Karrierelexikon

Gehalt nicht am ersten auf dem Konto

Inhaltsverzeichnis

Die Lohnzahlung steht auf der Liste der Arbeitgeberpflichten ganz oben. Selbst ohne Vertrag und ohne Bindung an bestehende Tarifverträge ist nach § 612 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) eine Vergütung für geleistete Arbeit für den Arbeitgeber ein Muss. Obendrein ist er verpflichtet, für seine Mitarbeiter ordnungsgemäß und termingerecht Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zu berechnen und abzuführen. Selbstverständlich gehört auch die rechtzeitige Zahlung des Gehalts an den Arbeitnehmer mit dazu, wenn der Zeitpunkt dieser Auszahlung im Arbeitsvertrag fixiert ist. Meist ist eine Überweisung zum Monatsende vereinbart, so, dass das Geld zum jeweils Monatsersten auf dem Konto steht, oder zum 15. eines Monats. Doch selbst wenn kein Termin vereinbart wurde, ist spätestens nach dem Ablauf des Monats, in dem die Arbeit geleistet wurde, die Zahlung fällig. Sonst gerät der Arbeitgeber automatisch in Verzug.

Gehalt verspätet überwiesen - Ursachen

Bei vielen Arbeitnehmern werden exakt zum Monatsersten Miete, Versicherungen und andere Beträge abgebucht – und ohne die Gehaltszahlung wird es dann auf manchem Konto eng. Doch zunächst kann der Arbeitgeber bei einer einmal verspäteten Gehaltszahlung von einer Panne bei der Buchhaltung ausgehen, um falsch hinterlegte Kontodaten oder um einen Abrechnungsfehler. Einige Gehaltsprogramme berücksichtigen keine Feiertage. So kommt es zwangsläufig zu späteren Zahlungseingängen, wenn der Abbuchungstermin zu spät angesetzt ist. Dergleichen lässt sich aber schnell und gütlich regeln. Problematisch wird es, wenn das Gehalt öfter oder gar regelmäßig verspätet eingeht. Bei immer wieder um Tage und Wochen verschobenen Gehaltseingängen besteht dringender Gesprächsbedarf mit dem Vorgesetzten. Einige Unternehmen kämpfen mit der Insolvenz und versuchen, fällige Zahlungen zu verzögern. Andere wiederum möchten einfach Zinsen sparen und das Kapital lange auf dem eigenen Konto behalten.

Welche Möglichkeiten hat der Arbeitnehmer?

Bei wiederholt verspätetem Gehaltseingang hat der Arbeitnehmer selbst mit Komplikationen zu rechnen, obwohl er seinen eigenen Vertragspflichten pünktlich nachkommt. Im Gesprächstermin mit dem Vorgesetzten gilt es, möglichst sachlich zu bleiben und die Ursachen für den wiederholten Zahlungsverzug herauszufinden. Je nach Ausgang des Gesprächs besteht sogar die Möglichkeit, eine schriftliche Abmahnung zu erteilen und dabei eine Frist bis zur Begleichung der Schuld zu setzen. Eine unpünktliche Zahlung der monatlichen Bezüge ist nämlich ein Verstoß des Arbeitgebers gegen § 280 I des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) und zieht sogar eine Schadensersatzpflicht für Dispositionszinsen, Mahngebühren oder Gebühren für Rücklastschriften nach sich. Wiederholt sich die Situation oder bleibt der Geldeingang weiterhin aus, sollte man einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen, der die Außenstände einfordert.

Konsequenzen bei wiederholt verzögerter Gehaltszahlung

Trotz angespannter Arbeitsmarktlage hat der Arbeitnehmer in Extremfällen das Recht, fristlos zu kündigen, und sollte das auch tun, schon um sich selbst zu schützen. Der Anspruch auf ein neutrales Zeugnis bleibt davon unberührt. Auch das Arbeitsamt sollte bei berechtigten außerordentlichen Kündigungen sofort in Leistung treten – eine Rückfrage bei der Agentur für Arbeit und eventuell bei einem Anwalt für Arbeitsrecht klärt diese Frage. Eine solche Situation birgt nämlich stets das Risiko, dass der Arbeitgeber tatsächlich in die Insolvenz steuert und auch das Abführen von Versicherung und Steuern unterlässt. Ist der Arbeitnehmer privat versichert, wäre er dann sogar in der Pflicht, dies zu überprüfen, um seinen Krankenversicherungsschutz nicht zu verlieren. Eine Nachfrage bei den entsprechenden Stellen hilft, die Situation zu klären und die richtige Entscheidung zu treffen.

Weitere Themen zu Gehalt
Aktuelle News
  • Assistierte Ausbildung: Was ist anders?

    Assistierte Ausbildung: Was ist anders?

    Der Weg in den Beruf führt für viele junge Menschen noch immer sehr erfolgreich über die klassische duale Berufsausbildung. Seit Jahren klagen Unternehmen allerdings über die mangelnde Qualität der Bewerber auf ausgeschriebene Ausbildungsplätze. Gleichzeitig gibt es eine nicht geringe Anzahl junger Schulabgänger, die heute ohne Ausbildungsplatz bleiben. Stimmen die Noten nicht oder fehlt sogar ...

  • Bewerbung schreiben lassen: alles rund um das Thema Bewerbungsservice

    Bewerbung schreiben lassen: alles rund um das Thema Bewerbungsservice

    In vielen Bereichen ist der Arbeitsmarkt ein hart umkämpftes Pflaster: Die Jobsuche ist mühselig und wer den Traumjob erlangen möchte, muss heutzutage alle Register ziehen. Viele Bewerber sind frustriert und genervt, weil es mit der Jobsuche einfach nicht richtig klappt. Nur einigen wenigen Glücklichen ist es vergönnt, direkt auf Anhieb die gewünschte Position zu ergattern. Die Ursache des ...

  • Mit Musik Geld verdienen in Zeiten von Spotify & Co.

    Mit Musik Geld verdienen in Zeiten von Spotify & Co.

    Für die Musikbranche sind die fetten Jahre vorbei. Mit selbst gemachten Songs und Sounds Geld zu verdienen ist schwierig geworden. Denn wo früher Schallplatten- oder CD-Verkäufe Einnahmen für die Musikerinnen und Musiker generierten, finden physische Tonträger heute nur noch wenige Abnehmer. Streaming-Dienste wie Spotify, Deezer, Apple Music oder auch YouTube müssen herhalten – doch diese ...

  • Gehälter bei Apple: Was der iPhone-Hersteller zahlt

    Gehälter bei Apple: Was der iPhone-Hersteller zahlt

    Apple ist eines der Trend-Unternehmen überhaupt – und gleichzeitig umstritten. Die Hightech-Produkte aus dem Hause Apple, allen voran iPhone, iPad und MacBook, kosten viel Geld und gelten für viele Menschen allerdings als unverzichtbare (Lifestyle-)Accessoires. Wenn das neue iPhone XS hierzulande zum Verkaufsstart schon mindestens 1.149 Euro kostet, dann müssen die Apple-Mitarbeiter sicherlich ...

  • Home-Office – Alles, was Sie über das Arbeiten von Zuhause aus wissen müssen

    Home-Office – Alles, was Sie über das Arbeiten von Zuhause aus wissen müssen

    Firmen wie IBM oder Daimler gehen mit gutem Beispiel voran und lassen immer mehr Mitarbeiter von Zuhause aus ihre Arbeit verrichten. Die Digitalisierung macht’s möglich und so kommen mit der wachsenden Vernetzung auch immer mehr mittelständische und kleinere Betrieben auf den Geschmack und ermöglichen ihren Angestellten die Transformation zum Telearbeiter. Was beim Arbeiten in den eigenen vier ...