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Arbeiten bei der Caritas: Gehalt, Jobs, Ausbildung und Karriere

Eine Mitarbeiterin in der Altenpflege kümmert sich um eine ältere Dame.

Wohltätige Arbeit gilt als Zeichen gelebter Nächstenliebe gegenüber Anderen, speziell gegenüber hilfsbedürftigen Menschen, und ist traditionell seit vielen Jahrhunderten Teil der Kirche. So ist es nicht verwunderlich, dass der Wohlfahrtsverband der römisch-katholischen Kirche den Namen Caritas trägt, lateinisch für Nächstenliebe. Über sich selbst sagt der Verein: „Die Caritas ist mehr als eine Organisation. Sie ist  eine Grundhaltung gegenüber Menschen, besonders gegenüber Menschen in Not.“

Senioren, Kranke oder Flüchtlinge – oft werden diese Personengruppen an den Rand der Gesellschaft gedrängt und geraten somit schnell in Not. Ganz im Einklang mit christlichen Werten steht bei der Caritas der Einsatz für genau diese Menschen besonders im Vordergrund. Unabhängig von Herkunft, Status, Geschlecht oder Religion bietet ihnen der katholische Wohlfahrtsverband zahlreiche Unterstützungsangebote an.

Gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO), dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Paritätischen Gesamtverband, der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) und der Diakonie Deutschland, dem Pendant der evangelischen Kirche, stellt der Deutsche Caritasverbund (DCV) einen der sechs Spitzenverbände der sogenannten Freien Wohlfahrtspflege dar. Diese bildet durch die Bereitstellung sozialer Hilfsangebote eine wichtige Säule des deutschen Sozialstaates.

Der Deutsche Caritasverbund ist ein eingetragener Verein und Spitzenverband von mehr als 900 einzelnen Organisationseinheiten. Mit über 25.000 Einrichtungen und Diensten, mehr als 690.000 Mitarbeitern und mehreren hunderttausend Ehrenamtlichen ist die Caritas allerdings nicht nur ein Wohlfahrtsverband, sondern auch der größte private Arbeitgeber des Landes. Doch welche Jobs gibt es dort überhaupt? Und welche Gehälter sind zu erwarten? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich der folgende Artikel.

Die bewegte Geschichte der Caritas

Die Geschichte der Caritas beginnt im November 1897 in Köln als der Theologe Lorenz Werthmann den Verein gründet, um die drohende Zersplitterung der katholischen sozialen Hilfsangebote zu verhindern. In den Folgejahren engagiert sich der noch junge Verein bereits auf vielen verschiedenen Gebieten der sozialen Not und setzt sich unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen sowie den Mädchen- und Frauenschutz ein. Auch in zahlreichen Nachbarländern bilden sich nach und nach weitere nationale Caritas-Verbände.

Der erste Weltkrieg bringt nicht nur neue Notsituationen für die Menschen mit sich, sondern legt auch die schlechte Infrastruktur, Finanzplanung und Aufgabenkonzeption des Verbands offen. Aus diesem Grund legitimieren deutsche Bischöfe den Caritasverband als Sozialdienst der katholischen Kirche, wodurch dieser von nun an finanzielle Förderung und eine feste organisatorische Basis erhält. Dies bietet der Caritas auch die Möglichkeit, bereits in den 1920er-Jahren zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten im sozialen Bereich zu schaffen.

Die Zeit des Dritten Reiches ist ein schwerer Einschnitt in die Arbeit aller Wohlfahrtsverbände in Deutschland. Auch für die Caritas bedeutet die Herrschaft der Nationalsozialisten das Ende der partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Staat und freier Wohlfahrtspflege. Die Kontrolle und Gleichschaltung schränkt die Arbeit der Caritas stark ein, zerstört diese jedoch nicht die Caritas überlebt. Nach Ende des Krieges ist der Wohlfahrtsverband also sofort handlungsfähig und beginnt unverzüglich mit der Linderung der Kriegsfolgen. Ende der 1950er-Jahre engagiert sich die Caritas erstmals in der internationalen Not- und Katastrophenhilfe, welche bis heute ein wichtiges Anliegen des Vereins geblieben ist. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands verkünden die Verbände der ehemaligen DDR ihre Neugründung bzw. Wiedergründung und sind seither Teil des Deutschen Caritasverbands, wie er heute bekannt ist.

Ausbildung bei der Caritas

Die fachgerechte Ausbildung junger Menschen liegt der Caritas schon immer am Herzen. Speziell in Zeiten des akuten Fachkräftemangels im sozialen Bereich ist es besonders wichtig, motivierten Nachwuchs zu finden und langfristig an den Verein zu binden. Für Schulabsolventen mit einem Hauptschulabschluss, einem mittleren Schulabschluss oder dem Abitur bietet der Deutsche Caritasverbund zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten in verschiedenen Bereichen. Besonderes Augenmerk liegt hier auf der Ausbildung zum Pflegefachmann bzw. zur Pflegefachfrau, die seit dem Jahr 2020 die Ausbildungen in allen Pflegebereichen zusammenführt. Wichtig ist zudem, dass nicht jeder Beruf an jedem Standort erlernt werden kann, da der Wohlfahrtsverband in viele verschiedene Unterorganisationen in ganz Deutschland aufgeteilt ist. Welche Ausbildungen eine Organisation genau anbietet, kann auf der jeweiligen Internetseite nachgelesen werden.

Folgende Ausbildungsberufe stehen unter anderem zur Auswahl:

Eine Ausbildung beim Deutschen Caritasverband dauert in der Regel ein bis drei Jahre, abhängig auch vom Lehrberuf und der Art der Ausbildung. Die Azubis erwarten ein unterstützendes Arbeitsumfeld, anspruchsvolle Aufgaben und ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit. Die Caritas richtet sich bei der Vergütung nach den Arbeitsvertragsrichtlinien des Deutschen Caritasverbandes (AVR), welche sich an das Tarifwerk des öffentlichen Dienstes anlehnen. Da die Ausbildungsgehälter je nach Beruf variieren können, lässt sich keine allgemeingültige Aussage über die Vergütung während der Lehre treffen. Für die allermeisten der Ausbildungsberufe ist das Entgelt im ersten Lehrjahr auf 1.018,26 Euro brutto monatlich, im zweiten Lehrjahr auf 1.068,20 Euro brutto monatlich und im dritten Lehrjahr auf 1.114,02 Euro brutto monatlich festgelegt. Umfasst die Ausbildung ein viertes Lehrjahr, kommen die Auszubildenden dann auf 1.177,59 Euro brutto monatlich. Diese Vergütung trifft jedoch nicht auf Azubis in der Altenpflege oder Krankenpflege sowie auf angehende Hebammen zu. Das für diese geltende Entgelt kann in Anlage 7 des ARV nachgeschlagen werden.

Duales Studium und Freiwilligenarbeit

Neben klassischen Berufsausbildungen bieten einige regionale Verbände der Caritas in Kooperation mit verschiedenen Hochschulen ein duales Studium an. Auch hier variiert das Angebot je nach Standort. Die Vergütung der Studierenden richtet sich meist nach den tariflichen Regelungen für Auszubildende oder Praktikanten.

Folgende Studiengänge werden vom Deutschen Caritasverband angeboten:

Wer sich noch nicht sicher ist, ob die Caritas wirklich der richtige Ausbildungspartner oder Arbeitgeber ist und zunächst einmal in Berufsfeld und Arbeitsumfeld hineinschnuppern möchte, kann dies im Rahmen eines Praktikums tun. Auch Praxissemester während eines Studiums können bei den Verbänden der Caritas absolviert werden.

Ein wichtiger Bestandteil der Caritas und der Freien Wohlfahrtspflege ist zudem die Freiwilligenarbeit, beispielsweise in Form eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder eines Bundesfreiwilligendienstes (BFD). Junge Leute erhalten hier die Möglichkeit, praktische Erfahrungen in einer karitativen Einrichtung zu sammeln und verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen.

Berufe und Gehälter bei der Caritas

Genauso vielfältig wie die Ausbildungsmöglichkeiten sind auch die Jobangebote bei der Caritas. Dank der großen Bandbreite an Einsatzfeldern arbeiten bei der Caritas viele verschiedene Berufsgruppen – von Erziehern über Altenpflegerinnen bis hin zum IT-Manager ist alles dabei.

Die Caritas hat ihr eigenes Arbeits- und Tarifrecht. In den Richtlinien für Arbeitsverträge in den Einrichtungen des Deutschen Caritasverbandes (AVR Caritas) sind unter anderem Arbeitszeiten, Vergütung sowie Sonderzuwendungen geregelt. Die Entgelte orientieren sich in ihrer Höhe an den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes. Mittels Vergütungstabellen lässt sich der Verdienst der Caritas-Mitarbeiter genau ermitteln. Für unterschiedliche Tätigkeitsfelder gelten unterschiedliche Tabellen, welche gleichermaßen in verschiedene Entgeltgruppen sowie Gehaltsstufen unterteilt sind, die je nach Qualifikation, Berufserfahrung und Beschäftigungsjahren ansteigen.

Das Tarifsystem des Deutschen Caritasverbundes sieht bundesweit einheitliche Regelungen im Arbeitsrecht vor, garantiert jedoch keine bundesweit einheitliche Bezahlung, denn neben dem Bundestarif gibt es noch zahlreiche regionale Tarife. Diese werden von Regionalkommissionen ausgehandelt und tragen den örtlichen Gegebenheiten Rechnung. Weiterhin werden nicht alle Mitarbeiter nach Tarif bezahlt. Vor allem ungelernte Hilfskräfte sind in die tarifrechtlichen Regelungen nicht mit eingeschlossen. Laut Caritas liegt das Gehalt dieser Angestellten dennoch ca. 30 Prozent über dem Mindestlohn. Aus diesen Gründen kann es bei der Entlohnung zu erheblichen Schwankungen kommen und eine einheitliche Aussage zu Einkommensniveaus nicht getroffen werden.

Die folgende Übersicht gibt Einblick in mögliche Berufe in Einrichtungen des Deutschen Caritasverbundes sowie beispielhafte Jahresbruttogehälter, welche im Durchschnitt zu erwarten sind:

Soziale Berufe

Kaufmännische und sonstige Berufe

Jobs bei der Caritas

Bruttogehalt:
Durchschnittliches Bruttogehalt bei 40 Wochenstunden

Die Caritas: Segen für Bedürftige oder Geldregen für Manager?

Kirchen und andere Wohlfahrtsverbände gehören zu den größten Arbeitgebern in Deutschland, doch da für die Finanzen gemeinnütziger Organisationen andere Regelungen und Vorteile gelten, als für herkömmliche Unternehmen, werden die Einrichtungen und besonders das Führungspersonal oft vom Finanzamt im Auge behalten. Immer wieder landen nicht nur die Caritas, sondern auch andere große soziale Verbände in den Schlagzeilen – und häufig geht es dabei um Geld. Die Kritik reicht von zu hohen Managergehältern über die Ausnutzung von Steuervorteilen bis hin zur Finanzierung von Luxusgütern auf Kosten der Steuerzahler. Doch was ist dran an den Vorwürfen?

Im Jahr 2015 schlägt der Skandal um den Caritas-Geschäftsführer der Altenpflege Rainer Flinks große Wellen, welcher bis heute nicht vollständig aufgeklärt werden konnte. Der Fall erhielt große mediale Aufmerksamkeit, nachdem ein Artikel veröffentlicht wurde, der eine Vielzahl an Anschuldigungen gegen Flinks vorbrachte. Dieser soll unter anderem über Jahre seine Geburtstagspartys mit Spendengeldern finanziert und unverhältnismäßige Gehaltserhöhungen erhalten haben. Auch ein neues Büro, welches von den Medien als unverhältnismäßig luxuriös kritisiert wurde, hat Flinks angeblich ausstatten lassen. Die Kosten im fünfstelligen Bereich trug sein Arbeitgeber. Rainer Flinks dementiert vehement diese Vorwürfe und verteidigt seine Handlungen, dennoch ist bis heute unklar, wie diese zu beurteilen sind. Doch auch andere hochrangige Mitarbeiter des katholischen Sozialdienstes werden immer wieder mit ähnlichen Anschuldigen konfrontiert. Ist die Caritas also so wohltätig wie sie behauptet?

Es lässt sich festhalten, dass sich die Skandale meist in einzelnen Verbänden auf Führungsebene abspielen und keineswegs ein flächendeckendes Problem darstellen. Die tägliche Arbeit der tausenden Erzieher, Pflegerinnen, Sozialpädagogen sowie ehrenamtlichen Helferinnen wird dadurch nicht beeinflusst. Genauso wenig schmälern diese Schlagzeilen den Einsatz, den die Caritas-Mitarbeiter jeden Tag aufs Neue zeigen. Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft bleiben auch weiterhin die Grundsätze der Caritas und der Wohlfahrtsverband einer der größten Arbeitgeber und wichtige Säule des deutschen Sozialstaates.

 

Quellen:

Caritas.de

Focus.de

Glassdoor

Oeffentlicher-dienst.de

Pflege-online.de

Schiering.org

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