein langer Weg liegt hinter der Bayer AG. Begonnen hat alles am 1. August 1863, als der Färbmeister Johann Friedrich Weskott und der Farbstoffhändler Friedrich Bayer die Friedr. Bayer et comp. mit dem Ziel gründeten, synthetische Farbstoffe herzustellen und zu verkaufen. In den Jahren von 1881 bis 1913 entwickelt sich das Unternehmen, inzwischen eine Aktiengesellschaft, zu einem Chemieunternehmen mit internationalen Handels- und Tätigkeitsbereichen. 1888 erfolgt die Gründung der pharmazeutischen Abteilung, 1904 der Beginn der Herstellung (und die Gründung des Werkclubs Bayer 04 Leverkusen) von Fotochemikalien und 1906 starten die ersten Forschungsarbeiten zur Kautschuksynthese. Sechs Jahre später wird Leverkusen zum Firmenhauptsitz und nur ein Jahr später, 1913, beschäftigt Bayer nicht nur fast 10.000 Menschen, der erfolgreiche Aufbau einer weltweiten Vertriebsorganisation ist auch die Grundlage für den 80-prozentigen Umsatzanteil aus dem Export.

Der Erste Weltkrieg stoppt das bis dahin stetige Wachstum des Unternehmens und die großen Exportmärkte gehen verloren. Mit Fortgang des Krieges wird Bayer immer stärker in die Kriegswirtschaft integriert, verliert nach Kriegsende nahezu das gesamte Auslandsvermögen und muss neben dem Verlust der wichtigen Exportmärkte die Enteignungen der Tochterfirma auf russischem Gebiet und die Beschlagnahme von Patenten und Warenzeichen sowie ihren Weiterverkauf an Konkurrenten in den USA hinnehmen. Die seit 1905 bestehende Interessensgemeinschaft von Bayer, BASF und Agfa führt mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, 1925 zur Fusion der drei Unternehmen zur I.G. Farbenindustrie AG. Die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre trifft auch die I.G. Farben hart und zwischen 1929 und 1932 entlässt das Unternehmen ca. 20 Prozent seiner Mitarbeiter.

Auch der Bayer-Konzern gehört als Mitglied der I.G. Farben während der Nazi-Herrschaft zu den „kriegs- und lebenswichtigen“ Betrieben der deutschen Wirtschaft und produziert für Hitler und seine Truppen Gummi und Benzin. Um die Produktion in Zeiten des Mitarbeitermangels (immer mehr Mitarbeiter werden von der Wehrmacht im Laufe der Kriegsjahre eingezogen) aufrechtzuerhalten, beschäftigt die I.G. Farbenindustrie AG auch Fremd- und Zwangsarbeiter in den Werken am Niederrhein, die bei Zeiten ein Drittel der Belegschaft ausmachen; 1941 wird explizit für die Zwecke der Fabrik gar ein eigenes Werk gebaut – im Konzentrationslager Auschwitz. Mit dem Sieg der Alliierten übernimmt die britische Besatzungsmacht die Kontrolle über die Werke am Niederrhein und die I.G. Farben wird in ihre ehemaligen Unternehmen zerschlagen, von denen neben Bayer beispielsweise auch BASF bis heute existent ist.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist die Bayer AG einen langen Weg gegangen. Nach Zeiten des Wiederaufbaus und dem Überstehen der Ölkrise in den 1970er Jahren wird Bayer wie viele andere Unternehmen in den 1990er Jahre mit den Herausforderungen von Globalisierung und Strukturwandel konfrontiert. Heute ist der Konzern in die vier Divisionen Pharmaceuticals, Consumer Health, Crop Science und Animal Health unterteilt. Fast 100.000 Mitarbeiter weltweit beschäftigte der Pharmagigant aus Leverkusen Ende 2017, 31.620 davon waren in Deutschland tätig. Die Übernahme des amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto ist Bayers jüngster Coup. Während der stark vorbelastete Name bereits verschwunden ist, bleiben die Altlasten Monsantos und sein Ruf, mit dem sich die Leverkusener nun auseinandersetzen müssen.

Eine Zukunft im Bayer-Konzern?

Die Bayer AG bietet ein breites Spektrum an Jobs und Einstiegsmöglichkeiten. Für Schüler und Schülerinnen bietet das Pharmaunternehmen diverse Ausbildungsberufe in unterschiedlichen Bereichen an. Dazu zählen naturwissenschaftliche und kaufmännische Berufe sowie technische und IT-Jobs.

Naturwissenschaftliche Berufe

Kaufmännische Berufe

IT- und technische Berufe

Auch Abiturienten oder Hochschulabsolventen können in der Bayer AG beruflich ihre ersten oder auch zweiten Schritte machen. Darunter finden sich duale Studiengänge wie:

  • Elektrotechnik
  • Industrie-BWL
  • Informatik
  • Management and International Business
  • Wirtschaftsinformatik

Dazu bietet der Konzern diverse (meist internationale) Traineeprogramme, unter anderem in den Bereichen:

  • Supply Chain Management (global)
  • Klinische Entwicklung
  • Finanzmanagement (Controlling, Accounting, Finance oder Auditing)
  • Beschaffungsmanagement
  • Phyto Sourcing (Phytomedizin-Sparte)
  • Marketing, Sales, Vertrieb und/oder Entwicklung
  • Human Resources (international)

Bayer führt ebenfalls Promotionen und Postdoc-Angebote etwa in den Bereichen Pharmaforschung, IT oder Computational Life Science.

Der Pharmariese bietet nicht nur Karrieremöglichkeiten in den offensichtlichen Bereichen wie Biologie, Chemie, Pharmakologie oder Medizin; auch der Bedarf an juristischen oder produktionstechnischen Fachkräften ist groß. Während Bayer besonders in den Fachrichtungen Automatisierungs- und Werkstofftechnik, Bauwesen, Elektrotechnik, Energie- und Versorgungstechnik, Kunststofftechnik, Maschinenbau, physikalische Technik, (Bio-)Verfahrenstechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen Ingenieure beschäftigt, gehört es zum Aufgabenbereich der Bayer-Juristen, sich mit folgenden Themen zu befassen:

  • Arbeits- und Sozialrecht
  • Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht
  • Gewerblicher Rechtsschutz und Markenrecht
  • Kartell- und Wettbewerbsrecht
  • Mergers & Acquisitions und Kooperationen
  • Pharmarecht
  • Umwelt- und Technikrecht
  • Vertrags- und Handelsrecht
  • Wirtschaftsverwaltungsrecht

Inhouse Consultants, IT-Spezialisten, Tiermediziner und Wirtschaftswissenschaftler werden ebenfalls von Bayer eingestellt und beschäftigt.

Die Bayer-Gehälter schwarz auf weiß

Die Einkommen der Mitarbeiter von Bayer sind natürlich stark vom Tätigkeitsfeld und der Höhe der Verantwortung abhängig. Während für Tarifangestellte und Auszubildende die aktuellen Tarifentgelte des jeweiligen Tarifbezirks des jeweiligen Bundeslands zählen, werden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in leitenden Positionen nach anderen Standards vergütet. Neben einer Orientierung an externen Marktstandards sowie an den Basisgehältern des Verbandes angestellter Akademiker und leitender Angestellter in der chemischen Industrie e.V., wendet Bayer nach eigener Aussage die Hay-Methode an und ordnet die Verträge in Bayer-interne Gehaltsbänder ein. Die klassische Hay-Methode, entwickelt in den 1940er Jahren, bewertet drei Faktoren:

  • die Komplexität der zu lösenden Aufgaben und Probleme
  • die Höhe des Beitrags der Stelle zum Unternehmen
  • das Niveau der erforderlichen Kompetenzen und Fähigkeiten

Die Bestimmung dieser drei Faktoren soll es ermöglichen, die Wertigkeiten der einzelnen Stellen und Positionen zu beurteilen und damit auch die Höhe der Vergütung zu gestalten. Die nachfolgende Auflistung zeigt beispielhafte Jahresgehälter bei Bayer außerhalb der Tariflöhne.

Eine Zukunft im Pharmaunternehmen?

Einen Arbeitsvertrag bei Bayer zu unterschreiben, öffnet die Tür zu einer Vielzahl an betrieblichen Vorteilen. Seien es das Sport- und Freizeitangebot, eine betriebliche Altersvorsorge, die Möglichkeit zur Telearbeit, flexible Arbeitszeiten und vieles mehr. Neben Dienstwagen, Immobiliendarlehen, Risiko-Absicherungen und Jubiläumsprämien bietet Bayer seinen Mitarbeitern auch die Programme BayShare, BayZeit und BaySEN.

Während es sich bei BayShare um ein Aktienbeteiligungsprogramm handelt, mit dem nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Auszubildende Bayer-Aktien erwerben können, haben Bayer-Mitarbeiter die Möglichkeit, BayZeit zu nutzen. Dabei handelt es sich um ein Langzeitkonto mit dem Ziel einer flexiblen Lebensarbeitszeitgestaltung. Es soll Freistellungen erlauben und für zum Beispiel die Pflege von Angehörigen, eine verlängerte Elternzeit oder für Weiterbildungsmöglichkeiten genutzt werden. BaySEN richtet sich an bereits pensionierte Mitarbeiter. Diese bekommen hier die Möglichkeit, nach ihrer Pensionierung befristet weiter arbeiten zu können und andere von ihrer Erfahrung und Expertise profitieren zu lassen.

Die von Bayer angepriesenen Vorteile sind gewiss reizvoll, die Größe und Prominenz des Unternehmens versprechen eine längerfristige Sicherheit des Arbeitsplatzes und die Gehälter sind mindestens im tariflichen Bereich, wenn nicht sogar darüber. Wer sich mit dem Gedanken anfreunden kann, in einer durchaus kritisch betrachteten Branche zu arbeiten, kann in Bayer einen attraktiven Arbeitgeber finden.

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Quellen:

Bayer AG
Glassdoor
Hay Group GmbH
HuffPost Deutschland
Spiegel Online