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Gehaltspfändung – was tun?

Gehaltspfändung – was tun?

Das Gehalt kann nur dann gepfändet werden, wenn ein vollstreckbarer Titel vorliegt, beispielsweise ein Vollstreckungsbescheid oder ein Vergleich, der gerichtlich protokolliert wurde. Wichtig ist zunächst feststellen zu lassen, ob der Pfändungsbetrag korrekt ist. Zudem sollte das Gespräch mit dem Arbeitgeber gesucht werden.

Erster Schritt: Gespräch mit Arbeitgeber suchen

Dieser Gang wird nicht leicht fallen, aber es sollte in jedem Fall mit dem Arbeitgeber geredet werden. In der Regel wird er bereits von der Pfändung erfahren haben und das Lohnbüro hat wahrscheinlich schon den pfändungsfreien Betrag errechnet. Für die Berechnung müssen Belege und Angaben vorliegen, die für diesen Betrag relevant sind. Der Arbeitgeber muss beispielsweise wissen, ob Unterhaltsverpflichtungen bestehen.

Pfändungsbetrag überprüfen lassen

Mit der Überprüfung des errechneten Pfändungsbetrags sollte nicht lange gewartet werden. Der pfändbare Betrag hängt vom Nettogehalt und von der Anzahl der Familienangehörigen ab, die von diesem Gehalt abhängig sind. Zudem gibt es Gehaltsbestandteile, die nicht gepfändet werden dürfen. Dazu gehören unter anderem Spesen, Zulagen oder Urlaubsgeld. Bei der Vergütung für Überstunden wird von der Bruttovergütung ausgegangen und davon dürfen nur fünfzig Prozent gepfändet werden.

Man kann anhand der Pfändungstabelle zwar selbst den Pfändungsbetrag ermitteln, doch ist es empfehlenswert, sich an einen Rechtsanwalt, eine Schuldnerberatungsstelle oder an das zuständige Amtsgericht zu wenden.

Für die Berechnung halten sich Arbeitgeber an die Lohnsteuerkarte, doch damit wird nicht ersichtlich, ob es noch andere Unterhaltsberechtigte gibt (ehemalige Partner oder nichteheliche Kinder). Dafür müssen dem Arbeitgeber Nachweise vorgelegt werden (Belege für Unterhaltszahlungen, Geburtsurkunden oder ähnliches).

Der pfändungsfreie Betrag reicht nicht aus

Sollte das Einkommen, das nach der Lohnpfändung übrig bleibt, nicht ausreichen, kann ein Vollstreckungsschutzantrag gestellt werden. Dafür lässt man sich beim Jobcenter oder beim Sozialamt bescheinigen, dass man aufgrund der Gehaltspfändung sozialhilfebedürftig wird.

Mit dieser Bescheinigung geht man zum zuständigen Amtsgericht und stellt dort einen Antrag, damit der unpfändbare Teil des Gehalts erhöht wird. Dem Arbeitnehmer muss mindestens so viel vom Einkommen bleiben, dass ihm zustünde, wenn er Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe bekäme.

Gehaltspfändung wegen Unterhaltsschulden?

Sind Unterhaltsschulden der Grund für die Lohnpfändung, gelten andere Grundsätze für die Berechnung. Hier wird im Einzelfall vom Gericht die Höhe es pfändungsfreien Betrages festgelegt.

Falls dieser festgesetzte Betrag nicht ausreicht, um damit den Lebensunterhalt zu bestreiten, sollte eine Schuldnerberatungsstelle aufgesucht werden, die bei der Berechnung des sozialrechtlichen Existenzminimums hilft.

Mit dieser Berechnung geht man zum Jobcenter oder Sozialamt und lässt sich dies bestätigen. Nun wird beim Gericht ein Antrag auf Erhöhung des unpfändbaren Anteils des Gehalts gestellt. Auch hier gilt: Dem Arbeitnehmer steht so viel Geld zu, wie ihm an Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe zustehen würde.

Erhöhter Finanzbedarf aufgrund persönlicher Gründe

Einen Antrag auf Anhebung des pfändungsfreien Betrags kann auch dann gestellt werden, wenn ein erhöhter Finanzbedarf durch Krankheitskosten, beruflichen Werbungskosten oder anderen persönlichen Gründen nachgewiesen werden kann.

Zu den beruflichen Werbungskosten gehören unter anderem Aufwand für notwendige Fortbildungen, Fahrtkosten, Kosten für Kinderbetreuung oder auch Kosten für eine doppelte Haushaltsführung.

Was ist, wenn der Arbeitnehmer über weitere Einkommen verfügt?

Erzielt der Arbeitnehmer zusätzlich Einkommen aus weiteren Tätigkeiten, wird erst dann aus dem gesamten Betrag der Pfändungsbetrag berechnet, wenn der Gläubiger vom Zweiteinkommen erfahren hat.

Der Arbeitnehmer ist nicht verpflichtet, Gläubiger oder Arbeitgeber auf das Zusatzeinkommen hinzuweisen. Liegt aber ein Antrag auf eidesstattliche Erklärung seitens des Gläubigers vor, muss der Arbeitnehmer über alle Einkünfte Auskunft geben.

Das Einkommen aus einer Nebentätigkeit wird für die Berechnung wie Überstundenvergütungen behandelt: Fünfzig Prozent des Bruttogehalts aus dieser Nebentätigkeit sind unpfändbar.

Schuldnerberatung als Unterstützung bei Überschuldung

Wenn es bis zur Gehaltspfändung gekommen ist, schaffen es viele Schuldner nicht mehr, alleine aus ihrer Situation herauszufinden. Eine Überschuldung ist in der Regel nicht von heute auf morgen entstanden. Oft haben Betroffene die Übersicht über ihre Ausgaben verloren. Es ist ratsam, Hilfe bei einer Schuldnerberatungsstelle zu holen. Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Deutsches Rotes Kreuz oder Arbeiterwohlfahrt bieten kostenlose Schuldnerberatungen an.

Mit Hilfe der Berater wird zunächst ein Überblick über die Schulden gewonnen. Es werden die Einnahmen undn Ausgaben geprüft und geschaut, wo der Schuldner sparen kann. Zudem werden Strategien entwickelt, um aus der Situation herauszukommen.

Oft bestehen lange Wartezeiten, bis die Schuldnerberatung begonnen werden kann. In diesem Fall sollte man nachfragen, wie sich auf die Beratung vorbereitet werden kann. Meistens bekommt man Hilfen wie Haushaltspläne oder Vordrucke für die Übersicht der Schulden, sodass bereits aktiv etwas getan werden kann, um die Lage zu verbessern.

Weiterführende Infos zum Thema:

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