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Der Arbeitgeber Thyssenkrupp – Was zahlt der Stahlgigant wirklich?

Der Arbeitgeber Thyssenkrupp – Was zahlt der Stahlgigant wirklich?

Mit ca. 158.000 Mitarbeitern weltweit und einem Jahresumsatz von knapp 43 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2016/2017 gehört Thyssenkrupp zu den großen deutschen Industrieunternehmen, das auch auf der internationalen Bühne zuhause ist. Ob der Großkonzern nicht nur mit seinen Zahlen, sondern auch als Arbeitgeber überzeugen kann, haben wir uns genauer angeschaut und Gehälter, Karrierechancen und Arbeitsbedingungen bei Thyssenkrupp unter die Lupe genommen.

Thyssenkrupp: der Traditionskonzern im Überblick

Am 17. März 1999 wurde aus den vorher einzelnen Unternehmen Thyssen und Krupp die Thyssenkrupp AG. Seit 2015 tritt der Konzern aus Essen international als thyssenkrupp auf und führt heute den Slogan engineering. tomorrow. together. Dieser beschreibt laut Thyssenkrupp, was sie tun (engineering), wofür sie es tun (tomorrow) und wie sie es tun (together).

Die Vorgängerunternehmen des heutigen Thyssenkrupp-Konzerns sind vielzählig und haben ihre Wurzeln in der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie. Damit sind bzw. waren sie direkte Akteure der Industrialisierung Deutschlands und ihre Unternehmerpersönlichkeiten prägten im 19. und 20. Jahrhundert nicht nur die deutsche Industrielandschaft, sondern hatten ebenfalls Einfluss auf die deutsche Innen- und Außenpolitik. Dazu gehört unter anderem im Falle Krupp die Beteiligung an der Produktion von Rüstungsgütern im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Der schon vor dem Ersten Weltkrieg im In- und Ausland als deutsche Waffenschmiede bekannt gewordene Krupp-Konzern produzierte auch im Zweiten Weltkrieg unter anderem U-Boote, Panzerteile und Geschütze für Hitlers Truppen. Ende 1944 machten 40 % der Belegschaft Arbeiter aus dem Ausland aus. Neben angeworbenen Facharbeitern gehörten viele Verschleppte, Kriegsgefangene und kurz vor Kriegsende auch Häftlinge aus Konzentrationslagern dazu. Die sowieso schon extrem schlechten Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter verschlimmerten sich nach den ersten Bombenangriffen der Alliierten weiter. Auch heute zählt Thyssenkrupps Tochterfirma Thyssenkrupp Marine Systems mit seiner Produktion von U-Booten und Kriegsschiffen zu den großen deutschen Rüstungsunternehmen.

Bei den fünf zentralen Geschäftsfeldern des diversifizierten Industrieriesen handelt es sich um Components Technology, Elevator Technology, Industrial Solutions, Material Services und Steel Europe. Während unter Components Technology Hightech-Komponenten für den Maschinenbau und die Automobilindustrie produziert werden, ist das Geschäftsfeld Elevator Technology für die Herstellung von Anlagen zur Personenbeförderung zuständig. Dies schließt Fahrtreppen, Fahrsteige, Lasten- und Personenaufzüge sowie Treppen- und Plattformlifte und Fluggastbrücken an Flughäfen ein. Für den Bau von Großanlagen für Industrieunternehmen ist Thyssenkrupps Geschäftsfeld Industrial Solutions zuständig. Den weltweiten Handel mit Roh- und Werkstoffen in mehr als 40 Ländern hat Materials Services zur Aufgabe, während sich die Beschäftigten von Steel Europe mit hochwertigen Stahlprodukten, kundenspezifischen Werkstofflösungen und innovativen Fertigungstechnologien befassen. Seit einigen Jahren ist es allerdings das erklärte Ziel, vom Stahl wegzukommen und den Fokus auf das Technologie- und Dienstleistungsgeschäft wie auch auf den Bau von Industriegütern zu legen.

Ein globaler Konzern mit sozialer Ader?

Schon seit den 1850er Jahren gilt die betriebliche Sozialpolitik des Kruppkonzerns als vorbildlich. Wie andere Arbeitgeber auch baute der Krupp-Konzern während der Industrialisierung Arbeitersiedlung für die eigenen Beschäftigten. Bereits einige Jahre zuvor, 1836, wurde die Hülfskrankenkasse in Fällen von Krankheit und Tod gegründet und die Krupp‘sche Altersvorsorge fungierte als Vorbild für die Sozialgesetzgebung unter Reichskanzler Otto von Bismarck. Neben einer firmeneigenen Supermarktkette entstanden Bildungseinrichtungen, eine eigene Badeanstalt und ein eigenes Krankenhaus. Absolute Loyalität wurde im Gegenzug von den Mitarbeitern erwartet. Die Firma Krupp funktionierte wie ein eigener kleiner Staat im Staate, regiert von seinem allmächtigen Inhaber. Der Plan ging auf und insgesamt kündigten weniger Mitarbeiter als in anderen Unternehmen. Ob dies lediglich an den positiven Effekten dieses Konzepts lag oder beispielsweise auch an der Tatsache, dass die Mietverträge häufig an die Arbeitsverträge gekoppelt waren und mit einem Arbeitgeberwechsel auch ein Wohnungsverlust einherging, bleibt fraglich.

Heute bewerten die Mitarbeiter die Zusatzleistungen von Thyssenkrupp wie z. B. eine mehrstufige betriebliche Altersvorsorge, flexible Arbeitszeiten, Weihnachtsgeld, Fortbildungen oder Leistungsprämien im Durchschnitt als sehr positiv. Immerhin knapp 60 % der Mitarbeiter würden Thyssenkrupp ihren Freunden als Arbeitgeber weiterempfehlen (2014 waren es nach einer internen Mitarbeiterbefragung allerdings noch 86 %) und fast 85 % befürworten aktuell den derzeitigen Geschäftsführer Heinrich Hiesinger. Die Mitarbeiter wurden darüber hinaus in die Entscheidung über die Fusion mit dem indischen Konzern Tata einbezogen und konnten ihre Stimme abgeben. Mit 92,2 Prozent stimmte Anfang 2018 eine überwältigende Mehrheit der Mitarbeiter für die Fusion, auch weil trotz des geplanten Abbaus von 2.000 Stellen in Deutschland in der Stahlsparte eine Beschäftigungsgarantie für die 20.000 Mitarbeiter bis 30. September 2026 ausgesprochen wurde.

Der Karrierestart bei Thyssenkrupp

Thyssenkrupp bietet eine große Bandbreite an Ausbildungsformen und -standorten. Nach eigenen Angaben sind mehr als 3.000 Auszubildende in 60 Ausbildungsberufen aktiv dabei, im Unternehmen ihre Berufsausbildung zu absolvieren. Ausbildungsmöglichkeiten gibt es sowohl im technischen als auch im kaufmännischen Bereich. Aktuell gehören dazu unter anderem folgende Ausbildungen:

Nicht nur, wer auf der Suche nach einem Ausbildungsberuf ist, kann Thyssenkrupp als Arbeitgeber für sich entdecken. Der Konzern bietet neben einem Verbundstudium, Trainee- oder Doktorandenprogramme und dem Direkteinstieg auch duale Studiengänge an. Dazu gehören beispielsweise:

  • Bachelor of Engineering - ausbildungsintegriert
  • Wirtschaftsingenieurswesen - Bachelor of Engineering
  • Mechatronik - Bachelor of Engineering
  • BWL-Industrie - Bachelor of Arts
  • Maschinenbau - Bachelor of Engineering
  • Maschinenbau mit Schwerpunkt Konstruktion und Entwicklung - Bachelor of Engineering
  • Maschinenbau mit Schwerpunkt Virtual Engineering - Bachelor of Engineering
  • Elektrotechnik - Bachelor of Engineering
  • Informatik - Bachelor of Science

Das zahlt Thyssenkrupp

Wie die (lange) Liste des Ausbildungsangebots zeigt, gibt es zahlreiche Jobs und Karrieremöglichkeiten bei Thyssenkrupp. Dank der Industriegewerkschaft IG Metall werden Löhne tariflich organisiert und bezahlt. Dazu gehören Zuschläge für Mehr-, Schicht-, Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit, die mit einem Plus von 25 % bis 150 % auf den eigentlichen Lohn vergütet werden. In der Eisen- und Stahlindustrie greifen schon während der Ausbildung die Tariflöhne. Während ein Auszubildender in dieser Branche je nach Tarifgebiet und Ausbildungsjahr zwischen 861 € und 1.006 € brutto im Monat verdient, hängen die Gehälter der kaufmännischen und technischen Angestellten zusätzlich zum Tarifgebiet auch von ihrer Gehaltsgruppe und damit unter anderem von ihrer Beschäftigungsdauer ab. Hier liegt der mögliche monatliche Bruttolohn zwischen 1.652,16 € und 4.873,17 €. Die Meistergehälter hingegen starten brutto bei 3.276,28 € und können bis zu 4.799,01 € betragen. Weitere Erhöhungen sind bereits vereinbart und Angestellte, Auszubildende sowie gewerbliche Arbeitnehmer haben Anspruch auf jährliche betriebliche Sonderzahlungen sowie Weihnachtsgeld, eine Jahresabschlussvergütung und ein zusätzliches Urlaubsentgelt, das 110 % eines vollen Monatseinkommen nicht unterschreiten darf.

Was Mitarbeiter darüber hinaus im Jahr bei Thyssenkrupp verdienen können, zeigt die nachfolgende Auflistung der Brutto-Jahreseinkommen:

Thyssenkrupp – ein Arbeitgeber des Vertrauens?

Die Gehälter in der Eisen- und Stahlindustrie sind auch dank der Arbeit der Gewerkschaft überdurchschnittlich hoch. Das, die betrieblichen Zusatzleistungen und das Mitspracherecht, das Thyssenkrupp seinen Mitarbeitern bietet, steigern die Attraktivität des Großkonzerns als Arbeitgeber ungemein und sind vermutlich der Hauptgrund für die hohe Zufriedenheit der Beschäftigten des Unternehmens. Weder die traditionelle betriebliche Sozialpolitik noch die vorhandenen Zusatzleistungen lassen jedoch die kritisch zu betrachtende Vergangenheit und Gegenwart des Unternehmens verblassen. Manchen potenziellen Arbeitnehmern wird Thyssenkrupp als eines der großen deutschen Rüstungsunternehmen weniger behagen. Wer noch am Anfang seiner Karriere steht, sollte den langen Arm der Konsequenzen im Auge behalten, wenn es um die Arbeit für die Rüstungsindustrie geht. Denn der anschließende Einstieg in andere Branchen kann so schwerer, wenn nicht sogar unmöglich werden.

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Quellen:

ARD
Glassdoor
IG Metall
Rheinische Post
Statista
Thyssenkrupp
Wirtschaftswoche