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Was verdient man bei Porsche?

Lenkrad eines alten Porsche

Allem Wandel zum Trotz: Porsche fasziniert. Der für seine Sportwagen bekannte Stuttgarter Autobauer genießt internationale Beliebtheit und das über seine Kundschaft hinaus. 2018 hatte das baden-württembergische Unternehmen nicht nur Umsatzerlöse in Höhe von 25.784 Millionen Euro vorzuweisen, sondern galt auch unter den studierenden Ingenieurinnen und Wirtschaftswissenschaftlern als der beliebteste Arbeitgeber. Was den Autobauer so attraktiv macht, welche Jobs er bietet und wie viel er zahlt, klären wir im nachfolgenden.

Der Arbeitgeber Porsche

Die Geschichte des Unternehmens beginnt 1930, als Ferdinand Porsche sein eigenes Konstruktionsbüro in Stuttgart gründet. Von Beginn an dem Hochpreissegment zugeneigt, hatte das Unternehmen in der krisengeschüttelten Anfangszeit mit wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen. In der Zeit des Nationalsozialismus war Porsche an der Entwicklung des KdF-Wagens (Volkswagen) beteiligt, im Zweiten Weltkrieg schließlich überwiegend mit Konstruktionen für die Rüstungsindustrie. Wie viele andere deutsche Unternehmen beschäftigte Porsche Hunderte Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene und es benötigte erst öffentliche Aufmerksamkeit und Diskussion Ende der 1990er Jahre bis Porsche schließlich Entschädigungszahlungen mithilfe der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft auf den Weg brachte.

Nach Kriegsende startete die erste Serienproduktion 1950 mit dem Porsche 356 Nr. 1 in Zuffenhausen. Es folgte 1963 das bekannteste Fahrzeug der Autobauer, der Porsche 911, der zum Inbegriff der Marke und später als „Urmodell“ bezeichnet werden soll. Anfang der 1970er Jahre beschlossen die Geschwister Ferry Porsche und Louise Piëch, die Erben des Automobilkonstrukteurs Ferdinand Porsche, dass in den nachfolgenden Gesellschaften keine Familienmitglieder nach ihnen mehr tätig sein dürfen. Grund hierfür waren bereits vorangegangene Streitfälle und Zwists innerhalb der Familie.

Die jüngste Geschichte steht für Wandel, aber auch für ungebrochenen Erfolg: 2006 war das baden-württembergische Unternehmen mit einem Absatz von 97.000 Fahrzeugen der kleinste unabhängige Autoproduzent aus Deutschland; inzwischen gehört Porsche allerdings vollständig zum Volkswagen-Konzern und setzt auf SUVs. Im Jahr 2018 produzierte der eigentliche Sportwagenhersteller insgesamt fast 270.000 Fahrzeuge. Ungefähr 173.000 davon waren allerdings Fahrzeuge der SUV-Modelle Cayenne und Macan, die schon seit mehreren Jahren den Großteil der Produktion ausmachen.

Im Hinblick auf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wirbt Porsche mit einer familienfreundlichen und flexiblen Möglichkeit zur Arbeitsgestaltung. 32.325 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigte das Traditionsunternehmen im Jahr 2018 und bietet ihnen unter anderem Betriebssport zur Gesundheitsförderung mit Fokus auf das Miteinander, eine temporäre Reduktion der eigenen Arbeitszeit auf bis zu 20 Stunden die Woche sowie die Nutzung von Homeoffice oder Jobsharing. Letztere auch für Führungspositionen (Topsharing). Neben finanziellen Anreizen wie fast ein komplettes 13. Monatsgehalt als Weihnachtsgeld ermöglicht Porsche seinen Mitarbeitern (mit fest definierten Bedingungen) eine persönliche Auszeit von bis zu einem Jahr in Form eines Sabbaticals. Auch die Pflege von Familienangehörigen und die Kinderbetreuung werden mit verschiedenen Programmen und Möglichkeiten unterstützt.

Porsches Beförderungsmodell – die hauseigene Revolution

Ein weiterer Grund für die Popularität könnte der Wandel in der Beförderungspolitik sein, der vor einigen Jahren von dem Sportwagenhersteller initiiert wurde. 2012 lag der Frauenanteil im Porsche-Management in den ersten drei Managementebenen unterhalb des Vorstands bei 5,3 Prozent (dritte Ebene), 4,6 Prozent (zweite Ebene) und 1,9 Prozent (erste Ebene nach dem Vorstand). Mehr Chancengleichheit sollte her und der Wechsel des Vorstands im selben Jahr machte dies möglich. Porsche hat nicht nur verstanden, dass es bei dem Kampf um Fachkräfte und damit auch im Kampf um weibliche Arbeitnehmerinnen nicht ausschließlich darum geht, dass im Job eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie entscheidend ist. Vielmehr haben die Zuffenhausener in ihrer Beförderungspolitik weiche Versprechen und Vorhaben durch harte Konsequenzen ersetzt. Eine eigene Quote gewährleistet, dass langsam aber sicher der Frauenanteil in den Führungsetagen mit denen der männlichen Kollegen gleichzieht.

Das hauseigene Beförderungsmodell funktioniert wie folgt: Porsche hat sich selbst eine Beförderungsquote von Frauen auferlegt. In jedem Ressort wird individuell ermittelt, wie viele Frauen im oberen Tarifbereich arbeiten. Bei Beförderungen in die obersten drei Managementebenen muss dieser Anteil berücksichtigt werden. Der Frauenanteil bei der Berufung ins Management muss also mindestens so hoch sein, wie es die Grundgesamtheit der Frauen in diesem Bereich ist.

Da gut gemeinte Vorhaben und Versprechungen oft kaum Früchte in Fragen der Chancengleichheit tragen, hat der Porsche-Vorstand sich etwas Effektiveres überlegt. Im Management-Bereich des Sportwagenbauers wird, wie allgemein üblich, eine variable Vergütung gezahlt, die auch an die Erreichung persönlicher Ziele gekoppelt ist. Jeder Manager bzw. jede Managerin hat das Ziel der Chancengleichheit zu erfüllen. Wer also nicht anteilig gleich viele Männer und Frauen fair befördert, erhält am Ende weniger Geld. Dieses System soll dafür sorgen, dass die „gläserne Decke“ für Frauen verschwindet und sich Männer gleichzeitig nicht übergangen fühlen.

Die Zahlen sprechen für sich: 2018 lag der Frauenanteil im Management bei 10 Prozent. Zwar fehlt noch einiges bis zu den angestrebten 50 Prozent, doch die klar erkennbare Entwicklung macht Hoffnung. Bevor die eigene Beförderungsquote 2012 ins Leben gerufen wurde, betrug der prozentuale Anteil von Frauen im Management bei Porsche lediglich 5 Prozent. Innerhalb von sechs Jahren konnte das Unternehmen seinen Frauenteil in Führungspositionen also verdoppeln.

Mit Porsche in Ausbildung und Studium auf die Überholspur

Egal ob nach der Schule, im Studium oder mit Abschluss in der Tasche: Porsche züchtet sich gerne den Nachwuchs selbst heran und bietet daher eine ganze Reihe an Möglichkeiten für den Einstieg in das Unternehmen. Ähnlich wie in der selbst auferlegten Beförderungspolitik fördert und unterstützen die Zuffenhausener die Einstellung von Frauen, sodass sich der Anteil von Frauen auf allen Ebenen vergrößert und langsam anpasst.

Mit den richtigen Voraussetzungen lässt sich bei Porsche eine Berufsausbildung im technischen oder kaufmännischen Bereich anstreben. Der Autobauer bietet ein eigenes Ausbildungszentrum, Team- und Projekttage und einige Berufe, aus denen gewählt werden kann. Dazu gehören:

Als Teil der IG Metall verdienen Auszubildende bei Porsche nach Tarifvertrag. Seit dem 1. April 2018 gelten damit abhängig vom jeweiligen Bundesland folgende Ausbildungsgehälter (Brutto-Monatslohn) für Auszubildende in der Metall- und Elektroindustrie:

  • Im ersten Ausbildungsjahr: 976 € – 1.037 €
  • Im zweiten Ausbildungsjahr: 1.029,38 € – 1.102 €
  • Im dritten Ausbildungsjahr: 1.101,92 € – 1.199 €
  • Im vierten Ausbildungsjahr: 1.141 € – 1.264 €

Einsatz- und Verdienstmöglichkeiten bei Porsche für Werkstudenten/-innen

Für viele Studierende gehört ein Job neben dem Studium zum Alltag, sei es, um den Lebensunterhalt zu finanzieren, um Berufserfahrung zu sammeln oder gleich beides. Porsche bietet eine ganze Reihe von Jobs für Werkstudenten und Werkstudentinnen an und zahlt dabei überdurchschnittlich. Bei einer Arbeitszeit von 20 Stunden in der Woche erhalten Werkstudenten und Werkstudentinnen ein Brutto-Jahresgehalt von 12.480 € bis 21.120 €. Welche Jobs es da unter anderem gibt, zeigt die anschließende Liste.

Informationstechnische Bereiche

  • Smart Mobility
  • Smart Digital Solutions
  • Connected Car
  • IT-Servicemanagement
  • Business Intelligence   

Technische Bereiche

  • Gesamtfahrzeugerprobung und Werkstätten
  • Entwicklung Elektrik/Elektronik - Steuerung und Messtechnik
  • Hochvolt-Systementwicklung
  • Product Ownership & Requirements Engineering

Wirtschaftliche Bereiche

  • Personalmarketing
  • Controlling        
  • Operative Logistik
  • Kreditorenbuchhaltung              
  • Politik PR und Kommunikation
  • Marketing Kommunikation
  • E-Commerce
  • Operatives Personalwesen
  • Compliance und Vertragswesen

Das Angebot für Studierende geht bei den Zuffenhausenern über die Möglichkeit, als Werkstudent oder Werkstudentin zu arbeiten, hinaus. Ob im oder noch vor dem Studium, auch Praktikanten und Praktikantinnen können bei Porsche ihre Erfahrungen machen und dabei zwischen ca. 660 € bis 2170 € im Monat (brutto) verdienen. Darüber hinaus werden Bachelor- und Masteranden, also Studierende, die ihre Abschlussarbeit im Unternehmen schreiben, mit 750 € bis 1000 € im Monat (brutto) entlohnt.

Duales Studium bei Porsche

Wer ein duales Studium anstrebt, für den bieten sich bei Porsche einige Möglichkeiten. Darunter ist ein Bachelor of Arts in BWL – Digital Business Management. Auffällig ist, dass der Autobauer inzwischen fast gleich viele Studienangebote im Informatiksektor ausschreibt wie im Ingenieurbereich. Ein dualer Bachelor of Engineering lässt sich bei Porsche zum Beispiel in folgenden Bereichen erwerben:

Die nachfolgende Liste der angebotenen Studiengänge als Bachelor of Science mit informationstechnischem bzw. wirtschaftlichen Fokus ist noch umfangreicher. Hier zeigt sich eine Fokusverschiebung von (mechanischer) Technik auf IT.

  • Informatik – Informationstechnik          
  • Informatik – Mobile Informatik              
  • Informatik – IT Automotive
  • Wirtschaftsinformatik
  • Wirtschaftsinformatik – Application Management

Jobs bei Porsche

Die Liste der Stellen bei Porsche ist lang. Der Sportwagenhersteller ist nicht nur ein großer Arbeitgeber, er bietet auch vielfältige Aufgaben, die zum Teil sehr spezifische Jobs hervorbringen. Die nachfolgende Liste enthält unter anderem Positionen aus den Bereichen Forschung und Entwicklung, IT und Buchhaltung.

IT

  • Backend-Developer/-in
  • Frontend-Developer/-in
  • Data Engineer
  • Fullstack-Developer/-in
  • IT-Change-Manager/-in & IT-Stratege/-in
  • IT-Service-Manager/-in
  • IT-Applikationsentwickler/-in
  • IT-Architekt/-in
  • IT-Koordinator/-in         
  • IT-Plattformmanager/-in
  • IT-Produktverantwortliche/-r
  • IT-Sicherheitsmanager/-in
  • Qualitätsmanager/-in für Softwareentwicklung
  • SAP-Architekt/-in
  • Software-Architekt/-in
  • Softwareingenieur/-in

Technik und Entwicklung

Wirtschaft

Projektleitung

Diese Gehälter zahlt Porsche

Fahrzeughersteller gelten als großzügige Arbeitgeber – entsprechend spannend ist Frage nach der Höhe der Gehälter, die Porsche seinen Angestellten zahlt. Die nachfolgend genannten Gehälter zeigen, dass diese Erwartungshaltung gar nicht so fehl am Platz ist. Die anschließende Liste enthält Brutto-Jahresgehälter bei einer Vollzeitbeschäftigung.

Porsche got it all

Der Stuttgarter Autobauer bietet offenbar ein ansehnliches Gesamtpaket: diverse Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, eine gute Bezahlung zu angenehmen Konditionen und das Ganze auch noch in einem deutschen Traditionsunternehmen. Die aktuelle Beliebtheit bei den Studierenden spricht Bände, die Popularität des Sportwagenproduzenten ist ungebrochen.

In der Euphorie sollte allerdings nicht vergessen werden: Wie so viele andere deutsche Autobauer wurde auch Porsche im Diesel-Skandal verurteilt und musste ein Bußgeld von 535 Millionen Euro zahlen. Die Autobildindustrie befindet sich darüber hinaus auch im zwangsläufigen Wandel. Auch wenn sich bei dem Angebot von dualen Studiengängen bereits andeutet, dass Bewegung bei Porsche aufkommt, wird sich noch zeigen müssen, wie gut das Unternehmen wirklich auf diesen Wandel vorbereitet ist.

Quellen:

Glassdoor

Handelsblatt

IG Metall

Manager Magazin

Porsche

Spiegel

Stuttgarter Zeitung

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