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Steuererklärung: 8 Tipps für eine höhere Rückzahlung

Steuererklärung: 8 Tipps für eine höhere Rückzahlung

Längst nicht für alle Steuerzahler besteht die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung - nur rund die Hälfte aller Steuerpflichtigen muss sich tatsächlich mit dieser unbeliebten Aufgabe herumschlagen. Doch es lohnt sich nahezu immer, in den sauren Apfel zu beißen und auch freiwillig aktiv zu werden. Für diejenigen, die eine Steuererklärung abgeben müssen, gilt allgemein die Frist zum 31. Mai 2018. Geben Sie die Steuererklärung freiwillig ab, gilt die Frist sogar noch bis zum Ende des Jahres 2021.

Zuletzt erhielten fast 90 Prozent der Steuerzahler Geld vom Finanzamt zurück. Die Wahrscheinlichkeit ist somit hoch, dass Ihre Steuerlast im vergangenen Jahr über die Abzüge von der Einkommensteuer zu hoch ausfiel. Im Schnitt erstattete der Fiskus nach Abgabe der Steuererklärung mehr als 900 Euro. Und auch in diesem Jahr empfiehlt sich ein genauerer Blick auf einzelne Posten, mit denen Sie am Ende kräftig Steuern sparen.

Steuererklärung leicht gemacht

Weshalb Sie auf eine freiwillige Steuererklärung außerdem nicht verzichten sollten: Im Jahr 2017 trat die Aufhebung der Belegpflicht in Kraft, seitdem gilt lediglich die Belegvorhaltepflicht. Das bedeutet, mit der Steuererklärung müssen Sie in aller Regel keine Belege mehr einreichen. Bei ungewöhnlichen Belastungen jedoch sparen Sie letztlich oft Zeit, indem Sie Quittungen & Co. freiwillig einreichen.

Zudem können Sie von nützlichen Hilfen bei der Steuererklärung profitieren: Mit Elster, der kostenlosen Steuersoftware der Steuerverwaltungen, geht das Ganze deutlich leichter von der Hand als die Variante mit Stift und Papier. Die Stiftung Warentest hat weitere Steuerprogramme verglichen, die jeden Schritt in der Steuererklärung erklären, auf Fehler hinweisen und die zu erwartende Summe vom Finanzamt anzeigen. Besonders gut schnitten dabei das WISO Steuersparbuch 2017 und die günstigere Variante Tax 2017 mit einem geminderten Funktionsumfang ab.

Nun aber zu den Tipps, die Ihnen verraten, wie Sie Steuern sparen und eine möglichst hohe Rückzahlung vom Finanzamt erhalten. Und vergessen Sie nicht: Kleinvieh macht auch Mist!

1. Ausbildungskosten

Ob Kosten für die Unterbringung, ob Semestergebühren, Fahrtkosten oder Ausgaben für Bücher und andere Arbeitsmittel: Im Anschluss an Ihre Ausbildung haben Sie rückwirkend bis zu sieben Jahre lang die Möglichkeit, Ausbildungskosten geltend zu machen, wenn bislang kein Steuerbescheid für diese Jahre vorliegt.

Von der Steuer absetzen lassen sich die Erstausbildung sowie jede weitere Ausbildung. Unter die Erstausbildung fallen die erste Lehre oder das erste Studium, die dem Erlernen eines künftigen Berufes dienen. Die Ausbildungskosten können als Sonderausgaben oder Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden.

Ausgaben für jede weitere Ausbildung nach der ersten abgeschlossenen Ausbildung gelten als Fort- oder Weiterbildungskosten und können als Werbungskosten abgesetzt werden. Hierfür müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Die vorige Ausbildung hat eine Dauer von zwölf Monaten nicht unterschritten, Sie haben diese mit einer Prüfung abgeschlossen und es besteht ein nachweisbarer Bezug zum derzeitigen oder zukünftigen Beruf.

2. Berufliche Ausgaben

Für berufliche Kosten berücksichtigt der Arbeitgeber im gesamten Jahr einen Arbeitnehmer-Pauschbetrag. Da viele diesen Betrag überschreiten, können die beruflichen Kosten von Arbeitnehmern als Werbungskosten angegeben werden.

An den Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer können Sie das Finanzamt dann beteiligen, wenn Sie den Raum ausschließlich beruflich nutzen. Wird der Raum nur zeitweise für die Arbeit genutzt, wird dieser steuerlich nicht anerkannt. Eine Ausnahme stellen Arbeitnehmer wie Lehrer oder Außendienstmitarbeiter dar, die zwar nicht überwiegend zu Hause arbeiten, denen jedoch kein eigener Schreibtisch im Büro des Arbeitgebers zur Verfügung steht. Eine schriftliche Bestätigung vom Arbeitgeber darüber, dass ein Teil der Aufgaben nur im eigenen Arbeitszimmer erledigt werden kann, erleichtert den Umgang mit dem Finanzamt.

Arbeitsmittel zählen nicht zur Ausstattung, somit können Sie diese als Arbeitnehmer unabhängig vom Arbeitszimmer abschreiben. Zu Arbeitsmitteln zählen Gegenstände wie ein PC, Drucker, Handy, Telefon, Faxgerät oder Büromittel. Neben Abschreibungen können Sie auch Reparatur- und Wartungskosten sowie Fahrt- und Transportkosten absetzen.

Ob Auto, Zug, Rad oder zu Fuß: Für den Arbeitsweg können Sie pro vollen Kilometer eine Entfernungspauschale (auch bekannt als „Pendlerpauschale“) veranschlagen, allerdings zählt hier nur eine Strecke, nicht Hin- und Rückweg. Außerdem zählt für das Finanzamt nur die kürzeste Straßenverbindung – es sei denn, eine tatsächlich gefahrene längere Strecke ist verkehrsgünstiger.

Auch Kosten für Bewerbungen können in voller Höhe abgesetzt werden. Ausgaben für entsprechende Bücher, Kurse oder Fahrten zu Bewerbungsgesprächen werden ebenso steuerlich berücksichtigt.

3. Altersvorsorge

Ausgaben, mit denen Sie für Ihre Zukunft vorsorgen, werden als Vorsorgeaufwendungen bezeichnet. Zu den Altersvorsorgeaufwendungen zählen vor allem die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zur Riester-Rente und zur privaten Rürup-Rente. Auch Beiträge an berufsständische Versorgungseinrichtungen sind hier inbegriffen, wenn die Leistungen mit denen der gesetzlichen Rentenversicherung vergleichbar sind. Altersvorsorgeaufwendungen können als Sonderausgaben geltend gemacht werden.

4. Umzug & Renovierung

Vielen ist bekannt, dass Kosten für beruflich bedingte Umzüge als Werbungskosten absetzbar sind. Die meisten wissen jedoch nicht, dass auch private Umzüge steuerlich geltend gemacht werden können. Die Arbeitsstunden für eine Spedition können Sie als haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich berücksichtigen lassen. Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit, erweiterte Kosten in der Steuererklärung anzuführen: Darunter fällt beispielsweise Nachhilfeunterricht für Ihr Kind nach einem Schulwechsel und damit verbundenen schulischen Problemen.

Kosten für Renovierungen, Ausbesserungen und Modernisierungen können anteilig von der Steuer abgesetzt werden. Nicht nur Eigentümer, sondern auch Mieter und Hausverwalter können von derartigen Steuererleichterungen Gebrauch machen. Dazu zählen Arbeits- und Fahrtkosten von Handwerkern, wie zum Beispiel Fliesenlegern, Elektrikern oder dem Schlüsseldienst, die in Ihrem Haushalt tätig werden. Auch die Reparatur von Elektrogeräten wird dazu gerechnet. Die Zahlung müssen Sie allerdings unbar leisten und Materialkosten werden nicht berücksichtigt.

5. Unterhalt

Befindet sich Ihr volljähriges Kind, für das Sie Anspruch auf Kindergeld bzw. Kinderfreibeträge haben, in der Berufsausbildung und lebt nicht in Ihrem Haushalt, so können Sie von einem jährlichen Freibetrag profitieren. Der Ausbildungsfreibetrag steht grundsätzlich jedem Elternteil zur Hälfte zu, von den Eltern kann jedoch auch eine andere Aufteilung beantragt werden. Der Freibetrag wird monatlich berechnet, dementsprechend steht Ihnen dieser unter Umständen in einem Jahr nur anteilig zu.

Unterstützen Sie hingegen eine bedürftige Person, gegenüber der Sie gesetzlich unterhaltsverpflichtet sind, für die jedoch weder Sie noch eine andere Person Anspruch auf Kindergeld bzw. Kinderfreibeträge haben, können Sie die Kosten bis zum Unterhaltshöchstbetrag als außergewöhnliche Belastungen angeben. Zu diesem Höchstbetrag kommen noch Aufwendungen für die Absicherung der unterhaltsberechtigten Person in der Krankenversicherung und der gesetzlichen Pflegeversicherung.

Wenn Sie Ihrem Ex-Ehepartner regelmäßige und dauerhafte Zahlungen als Versorgungsausgleich zukommen lassen, können diese als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Der Ex-Partner muss allerdings zustimmen, das erhaltene Geld im Gegenzug unter „sonstige Einkünfte“ zu versteuern. Stimmt der Ex-Partner nicht zu, sind die Zahlungen alternativ als außergewöhnliche Belastungen absetzbar.

6. Haushaltsnahe Dienstleistungen

Sie haben eine Haushaltshilfe, Unterstützung bei der Gartenarbeit, eine häusliche Kinder- oder Tierbetreuung oder einen Pflegedienst? Ausgaben für haushaltsnahe Dienstleistungen können ebenfalls von der Steuer abgesetzt werden. Berücksichtigt werden Leistungen, die üblicherweise Sie oder ein anderes Familienmitglied erledigen könnten. Das gilt auch für die Jahresabrechnung der Hausverwaltung (oder des Vermieters): Dort werden Ihre anteiligen Kosten für Dienstleistungen wie die Treppenhausreinigung aufgeführt.

Die Möglichkeit, haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich berücksichtigen zu lassen, besteht auch für Zweit- oder Ferienwohnungen. Allerdings gilt der Höchstbetrag für alle Wohnsitze zusammen.

7. Ehrenamt

Und noch eine gute Nachricht für alle Ehrenamtlichen: Wer sich beispielsweise als Trainer oder Chorleiter oder in einem Verein als Kassenwart oder Vorsitzender engagiert, kann abhängig von der Tätigkeit steuerfrei etwas dazuverdienen.

8. Exotische Posten, auf die keiner kommt

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für Ihre Allergiematratze nicht? Chronisch Kranke können die Ausgaben für ihre Allergiematratze sowie für das Allergiebettzeug als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend machen.

Die Kosten für die Beerdigung übersteigen das Erbe? Der Fiskus leistet unter diesen Umständen Unterstützung bei den Beerdigungskosten; gegebenenfalls werden auch Kosten für die Grabstätte, den Grabstein und die Überführungskosten als außergewöhnliche Belastung gewertet.

Auch beim Thema künstliche Befruchtung bestehen Chancen der steuerlichen Erleichterung für (heterosexuelle) Eheleute: Dies gilt auch für Spermien eines anonymen Spenders, die von einer Samenbank stammen. Die Befruchtung der Ehefrau mit Fremdsamen sei als medizinische Maßnahme zu sehen, wenn sie eine behinderte Körperfunktion des Mannes ersetze, so ein Urteil des Bundesfinanzhofs.

Auch in die Kategorien „haushaltsnahe Dienstleistungen“ und „Handwerkerleistungen“ können exotische Positionen wie die Dachrinnenreinigung, Graffitibeseitigung, die Installation oder Reparatur von Insektenschutzgittern oder Maßnahmen zur Taubenabwehr fallen. Prüfen Sie die Betriebskostenabrechnung auf derartige Punkte und geben Sie diese in der Steuererklärung an. Dies gilt ebenfalls für Eigennutzer von Wohnungs- und Hauseigentum, bei Vermietern hingegen stellen diese Kosten Werbungskosten dar.

Sie wollen das Dienstjubiläum oder den Abschied zusammen mit Ihren Kollegen feiern? Wenn es sich um ein berufsbezogenes Ereignis handelt, ist der Bundesfinanzhof offen für die Absetzbarkeit einer solchen Feierlichkeit. Ein wichtiges Kriterium bei der Prüfung des Finanzamtes ist neben Ort, Zeit und Kosten der Feier insbesondere die Zusammensetzung der Gäste. Idealerweise haben Sie alle Kollegen eingeladen oder zumindest die Kollegen aus der eigenen Abteilung, zudem sollten Sie zum Zweck der steuerlichen Absetzbarkeit auf private Gäste verzichten.

Die Steuererklärung ist raus!

Es ist geschafft: Die Steuererklärung ist abgegeben, wenige Wochen später erhalten Sie Ihren Steuerbescheid. Es ist nun ratsam, den Bescheid zu prüfen. Innerhalb eines Monats können Sie Einspruch gegen diesen erheben. Darüber hinaus sollten Sie die gesammelten Belege noch mindestens ein Jahr lang aufbewahren, da sie vom Finanzamt eingefordert werden können - im Zweifelsfall sogar noch nach mehreren Jahren.

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Quellen:

Bundesministerium der Finanzen
Express.de
Finanztip.de
Focus.de
Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V.
Statistisches Bundesamt
Stern.de
Steuern.de
Stiftung Warentest
Taxfix.de